Die Gegner wenden sich nicht gegen Anpassungen ans neue Gemeindegesetz. Manche Neuerungen seien sinnvoll und unbestritten, sagte Ivan Walther, Synodaler und Pfarrer in Urdorf, am Donnerstag vor den Medien. Doch der Kirchenrat habe unter grossem Zeitdruck versucht etwas durchzudrücken. Die Revision sei eine Fehlkonstruktion und ein Schnellschuss.

«Kleine verlieren, Grosse gewinnen»

Besonders stört sich das Nein-Komitee an der künftigen Zuteilung der Pfarrstellen nach einer neuen linearen Berechnungsweise. Die grossen Kirchgemeinden sollen zusätzliche Stellenprozente bekommen. «Kleine Gemeinden verlieren, grosse gewinnen», warnte Adrian Honegger, Synodaler und Sekretär des reformierten Stadtverbands Winterthur.

So gäbe es beispielsweise in Eglisau mit 1800 Mitgliedern ab 2024 keine 100-Prozent-Pfarrstelle mehr. Das Weinland würde ein Drittel seiner Pfarrstellen verlieren.

Gleichzeitig werde das Pfarramt in Grossgemeinden bürokratischer und unpersönlicher. Statt Grossgebilde brauche es aber gerade das Gegenteil: weg von der Zentralisierung und weg von der Verwaltungskirche, mahnte Carola Heller, Unternehmerin und Synodale aus Fischenthal.

Wer gehe schon für den sonntäglichen Kirchenbesuch ins Nachbardorf oder noch weiter? Und wer bleibe für die Seelsorge? Wer besuche die Menschen im Dorf, wenn das Pensum des Pfarrers auf 60 Prozent gekürzt werde?

Die kirchliche Heimat und der Zusammenhalt gingen verloren, wenn man jeden Sonntag irgendwo hinreisen müsse, sagte der pensionierte Pfarrer Ueli Schwendener. Genau die Menschen, die heute die Kirche tragen, würden durch die Teilrevision und die Fusionen, welche sie fördert, vernachlässigt.

Gegen Zentralisierung und Zwang

Durch die Zentralisierung, veranlasst von oben, werde krampfhaft versucht, etwas Zeitgemässes auf die Beine zu stellen. Doch grosse Kirchgemeinden seien schwerfällig und es dürfe nicht sein, dass eine Verwaltungskirche entstehe, die auf Machtkonzentration und Grösse setze, warnt das Nein-Komitee.

Gegen eine schädliche Zentralisierung wendet sich das Komitee auch in Sachen Finanzkompetenz des Kirchenrats. Dieser darf in Zukunft in eigener Kompetenz deutlich mehr Geld ausgeben, und dies bei sinkenden Mitgliederzahlen.

Ausserdem kann der Kirchenrat den Gemeinden Vorschriften machen, die beispielsweise die Vielfalt im Gemeindeleben betreffen oder den Raumbedarf. Ferner müssen alle Kirchgemeinden «reformiert.» als die Mitgliederzeitung der Landeskirche für ihre Mitglieder bezahlen.

Bei der Schlussabstimmung am 15. Mai hat die Synode mit 71 zu 23 Stimmen Ja zu der Teilrevision gesagt. Dieses Mass an Ablehnung sei beispiellos in der durchaus kirchenratsfreundlichen Synode, sagte Walther.

«Zeit nehmen und besser planen»

Mit der Abstimmung über die Kirchenordnung kann die reformierte Bevölkerung zum ersten Mal zum Prozess KirchGemeindePlus Stellung nehmen. Dieser ermöglicht es den Kirchgemeinden, sich zu grösseren Einheiten zusammenzuschliessen.

Die bisherigen Ergebnisse sind laut Walther ernüchternd. Kirchgemeinden, die sich auf die Fusion eingelassen hätten, seien zu Baustellen mit einem aufgeblähten Verwaltungsapparat verkommen. Machtkämpfe würden ausgelöst, die Basis verunsichert und das Milizsystem geschwächt.

Die Abstimmung am 23. September biete die Möglichkeit, noch einmal über KirchGemeindePlus nachzudenken. Man solle etwas Tapferes machen und Nein sagen. Dies sei eine Chance, besser zu planen und sich die Zeit zu nehmen, die es brauche, sagte Walther.