Sage mir deinen Vornamen, und ich sage dir, wie alt du bist: Ganz so einfach ist es zwar nicht, doch es gibt sie, die typischen Vornamen bestimmter Generationen. So wurden in den 1960er-Jahren auffällig viele Mädchen Barbara, Claudia, Monika, Susanne oder Maria genannt. Typische Bubennamen der 1970er- und 80er-Jahre sind Michael, Daniel, Thomas, Christian und Andreas. Und heute?

Am häufigsten wählten Eltern in Zürich 2013 die Vornamen Anna und David für ihren Nachwuchs. Sie liegen damit im Trend: Kurze, nicht allzu ausgefallene Namen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Das zeigt das gestern veröffentlichte Stadtzürcher Vornamen-Verzeichnis 2013 anhand von Langzeitanalysen auf.

Entwicklung der Vornamen.

Entwicklung der Vornamen.

Gleichstellung punkto Länge

Auffällig: Die Geschlechterdifferenz nimmt ab. Waren seit 1930 Mädchennamen im Mittel länger als Bubennamen, herrscht punkto Namenslänge nun Gleichstellung – und das auf einem Rekordtief: Knapp unter 5,5 Buchstaben zählt der durchschnittliche Zürcher Vorname heutzutage.

Kurze Namen waren auch in den 1930er- und 1940er-Jahren verbreitet. Doch nie waren sie so kurz wie heute – zumindest, soweit die statistischen Aufzeichnungen zurückreichen. In der Buchstaben-Boomphase von den 1960er-Jahren bis 1990 waren Vornamen in Zürich durchschnittlich zwischen 5,5 und stattlichen 6 Buchstaben lang.

Was sagt uns das? «Seit den 90er-Jahren will man kurze und prägnante Vornamen», sagt Klemens Rosin von Statistik Stadt Zürich, der die Daten ausgewertet hat. Er vermutet, der Trend zur Kürze sei Ausdruck einer «mutigen Lebenshaltung.»

Doch gleich nach dem Rufnamen verlässt die Eltern der Mut zur Kürze offenbar wieder, denn zweite Vornamen sind seit der Jahrtausendwende stark im Kommen: Im Jahr 2000 hatten etwa 45 Prozent der Kinder einen zweiten Vornamen, 2013 waren es bereits 58 Prozent.

Individualisierungstrend gestoppt

Und noch etwas hat Rosin festgestellt: «Seit dem Jahr 2000 wollen Eltern ihre Kinder wieder wie andere Kinder nennen.» Der Drang, immer exklusivere Namen für den eigenen Nachwuchs zu finden, war zwischen 1980 und 2000 aussergewöhnlich stark: Die Anzahl verschiedener Namen pro 100 Personen stieg von rund 45 auf knapp 65. Rosin spricht deshalb in seiner Studie von einem «Trend zur Individualisierung». Nach dem Jahr 2000 wendete sich das Blatt. Heute gibts in Zürich noch knapp 50 verschiedene Vornamen pro 100 Personen.

Die Namensvielfalt ist dennoch beeindruckend: Über 40 000 verschiedene Vornamen hat die Stadtzürcher Bevölkerung derzeit. Liest man die Liste der Vornamen durch, die Babys in Zürich 2013 erhielten, wird augenfällig: Die multikulturelle Gesellschaft hat stark zur Namensvielfalt beigetragen. Doch allein kann sie diese wohl nicht erklären, gibt Rosin zu bedenken – und verweist auf die neusten Zahlen: «Der Wanderungssaldo aus Migrationsbewegungen war in den letzten Jahren positiv. Doch obwohl mehr Menschen nach Zürich zogen, nahm die Namensvielfalt ab.»