Zürcher Start-up
Neophyten mindern Grundstückwert – neue Plattform informiert über Entfernungskosten

Über die neue Plattform Pollenn können sich Grundstückbesitzer und Gemeinden über exotische Pflanzen und deren Entfernung informieren. Besser früh als spät – denn langes Warten kann teuer werden

Lina Giusto
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Hier macht es sich ein Himalaja-Knöterich an einer Hauswand gemütlich. Solche Neophyten sollten vor einem Grundstücksverkauf entfernt werden.

Hier macht es sich ein Himalaja-Knöterich an einer Hauswand gemütlich. Solche Neophyten sollten vor einem Grundstücksverkauf entfernt werden.

zvg

Mit einer interaktiven Geoplattform namens Pollenn unterstützt das Zürcher Start-up In-finitude Grundstückseigentümer und Gemeinden im Kampf gegen invasive Neophyten. 58 Arten sind in der Schweiz als gefährlich bekannt. Davon wurden elf inklusive deren Kreuzungen mit anderen Pflanzenarten verboten.

Dies, weil sie sich stark ausbreiten und die einheimische Flora und Fauna destabilisieren und nachhaltig schädigen. Die pflanzlichen Exoten sind auch in der Bundesstadt ein Politikum: Am 13. Juni nahm der Nationalrat mit 117 zu 60 Stimmen eine Motion an, die eine Erweiterung der Freisetzungsverordnung des Bundes fordert, sodass alle 40 Pflanzen, die auf der schwarzen Liste des nationalen Informations- und Dokumentationszentrums der Schweizer Flora (abgekürzt Info Flora) stehen, verboten werden.

Auch wirtschaftlich haben Neophyten eine weitgehend noch unbekannte Brisanz. «Grundstückbesitzer wissen oft nicht, wie stark sie unter Umständen von wuchernden exotischen Pflanzenarten betroffen sind. Deshalb macht die Plattform Pollenn darauf aufmerksam, dass ein Grundstück an Wert verliert, wenn es mit invasiven Neophyten belastet ist», sagt Marc Vogt, Geschäftsführer von In-finitude.

In der Freisetzungsverordnung des Bundes, die seit 2008 in Kraft ist, ist nämlich festgehalten, dass es verboten ist, eben diese Pflanzen in den Verkehr zu bringen. Aber genau das geschieht bei einem Grundstückverkauf. So müssten die im Boden enthaltenen invasiven Neophyten vor dem Handwechsel der Liegenschaft eigentlich entfernt oder aber wertmindernd beim Verkaufspreis berücksichtigt werden.

Diese Exoten sind verboten

- Aufrechte Ambrosie (auch beifussblättriges Traubenkraut genannt)

- Nadelkraut

- Nuttalls Wasserpest

- Riesenbärenklau

- Grosser Wassernabel

- Drüsiges Springkraut

- Südamerikanische Heusenkräuter

- Asiatische Staudenknöteriche inklusive Kreuzungen

- Essigbaum

- Schmalblättriges Greiskraut

- Amerikanische Goldruten inklusive Kreuzungen

Die Firma In-finitude beschreibt auf ihrer Plattform, was es kostet, einen Quadratmeter Boden vom Japanischen Knöterich zu befreien: Die Rede ist von mehreren tausend Franken. Um einen Teil der invasiven Neophyten aus ökologisch wertvollen Lebensräumen fernzuhalten, gibt der Bund jährlich über 20 Millionen Franken aus.

Die Plattform, die Vogt zusammen mit seinem Team entwickelt hat, ermöglicht Liegenschaftsbesitzern, Landwirten und Gemeinden, auf ein zentrales Informationssystem zuzugreifen. Die Plattform, die erst kürzlich online ging, bietet Nutzern Informationen zu den invasiven Neophyten, liefert einen Überblick über die Verbreitung dieser Pflanzen, hilft diese anhand von Merkmalen zu bestimmen und informiert über die rechtlichen Grundlagen.

Das Jungunternehmen kann bezüglich der pflanzlichen Informationen auf die Datenbank der gemeinnützigen Stiftung Info Flora zugreifen, die die Unternehmer ebenfalls beratend unterstützt. Daneben fördern auch die Bundesämter für Umwelt sowie Landwirtschaft und der Unternehmerverband Gärtner Schweiz die Plattform.

Die Stadt Uster geht voran

Besitzer von Grundstücken, die von exotischen Pflanzen befallen sind, können die im Garten wuchernden Pflanzen auf einer interaktiven Karte eintragen und erhalten so Hinweise zu Risiken und eine Schätzung zu den potenziellen Beseitigungskosten. So kostet beispielsweise die Entfernung von einem Quadratmeter Goldrute zwischen 64 und 179 Franken. Weiter können über die Plattform lokale Spezialisten oder Veranstaltungen und Kurse zum spezifischen Thema gefunden werden. Für private Nutzer ist die Plattform kostenlos. Für Gemeinden bietet In-finitude ein kostenpflichtiges Abonnement an.

Als erste Stadt im Kanton Zürich nutzt Uster die Plattform. «Mit dieser Plattform können wir einen Graubereich umgehen, da sie sich spezifisch an private Grundstückbesitzer richtet. Die Gemeinde kann private Liegenschaften nicht systematisch auf Neophyten untersuchen», sagt Philipp Jucker, Leiter Natur, Land und Forstwirtschaft bei der Stadt Uster.

Auch am Wasser gibts Probleme

In der Region Uster gibt es viel Naturschutz- und Kiesabbaugebiet. «In diesen Gebieten können sich Neophyten allenfalls stark ausbreiten», so Jucker weiter. Die Stadt Uster arbeitet derzeit an der Einführung der Plattform. Ziel ist es, die Neophyten auf Stadtgebiet systematisch und detailliert zu kartografieren und basierend darauf entsprechende Massnahmen gegen deren Bekämpfung zu lancieren.

Auch dem Kanton Zürich ist die Jungfirma bekannt. «Es gibt diverse Firmen, welche Gemeinden Hilfe im Umgang mit Neobiota anbieten», sagt Wolfgang Bollack, Sprecher der kantonalen Baudirektion. Eine Zusammenarbeit mit In-finitude bestehe aber nicht. Im Rahmen des kantonalen Massnahmenplans 2014-2017 gegen invasive gebietsfremde Organismen ist der Kanton auf unterschiedlichen Ebenen in der Neobiotabekämpfung aktiv.

So lancierte die Baudirektion kürzlich das Pilotprojekt «Gemeinsam gegen Neophyten» im Reppischtal und verfolgt zudem seit vergangenem Jahr ein Projekt in der Region am Pfäffikersee zum Schutz von Gewässern vor aquatischen Neozoen.

Hinzu kommen zahlreiche weitere Projekte zur Eindämmung besonders kritischer Arten. Zudem dokumentiert, berät und unterstützt der Kanton Zürich die zuständigen Fachleute bei den Gemeinden im Umgang mit Neobiota.