Rüti ZH
Neonazis wohnen im gleichen Einfamilienhaus-Quartier

Es soll das grösste Neonazi-Konzert der vergangenen 20 Jahre gewesen sein. Massgeblich daran beteiligt waren zwei Männer aus Rüti, die nur einen Steinwurf voneinander wohnen.

Andreas Kurz
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Das Rechtsrock-Konzert in Unterwasser SG hat ein juristisches Nachspiel: Die GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus hat Strafanzeige gegen die Veranstalter und die Bands eingereicht. (Symbolbild)

Das Rechtsrock-Konzert in Unterwasser SG hat ein juristisches Nachspiel: Die GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus hat Strafanzeige gegen die Veranstalter und die Bands eingereicht. (Symbolbild)

Keystone/AP/

Ein Konzert von solchen Ausmassen hat es so in der Schweiz noch nicht gegeben. Dies sagt Szenekenner und Journalist Fabian Eberhard. Rund 5000 bis 6000 Rechtsextreme strömten am Samstag zur Tennishalle ins Toggenburger Dörfchen Unterwasser zu einem Konzert von szenebekannten Bands – darunter auch die Band «Amok» mit dem Frontsänger Kevin G.*

Die Halle gemietet sowie das Gastwirtschaftspatent zum Ausschank von Alkohol beantragt hat laut der «Südostschweiz» der Deutsche Matthias M.*, der in Jona Mitbetreiber des Tattoo-Studios Barbarossa ist.

Kürzlich nach Rüti gezogen

M. werden von der Antifaschistischen Aktion Bern (Antifa) und deutschen Szene-Beobachtern Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen nachgesagt. Auf der Facebook-Seite des Studios sind mehrere gestochene Motive mit Neonazi-Symbolik veröffentlicht.

Ein Foto zeigt beispielsweise eine Tätowierung mit der Zahl 28 – dem Szenecode für das rechtsextreme Netzwerk Blood and Honour. Dabei entsprechen die Ziffern 2 und 8 dem Zahlenwert für die Buchstaben B und H. Auch Kevin G. war schon mit «Blood and Honour»-Weste zu sehen.

Die beiden Männer haben allerdings noch mehr Gemeinsamkeiten als ihre rechtsradikale Gesinnung. Sie wohnen beide in Rüti ZH, wie das Einwohneramt bestätigt. Sänger Kevin G. ist Mitte April 2015 zugezogen. Tattoo-Studio-Betreiber Matthias M. wohnt erst seit dem 1. September in Rüti. Ihre Wohnorte liegen lediglich rund 150 Meter Luftlinie voneinander entfernt in einem Rütner Einfamilienhausquartier.

Ob sich noch weitere Mitglieder des rechtsextremen Netzwerks in Rüti niedergelassen haben, ist unklar. Der Rütner Gemeindeschreiber Andreas Sprenger will sich auf Anfrage nicht zum Thema äussern.

Aufgrund des Konzerts hat die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus mittlerweile Anzeige wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm eingereicht. Die Strafanzeige sei bei der St. Galler Staatsanwaltschaft eingereicht worden, teilt die Stiftung mit. Die Anzeige richtet sich gegen die Band «Amok» und die anderen teilnehmenden Musikgruppen wie «Stahlgewitter», «Confident of Victory», «Exzess» und «Frontalkraft» sowie gegen die Konzertveranstalter.

Nächstes Konzert in Rapperswil?

Man sei vom Anlass «völlig überrumpelt» worden, sagt Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann. Dies, weil sich die Veranstalter die Erlaubnis unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichen hätten. Auf Nachfrage der Gemeinde sei von einem Konzert für Schweizer Nachwuchsbands mit 600 bis 800 Besuchern die Rede gewesen.

Aufgrund der Dimensionen wirft das Konzert Wellen bis nach Deutschland. Auch die Online-Portale des «Spiegels» und der «Zeit» berichten über das Konzert. Laut «Zeit» handelte es sich um das grösste «Nazikonzert» der vergangenen 20 Jahre.

Bereits am nächsten Wochenende könnte es zu einem weiteren Neonazi-Konzert in der Ostschweiz kommen – womöglich direkt vor der Haustüre von Kevin G. und Matthias M. Die rechtsextreme Partei national orientierter Schweizer (Pnos) feiert am kommenden Samstag die Gründung neuer Sektionen in der Ostschweiz.

Auf Facebook kündigt die Partei diverse Redner sowie die deutsche Rechtsrock-Band Flak als Rahmenprogramm an. Wo das Ganze über die Bühne gehen soll, ist auf der Facebook-Seite jedoch nicht ersichtlich. Die Antifa Bern veröffentlichte indes eine Twitter-Nachricht, gemäss derer die Veranstaltung in Rapperswil-Jona stattfinden soll.

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