Roger Köppel
Nationalrats-Amt als Charaktertest: «Abzuheben ist jetzt die grösste Gefahr»

Nach seiner Wahl zum Nationalrat sprach Journalist und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel auf Tele Züri darüber, wie er den Spagat zwischen Medien und Politik schaffen will.

Tobias Hänni
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Die «Talk Täglich»-Sendung wurde am Dienstagabend gleich zweimal ausgestrahlt – zuerst mit dem grossen Gewinner der Nationalratswahlen, SVP-Politiker Roger Köppel, danach mit seinem Parteikollegen und abgewählten Nationalrat Christoph Mörgeli.

Der «neue Star am Polithimmel und bestgewählte Nationalrat aller Zeiten», wie Moderator Markus Gilli seinen Berufskollegen ankündigte, zeigte sich ob seines Erfolgs überwältigt. «Ich konnte es am Sonntag fast nicht glauben», sagte Köppel. Zum ungläubigen Staunen und der Freude über den Erfolg sei aber schon am Montag das Gefühl der Verpflichtung hinzugekommen. «Eine Wahl ist ja ein Vorschussvertrauen.»

In der «Tradition der ehrlichen Chefredakteure»

Moderator Gilli kam schon früh im Gespräch auf Köppels künftige Doppelrolle als Politiker und Journalist zu sprechen – und zweifelte die Vereinbarkeit der beiden Rollen an. «Das ist doch ein Problem», sagte Gilli. Köppel widersprach. Er sehe keinen Widerspruch zwischen seiner publizistischen Arbeit und seinem Mandat in Bern – einen solchen Widerspruch dürfe es im Schweizer Milizsystem ohnehin nicht geben

«Ich sehe mich in der Tradition der ehrlichen Chefredakteure, die im Parlament waren», so Köppel weiter. Er werde sich wegen der Wahl zum Nationalrat deshalb auch nicht schrittweise aus seiner Arbeit zurückziehen. Seine neue Doppelrolle bezeichnete der «Weltwoche»-Verleger aber als Charaktertest. «Als Journalist darf ich nicht einfach vertrauliche Dokumente aus dem Nationalrat publizieren.»

Auf die Frage, ob er nicht «im Innersten Angst habe, abzuheben», sagt Köppel: «Immer. Das ist die grösste Gefahr für jeden von uns, dass man im Moment des Erfolgs übermütig wird.» Als Journalist sei die Übernahme eines solchen Amts ein Charaktertest. «Man kann ja nicht die publizistische Macht für kurzfristige politische Ziele instrumentalisieren.»

Ein Job für Mörgeli?

Erwartungsgemäss stellte Gilli dem Verleger auch die Frage, ob er dem abgewählten Nationalrat und «Weltwoche»-Kolumnist Christoph Mörgeli nun unter die Arme greife. «Bieten Sie ihm nun eine Vollzeitstelle und einen Eintrag im Impressum an?» Köppel bezeichnete dies als «hervorragende Idee, die man aufnehmen müsste.» Er schätze Mörgeli sehr.

Im Gespräch mit Gilli dementierte Köppel auch nochmals deutlich, dass er anstelle von Hans-Ueli Vogt im zweiten Durchgang für den zweiten Zürcher Ständeratssitz kandidieren könnte. «Mein Rucksack ist mit dem Nationalrat-Mandat schon schwer genug.» Ebenfalls verwies er die Aussage Gillis, er könnte von der SVP als Bundesratskandidat portiert werden, ins Reich der Spekulationen. «Das steht nicht zur Diskussion.»