Gebaut sind die Strassen mit dem Richtplaneintrag natürlich noch nicht: Bis dahin sind zahlreiche weitere Schritte notwendig. So ist auch der Realisierungshorizont für die Glattalautobahn im Richtplan auf "mittelfristig" festgesetzt worden - und der weitere Planungsverlauf gilt gemäss Antrag der Regierung als "ungewiss".

Dennoch kam es im Zürcher Kantonsrat zu einer Grundsatzdebatte: Die Linke verlangte, dass auf die Einträge gänzlich verzichtet werde. Der geplante Ausbau im Glattal wäre der "grösste Bypass der Schweiz", sagte Thomas Forrer (Grüne, Erlenbach). Dieser Bypass werde aber am Ende nur neue Verkehrsinfarkte an anderen Orten produzieren, da es sich um eine reine Symptombekämpfung handle.

Von einer "Autodiskussion, die wir seit den 1960er Jahren führen", sprach auch Felix Hoesch (SP, Zürich). Mit einem "gigantischen Ausbau" wolle die bürgerliche Seite alle Schleusen öffnen. Dabei finde eine Mobilitätswende statt. "Das wird passieren, bevor diese Autobahnen gebaut sind."

Auf bürgerlicher Seite war indes klar, dass die A1 immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt und damit dringender Handlungsbedarf besteht, wie es Orlando Wyss (SVP, Dübendorf) formulierte. Auch eine Mobilitätswende werde daran nichts ändern, meinte Christian Schucan (FDP, Uetikon am See). "Elektrische oder selbstfahrende Autos brauchen ebenfalls Platz auf der Strasse."

Die chronischen Überlastungen auf der A1 hätten volkswirtschaftliche und ökologische Kosten zur Folge, sagte Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon). Eine Glattalautobahn sei notwendig.

Diese würde auch die Lebensqualität in der Region erhöhen, ergänzte Michael Welz (EDU, Oberembrach). Denn wegen den heutigen ständigen Staus würden viele Autofahrer gar nicht mehr die Autobahn nutzen, sondern auf kleine Neben- und Gemeindestrassen ausweichen.

Die A1: ein Zürcher Engpass

Die Autobahn A1 im Raum Glattal/Winterthur stellt einen der bedeutendsten Engpässe im Schweizer Nationalstrassennetz dar, hielt der Regierungsrat in seinem Antrag fest.

"Die Kapazitätsgrenze dieses Autobahnabschnitts, der mitten durch einen der am dichtesten besiedelten Räume der Schweiz führt, wird heute regelmässig erreicht."

Die Richtplaneinträge zeigen auf, wie die Staus verschwinden sollen: So soll die neue Glattalautobahn, die zwischen Baltenswil und Zürich-Nord unterirdisch unter Dietlikon und Opfikon durchführt, die A1 und das Brüttiseller Kreuz entlasten.

Zudem soll ab Baltenswil bis Winterthur die A1 von sechs auf acht Spuren ausgebaut werden. Erst durch die Kombination von Glattalautobahn und Spurausbau "ergibt sich ein Korridor mit homogener Auslastung auf der gesamten Strecke vom Limmattaler Kreuz bis Oberwinterthur", hielt die Regierung fest.

Dem Richtplaneintrag zur Glattalautobahn stimmte der Kantonsrat am Montag mit 121 zu 52 Stimmen zu, dem Acht-Spur-Ausbau mit 107 zu 63 Stimmen.

Die ebenfalls für Montag traktandierten Debatten über weitere Richtplaneinträge wurden aus Zeitgründen verschoben. Der Kantonsrat wird damit über die Schliessung der Autobahnlücke im Zürcher Oberland zwischen Uster und Hinwil sowie über die Zentrumserschliessung Neuhegi-Grüze in Winterthur später befinden.