«Wenn ich gleich die Geschichte erzähle, müsst ihr ganz gut zuhören», sagt Bibliothekarin Gwyneth Hughes. «Ihr müsst den drei Fragezeichen helfen, den Fall zu lösen.» Plötzlich ist es still in den Räumen der Bibliothek Schlieren. Fünf Minuten zuvor herrschte noch Stimmengewirr, die Kinder lachten und schrien und standen dauernd von ihren Plätzen auf. Jetzt aber lauschen sie gebannt der Erzählerin. Es ist eine Geschichte aus dem Ratekrimi «Fauler Zauber» der Reihe «Drei Fragezeichen-Kids». Im Gorilla-Gehege im Zoo wurde Feuer gelegt und es kommen nur der Tierpfleger und der Zoodirektor für die Übeltat infrage. «Wer ist ein guter Nachwuchs-Detektiv und kann mir sagen, wer das Feuer gelegt hat?», fragt Gwyneth Hughes gespannt in die Runde. Hände schnellen in die Höhe: «Ich weiss es, ich weiss es», klingt es aus allen Ecken. «Es war der Tierpfleger, weil nur er in den Käfig darf», sagt ein Mädchen in Pink. Die Erzählerin hilft: «Welche zwei dürfen in den Käfig? Nur der Zoodirektor und der Tierpfleger, oder?» – «Dann war es der Tierpfleger, weil der Zoodirektor die ganze Zeit mit den Drei Fragezeichen geredet hat», ruft ein Junge aus der vordersten Reihe. «Wir habe wirklich super Detektive hier, die genau aufgepasst haben», lacht Gwyneth Hughes.

Die Schweizer Erzählnacht ist ein gemeinsames Projekt des schweizerischen Instituts für Kinder und Jugendmedien (SIKJM), der Bibliomedia und der Unicef Schweiz. In der Nacht des 14. November beteiligten sich in der ganzen Schweiz Schulen, Bibliotheken und andere Institutionen an dieser Veranstaltung. So auch in Schlieren. Das Motto in diesem Jahr richtete sich an eher jüngere Kinder: «Ich spiele, du spielst – spiel mit». «Deshalb haben wir zwei dritte Klassen eingeladen», sagt Gwyneth Hughes.

Nachdem der erste Fall gelöst ist, geht die Bibliothekarin zur zweiten Geschichte über. Ein seltsamer Fall einer manipulierten Achterbahn. Die Kinder haben auch hier schnell den Durchblick und das Programm geht schon zum Spiele-Parcours über. Dieser besteht aus fünf Posten. Beim ersten Posten spielen die Kinder mit den Story Cubes – den Erzähl-Würfeln. Jeder darf sich ein Symbol auf einem Würfel aussuchen und muss dazu eine Geschichte erzählen. Der zweite Posten trägt den tiefsinnigen Titel «Wer bin ich?». Dahinter verbirgt sich aber das simple Berufe-Raten-Spiel.

An weiteren Posten wird Mikado gespielt, ein Puzzle zusammengesetzt und ein Märchen ohne Text, nur mit Bildern, erzählt. Zur Halbzeit stürzen sich die Kinder auf das bereitgestellte Buffet mit Eistee und Schoggi-Gipfeli, um danach fit für die weitere Spielrunde und die letzte Krimi-Geschichte zu sein.