Kindergarten

Neue Mundartregel im Kindergarten wirft Fragen auf

Die Kinder können im Kindergarten Mundart reden.

Die Kinder können im Kindergarten Mundart reden.

Den meisten Kindergärtnerinnen im Kanton Zürich wird es nicht schwerfallen, ab nächstem Sommer die neue Sprachregelung im Lehrplan umzusetzen. Was mit Kindergärtnerinnen passiert, die aus Deutschland kommen, ist unklar.

Dort heisst es nämlich, dass wieder «grundsätzlich Mundart» gesprochen werden soll und nicht mehr nur während maximal zweier Drittel der Unterrichtszeit. Die Regelung hat der Bildungsrat veröffentlicht. Er setzt damit die Initiative «Ja zur Mundart im Kindergarten» um, die das Stimmvolk im Mai gutgeheissen hat.

Hochdeutsch hat zwar weiterhin Platz, es soll jedoch auf ausgewählte Inhalte beschränkt bleiben: zum Beispiel Verse, Lieder, Vorlesen oder Rollenspiele. Das stellt einzelne Gemeinden vor Schwierigkeiten – jene nämlich, deren Kindergärtnerinnen ursprünglich aus Deutschland kommen und eigentlich kein Schweizerdeutsch sprechen. Was geschieht mit diesen Frauen? Dürfen sie bleiben, auch wenn sie die Sprachnorm nicht einhalten? Oder droht ihnen die Kündigung?

10 bis 20 Deutsche

Laut Bildungsdirektion unterrichten im Kanton 10 bis 20 Kindergärtnerinnen mit einem deutschen Lehrdiplom. Aus Sicht des Volksschulamtes ist klar: Auch diese Gemeinden müssen die neue Sprachregelung befolgen. Wie sie das tun, ist ihnen allerdings offengestellt. Das Volksschulamt erlässt keine allgemeingültigen Direktiven, wie Amtschef Martin Wendelspiess auf Anfrage sagt.

«Anstellungen sind Sache der Schulpflegen. Sie entscheiden, ob jemand die Anforderungen des Lehrplans erfüllt», so Wendelspiess. Das gelte auch in Bezug auf die Sprache. Dass wegen der Mundart nun reihenweise Kindergärtnerinnen entlassen werden, glaubt er nicht. Er geht davon aus, «dass die Gemeinden konstruktive Lösungen suchen». Er denkt dabei etwa an Dialektkurse. Theoretisch sei es aber denkbar, dass eine Gemeinde sich von einer Kindergärtnerin trenne, wenn diese keinen Zugang zur Mundart finde, räumt er ein.

Gemeinden im Zugzwang

Noch sind in den betroffenen Gemeinden keine Entscheide gefallen. Die neue Formulierung im Lehrplan müsse erst besprochen werden, heisst es. So etwa in Nürensdorf, wo eine deutsche Kindergärtnerin unterrichtet. «Wenn wir mit einer Lehrperson zufrieden sind, möchten wir sie natürlich behalten», sagt Schulpräsident Roland Burri. Allerdings müsse die Schule auch den Volkswillen umsetzen. «Wir suchen eine verträgliche Lösung», so Burri.

In Uster hat die Schulpflege ebenfalls noch nicht entschieden, ob sie «ihrer» Kindergärtnerin aus Deutschland Auflagen macht. Klar ist für Schulpräsidentin und FDP-Kantonsrätin Sabine Wettstein aber, dass es keine Entlassung gibt. Stattdessen denkt sie darüber nach, die Eltern zu befragen. Sind diese damit einverstanden, dass die Kindergärtnerin weiterhin Hochdeutsch spricht, soll es auch dabei bleiben, findet Wettstein.

Vorgehen noch unklar

Auch in Winterthur ist das Vorgehen noch unklar. Wie in Uster will man aber auch dort die Regelung des Bildungsrats nicht eins zu eins übernehmen. «In Kindergärten, wo alle Schüler fremdsprachig sind, macht Mundart als Unterrichtssprache keinen Sinn», sagt Reto Zubler, Schreiber der Zentralschulpflege. Der Unterricht in Deutsch als Zweitsprache finde schliesslich auch auf Hochdeutsch statt. Für die Ausländerkinder genügten schweizerdeutsche Lieder, Verse und Geschichten, um ein Gespür zu entwickeln, sagt er.

Keine Sorgen machte sich bisher Manuela Runge. Die Deutsche arbeitete bis im Sommer in Winkel als Kindergärtnerin, seither war sie als Vikarin an drei Kindergärten tätig. Bei keiner Anstellung sei ihre Sprache ein Thema gewesen, sagt sie, «obwohl ich immer auf die Frage gewartet habe».

Sie habe sich darum gegenüber Schweizer Kolleginnen nie im Nachteil gefühlt. Nach zwölf Jahren in der Schweiz spricht Runge auch Schweizerdeutsch. Sie würde auch auf Mundart unterrichten – «wenn man mich dazu zwingt». Allerdings müsste sie sich stärker auf die Sprache konzentrieren, als wenn sie, wie bisher immer, Hochdeutsch redet.

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