Die Wolken haben sich bedrohlich zusammengebraut über der Badi Geren. Immer wieder regnet es, der Donner grollt im Norden. Die in den letzten Monaten von so viel Sonne beglückte Freiluftanlage ist für einmal menschenleer. Einzig anzutreffen ist das Ehepaar Heinritz, die neuen Pächter des Birmensdorfer Badi-Kiosks.

Beide, Conny und Kai, wirken gar nicht so unglücklich über die ungewohnte Leere. «Geschäftsschädigend, aber gesundheitsfördernd» sei diese von Petrus verordnete Zwangspause, sagen sie. Denn ansonsten läuft das Geschäft gut, verlangt täglich alle Kräfte der beiden ab. Für Kai Heinritz ist dieser Samstag erst der zweite arbeitsfreie Tag seit Saisonbeginn. Und auch heute ist er zusammen mit seiner Frau aktiv. Es gilt, die Pause zu nutzen und rund 50 Kilo Kartoffelsalat für verschiedene 1.-August-Feiern vorzubereiten.

Normalerweise arbeiten die Pächter 12 Stunden täglich – 350 bis 390 im Monat. «Wir befinden uns im Automatik-Modus», sagt der diplomierte Betriebswirtschaftler, «und funktionieren quasi im Autopilot.» Am Feierabend können sie höchstens noch ein Bier trinken und dann ins Bett sinken. «Doch das ist Klagen auf hohem Niveau», beeilt er sich nachzuschicken. Man wolle ja, dass es laufe, und bald einmal gehe auch diese Saison zu Ende.

20 Liter heisses Öl ausgeschüttet

Eine Herausforderung neben den langen Arbeitszeiten seien die Temperaturen im Kioskgebäude. In unmittelbarer Nähe zu den Herdplatten, der Fritteuse und dem Pizzaofen messe man gut und gerne 40 Grad. Bisweilen steige das Thermometer gar auch noch höher – 50 Grad habe das Quecksilber schon angezeigt. In puncto Fritteuse und Höchsttemperatur muss der 51-Jährige unweigerlich an ein ihm widerfahrenes Unglück denken.

Der Tisch, auf dem die Fritteuse stand, habe sich nichts anmerken lassen – und sei dann trotzdem umgestürzt. 20 Liter heisses Öl, «3 Liter davon habe ich abbekommen.» Obschon Kai Heinritz nach diesem Unglück mit Verbrennungen zweiten Grades ins Spital musste, sei er am übernächsten Tag wieder auf der Matte gestanden. «Nach diesem Vorfall, der die ganze Küche überflutet hat, haben wir eine Zeit lang nur noch Hot Dogs und Wienerli verkauft», sagt Conny Heinritz lachend. Dummerweise waren die Badegäste ausgerechnet an diesem Nachmittag besonders zahlreich. «1700 Eintritte haben wir gezählt, die Kinder nicht mit eingerechnet», erinnert sie sich.

Das Ehepaar fühlt sich von den Badegästen angenommen. Natürlich werde jede Veränderung zunächst skeptisch betrachtet. Zuvor wurde der Badi-Kiosk 22 Jahre lang von Marlies Graf betrieben, nun ist gewissermassen ein neues Kiosk-Zeitalter angebrochen. «Sie haben sich aber unterdessen an uns gewöhnt», ist sich Kai Heinritz sicher. Einige Badegäste scheinen sich dem Ehepaar sogar freundschaftlich verbunden zu fühlen, so bekommen sie immer wieder Urlaubsfotos via WhatsApp zugeschickt.

Badegäste zeigen sich hilfsbereit

Auch hilfsbereit seien sie. Jemand habe sich nach der Fritteuse-Katastrophe ganz selbstverständlich als Fahrer für die Krankenhausvisite zur Verfügung gestellt. «Wir hatten auch schon einen Gast, der unbedingt beim Kioskbetrieb mithelfen wollten», sagt Heinritz und lacht. Gratis und franko habe er seine Kräfte in ihren Dienst gestellt und sich am Schluss sogar noch bedankt.

Die Regenpause dauert nicht lange. Am Sonntag ist das Wetter wieder heiss und trocken wie je und die neuen Pächter sind wieder unermüdlich bei der Sache.