Eine Trommlergruppe heizt den Leuten auf dem Helvetiaplatz ein. Es ist 18.20 Uhr. Rund tausend Menschen haben sich bereits versammelt, um gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos (Wef) und seinen prominentesten Gast, US-Präsident Donald Trump, zu demonstrieren.

Zu der bewilligten Kundgebung von gestern Abend hat die Bewegung für den Sozialismus aufgerufen, die Anfang Januar auch die Veranstaltungsreihe «das andere Davos» im Zürcher Volkshaus durchgeführt hatte. «Trump not Welcome! Smash Wef!» lautet das Motto der Demo. Auf einem Flugblatt der Veranstalter heisst es: «Das WEF dient als Plattform zur Selbstdarstellung und dem Machterhalt der global herrschenden kapitalistischen Elite. Und diese Plattform wird auch noch mit öffentlichen Geldern mitfinanziert, die anderswo dringend benötigt werden.» Daher gehöre das Wef abgeschafft.

Neben diversen Gruppierungen aus dem Linksaussen-Spektrum unterstützen auch die Gewerkschaft VPOD, die Juso, die Jungen Grünen, die AL sowie die SP Graubünden die Demo in Zürich – nachdem die Behörden eine Kundgebung in Davos verboten.

Heuchlerisches WEF

Die Demonstranten halten Transparente in den Abendhimmel: «Still against Trump», steht auf einem Plakat, «No Trump, no Blocher, Europe first» auf einem anderen. Polizisten in Vollmontur haben sich diskret an den Zufahrtsstrassen des Platzes postiert. Viele junge Leute sind unter den Demonstrierenden. Da und dort riecht es nach Haschisch.

Ein Redner der «Bewegung für den Sozialismus» ergreift das Mikrofon auf der Lastwagen-Bühne: «42 Menschen besitzen mehr als die Hälfte aller Menschen», verkündet er. Und: «Trump senkt die Steuern für Reiche. In der Schweiz gibt es auch Trumps.» Das Wef sei ein Treffen der Reichen und Mächtigen. Es sei heuchlerisch, wenn es sich als Weltverbesserer darstelle.

Juso-Präsidentin Tamara Funiciello nimmt als nächste Rednerin den Faden auf: «Wem nützt das Wef? Der Luzerner Familie, die kaum ihre Krankenkassenprämie bezahlen kann? Den Inderinnen in ihren baufälligen Fabriken? Den Flüchtenden, die auf dem Weg nach Europa ersaufen?», fragt sie rhetorisch – und schliesst: «45 Jahre Wef haben keine bessere Welt gebracht. Wir sind die 99 Prozent, die in Davos nicht willkommen sind.»

Während auf der Lastwagenbühne Reden gegen Trump, Erdogan und andere Machthaber geschwungen werden, versammeln sich vor dem Volkshaus Vermummte. Erste Leuchtpetarden werden abgebrannt.

Viele Junge

Der Umzug setzt sich in Richtung Bahnhofstrasse in Bewegung. Die Menschenmenge ist inzwischen erheblich angeschwollen. Feuerwerkskörper verbreiten Schwefelgeruch. Der Barpianist eines veganen Restaurants grinst durchs Schaufenster. Restaurantbesucher zücken ihre Handys und Filmen den lautstarken Umzug, der vor dem Fenster vorbeizieht.

Eine jugendliche Demo-Teilnehmerin sagt, sie sei hier, weil sie es nicht möge, wie Trump über Frauen rede. Eine Mittvierzigerin begründet ihre Demo-Teilnahme so: «Ich bin hier, weil ich das Wef eine unsympathische Veranstaltung finde. Und dass sie Trump eingeladen haben, finde ich ziemlich fragwürdig.» Sie gehe nicht mehr allzu oft demonstrieren. «Aber ab und zu muss man ein Zeichen setzen.»

Mit Blick auf die mehrheitlich deutlich jüngeren Demo-Teilnehmer meint sie: «Schön, dass so viele Junge da sind. Aber wo sind all die Älteren? Die bleiben wohl lieber zu Hause. Ist halt bequemer.»

Weitgehend friedlich

Die Demo bleibt weitgehend friedlich. Aus Lautsprechern ertönt Reggae-Musik. Ab und zu fliegen Feuerwerkskörper in Richtung der Polizei, die den Umzug mit einem Grossaufgebot begleitet. Als das Bankenviertel um die Bahnhofstrasse erreicht wird, verändert sich die Stimmung. Es wird hitziger. Mehr Feuerwerk kracht, trifft aber niemanden. Eilig werden Graffiti an Wände gesprayt. An einer UBS-Filiale geht eine Scheibe zu Bruch.

Am späteren Abend zieht die Stadtpolizei Zürich Bilanz. Auch sie schreibt in ihrem Communiqué von einer «mehrheitlich friedlichen Demonstration» mit über tausend Teilnehmern. Einige vermummte Linksautonome hätten aber Pyros gezündet, zudem sei es zu Sachbeschädigungen durch Sprayereien und einzelne eingeschlagene Scheiben gekommen. Der Sachschaden könne noch nicht beziffert werden.