Verkehr
Neue Elektroflitzer bereiten Sorgen

Segway, Solowheel und Hovertrax: Elektrofahrzeuge aller Art mischen das Zürcher Strassenbild auf. Kritiker fürchten jedoch um die Sicherheit der Fussgänger und verlangen einen besseren Schutz auf Trottoirs und Mischflächen.

Heinz Zürcher
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Unterwegs mit dem Segway

Unterwegs mit dem Segway

Walter Christen

Wie der Mann im Werbefilm über die Strasse schwebt, Fussgänger umkurvt und locker Strassen quert, sieht zu einfach aus, um wahr zu sein. Doch das Solowheel – eine Art Minirad mit Elektromotor und zwei Pedalflächen zu jeder Seite – ist längst Realität und immer häufiger auf Zürcher Strassen zu sehen. Es ist eines von vielen Elektroflitzern, die auf den Markt kommen. Das Self Balancing Unicycle (SBU) zum Beispiel ist die gemütlichere Variante des Einrads. Das Hovertrax wiederum ist ein Brett auf zwei Rädern und wirkt wie die abgespeckte Version eines Segways (mit dem auch Touristen durch Zürich kurven), nur ohne Stange und Lenker.

Weil diese Fahrzeuge mehr und mehr verbreitet sind, hat der Bundesrat vor kurzem neue Regeln erlassen. So können seit dem 1. Juni Elektro-Stehroller wie Segways nicht nur Strassen, sondern auch Velowege benutzen. Dasselbe gilt für Einräder wie beispielsweise Solowheels. Die Benutzung von Fussgängerflächen ist verboten. Doch kaum ein Halter befolgt diese Regel konsequent.

Fussgängerorganisationen sind deshalb besorgt. «Ich habe schwere Bedenken», sagt Thomas Hardegger, Rümlanger SP-Nationalrat und Präsident von Fussverkehr Schweiz. «Die Verletzungsgefahr ist gross. Denn die Geräte sind schwer, schnell, und man hört sie kaum.» Er findet es deshalb richtig, dass der Bundesrat diese Fahrzeuge auf Velowegen zulässt, auf Fussgängerflächen aber verbietet. Ungeklärt bleibt jedoch, ob sie in Fussgängerzonen, in denen Velos zugelassen sind, ebenfalls verkehren dürfen.

Auch Pro Velo ist skeptisch

Mit einer Interpellation verlangt Hardegger, dass diese Frage geklärt wird. Er vertritt die Meinung, dass weder E-Bikes noch andere Elektro-Flitzer in die Fussgängerzonen gehören. In die gleiche Richtung zielt der Vorstoss der Zürcher Gemeinderäte Simone Brander (SP) und Simon Kälin (Grüne). Sie bemängeln, dass seit der neuen Verordnung des Bundesrates auch Fahrzeuge mit Elektromotor die Mischflächen für Fuss- und Radverkehr benutzen dürfen. «Diese Anpassung wird als gefährlich eingeschätzt und beeinträchtigt die Qualität der Fussgängerflächen», heisst es in ihrer schriftlichen Anfrage.

Die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit Elektromotoren beobachtet auch Res Marti, Kantonsrat der Grünen und Ko-Präsident von Pro Velo Kanton Zürich. Er sagt: «Was den Sicherheitsaspekt betrifft, bin ich kritisch gegenüber diesen Gefährten. Auf dem Trottoir sind sie zu schnell, auf der Strasse zu langsam. Der Veloweg eignet sich daher am ehesten.» Was das für die Radfahrer heisst, sei aber nicht absehbar.

Bei der Stadtpolizei Zürich sind noch keine Fälle bekannt, in denen sich Fussgänger oder Velofahrer mit Haltern von Elektrofahrzeugen in die Quere kamen. Dafür seien diese Gefährte wohl noch zu wenig verbreitet, heisst es auf Anfrage. Man werde die Entwicklung aber im Auge behalten.

Zum Gefahrenpotenzial hat sich die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) bislang keine offizielle Meinung gebildet. «Wir haben noch nicht genügend Daten, da diese Fahrzeugarten auf den Protokollen für die Unfallerhebungen gar nicht aufgeführt sind», sagt Gianantonio Scaramuzza, der sich beim BfU als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Fuss- und Fahrradverkehr befasst. «Je nach Experte werden diese Elektrofahrzeuge als gefährlich oder ungefährlich eingestuft. Aber natürlich könnte es ein Thema werden.»

In 30 Minuten im Griff

Importeure finden die Sicherheitsbedenken der Fussgängerorganisatoren übertrieben. Karlheinz Müller aus Schwerzenbach verkauft Solowheels auf «meinsolowheel.ch» und bietet auch Fahrtrainings an. «In 15 bis 30 Minuten lernt man es», sagt er. Er hat 20- bis 70-Jährigen das Fahren beigebracht und benutzt das 11 Kilogramm leichte Fortbewegungsmittel beim Pendeln wie andere das Trotti. «Die meisten Leute staunen. Böse Bemerkungen habe ich weder von Fussgängern noch von Polizisten gehört.»

Martin Sailer aus Unterwasser verkauft über «spassfahrzeuge.ch» neben Solowheels (für 2350 Franken) auch Hovertrax- (1290 Franken) und SBU-Modelle (2190 Franken). Das Solowheel hat er immer dabei. «Mit Fussgängern gab’s noch nie Probleme», sagt er. «Aber ich brettere ja auch nicht durch die Fussgängerzone.» Die Bedenken kann er teilweise nachvollziehen, gleichzeitig findet er: «Das Solowheel ist brutal ökologisch. Und wer ein Solowheel fährt, ist schon mal nicht mit dem Auto unterwegs.»