Der Fall sorgte für Entsetzen: Ein Mädchen in Finnland hatte Mitte 2017 Selbstmord begangen, nachdem es Monate zuvor von einem damals in Uster wohnhaften Mann unter Druck gesetzt worden war.

Auch wenn der Tod des psychisch schwer vorbelasteten Teenagers rein rechtlich nicht in einen direkten Zusammenhang mit dem vom Zürcher Oberland aus initiierten Ereignissen gebracht werden kann, zum Gesamtbild der Geschichte gehört er dennoch.

Der heute 31-jährige Mann hatte regelmässig mit der 14-Jährigen in Finnland gechattet. Dabei schickte er ihr einige Nacktfotos von sich und brachte sie dazu, auch Nacktfotos von sich zu senden.

Freiheitsstrafe zugunsten Therapie aufgeschoben

Die Bilder stellte er laut Anklage dann auf eine problemlos zugängliche, bekannte Porno-Webseite. Die Bitte des Mädchens, die Fotos sofort wieder von dieser Seite zu entfernen, ignorierte der Mann nicht nur, sondern er drohte dem Kind nun auch noch, die Bilder den Bekannten des Kindes zugänglich zu machen. Wochen späte setzte der Teenager seinem Leben ein Ende.

Das Bezirksgericht Uster hatte den Mann im vergangenen November zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Der Vollzug dieser Strafe wurde aber zugunsten einer ambulanten psychiatrischen Behandlung aufgeschoben. Am Montag steht der Täter vor dem Zürcher Obergericht. Eine Prognose, wie das Urteil im Berufungsprozess ausfallen wird, ist schwierig.

Dieser Fall von sogenanntem Sexting, also dem Austausch von Bildern sexuellen Inhalts über meist digitale Kanäle, ist ein Extrembeispiel. Aber das Bildertauschen ist in der Schweiz «ein relevantes Thema», wie es bei Pro Juventute heisst. Unter den rund 350 Jugendlichen, die pro Tag unter anderem über die Telefon- und SMS-Notrufnummer 147 Hilfe bei Pro Juventute suchen, seien immer wieder solche, die wegen Nacktbildern Probleme haben, erklärte ein Sprecher der Organisation auf Anfrage.

Wie das in der Praxis aussieht, kann Priska Dabkowska beschreiben. Sie ist bei Pro Juventute Programmverantwortliche Medienkompetenz, also der Abteilung, die Jugendliche im Umgang mit neuen Medien schult. «So ab 14 Jahren wird Sexting zum Thema», weiss sie aus Rückmeldungen von Workshops in Schulen.

Ein einfacher Rat: Keine Bilder machen

Heutzutage sei es «völlig normal, dass ein Flirt über ein Dick Pic beginnt», also das Versenden eines Penis-Fotos eines Buben an seine Angebetete, sagt Dabkowska. Später schickt dann vielfach auch das Mädchen intime Bilder von sich. In ihren Schulungen hilft die Pro Juventute den Kindern, «möglichst früh Werte und Grenzen in Bezug auf ihren eigenen Körper zu entwickeln». Und man macht die Teenager auf die Gefahren digitaler Bilder aufmerksam, deren Verwendung, einmal weitergegeben, absolut nicht mehr kontrollierbar ist. Der einfachste und eindringlichste Tipp von Priska Dabkowska lautet daher: «Niemandem je ein Nacktbild von sich selbst senden.»