Universitätsspital
Neubaupläne: Der Spitalpark steht unter Verdichtungsdruck

Bei den Neubauplänen des Zürcher Universitätsspitals spielt die Parkanlage eine zentrale Rolle.

Matthias Scharrer
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Der Unispitalbau von Haefeli/Moser/Steiger ist eng verknüpft mit dem Spitalpark.
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Universitätsspital Zürich USZ mit Spitalpark
Der Spitalpark wurde immer wieder für Bauprovisorien genutzt - so auch jetzt.
Eine Baustellenwand trennt den Park vom Spital.
Die Spital- und Parkachitektur sind durch Wege und Treppen verbunden.
Manche Patienten nutzen den Park trotz Baustelle für Spaziergänge.
Die Intention der Architekten war, dass von jedem Spitalzimmer der Park zu sehen ist.
Manche Wege im Spitalpark enden an lauschigen Plätzen.

Der Unispitalbau von Haefeli/Moser/Steiger ist eng verknüpft mit dem Spitalpark.

Matthias Scharrer

Dieser Tage werden die Weichen für eines der grössten Stadtentwicklungsprojekte Zürichs gestellt: Es geht um die Weiterentwicklung des Hochschulquartiers. Mit Neubauten sollen in erster Linie das Universitätsspital (USZ), aber auch die Universität und die ETH Zürich insgesamt rund 300 000 Quadratmeter zusätzliche Geschossflächen erhalten.

Am Mittwoch gab die zuständige Kantonsratskommission für Planung und Bau (KPB) bekannt, mit welchen Richtplan-Eckwerten das Projekt auskommen soll. Heute wollen Regierungs- und Stadtrat sowie USZ-, Uni- und ETH-Spitzen an einer Medienkonferenz sagen, wie es weitergeht.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Spitalpark: Er liegt genau zwischen den Hauptgebäuden von USZ, ETH und Uni und bildet damit das Bindeglied des Hochschulquartiers. Gleichzeitig stellt er dessen letzte unverbaute grössere Grünfläche dar – zumindest im Prinzip.
Faktisch wird der Spitalpark seit seiner Neugestaltung im Zusammenhang mit dem Kantonsspital-Neubau, der 1942 bis 1952 stattfand, immer wieder für Bauprovisorien zweckentfremdet. Auch gegenwärtig werden zwei Provisorien auf dem Parkareal erstellt, sodass eine Baustellenwand den Park vom Spital trennt.

Von einer Zweckentfremdung kann aus mehreren Gründen gesprochen werden: So stand in der Abstimmungszeitung von 1941, dass diese «Freifläche inmitten des Zürcher Hochschulviertels auf alle Zeiten freigehalten werden soll». Dahinter steckte auch die anfangs des 20. Jahrhunderts immer wirkungsmächtiger werdende Idee, dass Sonnenlicht und frische Luft gut für die Gesundheit seien.

Dem Spital- und Parkbau aus den 1940er- und 50er-Jahren ist dies anzusehen: Der von der Architektengemeinschaft Haefeli Moser Steiger (HMS) erstellte Bau ist so angelegt, dass er den Park umklammert und dass von praktisch allen Spitalzimmern aus der Blick ins Grüne möglich ist. Die Parkanlage gestaltete Landschaftsarchitekt Gustav Amman so, dass vom Spitalbau verschlungene Wege durch den Park führen. Zu Ammans Werken zählen auch die Landesausstellung in Zürich 1939, das Kantonsspital Winterthur sowie die Freibäder Allenmoos und Letzigraben in Zürich. Letzteres gestaltete er zusammen mit Max Frisch. Die Kantonsspital-Architekten Haefeli, Moser und Steiger schrieben 1953 über ihren Neubau im Zürcher Hochschulquartier: «Einen wesentlichen Faktor in der gesamten Gestaltung bedeutet der Spitalgarten, der ja auch Aufenthaltsraum der Patienten ist.»

Kantonsrätliche Abbruchpläne

Dieses Ensemble aus Spital und Park ist nun infrage gestellt: Die Kantonsratskommission will den Spital-Altbau zum Abbruch freigeben. So soll mehr Spielraum für die Weiterentwicklung des Hochschulquartiers entstehen.

Die Arbeitsgruppe besorgter Bürger Zürich (AGBB ZH) hatte dies schon lange gefordert. Und sie geht noch einen Schritt weiter: Ein Abbruch der HMS-Bauten ergebe nur Sinn, wenn dann auch ein Teil des Spitalparks überbaut würde, erklärte AGBB-ZH-Mitinitiant Heinz Oeschger nach dem Kommissionsentscheid.

Damit geriete nicht nur der hangaufwärts über dem Spitalpark gelegene Teil des Hochschulquartiers unter Verdichtungsdruck, weil dort der Grossteil der Neubauten entstehen soll, sondern auch der Spitalpark selber.

Auch wenn der Park erhalten bliebe und HMS-Altbauten abgerissen und durch grössere Neubauten ersetzt würden, ginge die Grundidee des heutigen Ensembles verloren, fürchtet Barbara Truog, Vizepräsidentin des Zürcher Heimatschutzes.

Ob dem Spitalpark heute noch gesundheitsfördernde Bedeutung zugemessen wird, wollten die USZ-Verantwortlichen gestern nicht sagen. Sie verwiesen auf die heutige Medienkonferenz. Bislang strebte der Zürcher Regierungsrat mit seinen Plänen für die Weiterentwicklung des Hochschulquartiers eine Stärkung des Spitalparks an, der längst auch ein Quartierpark ist.
Ob diese Stärkung auch nach dem Entscheid der Kantonsratskommission noch angestrebt wird, ist eine der Fragen, die sich heute klären dürften.