Sauber wie ein abstinenter Junkie ist der Platzspitz, seit er im Februar 1992 geräumt worden ist. Die Zürcher Heimat obdachloser Drogensüchtiger wurde nach einer umfassenden Sanierung im Sommer 1993 wiedereröffnet. Als Naherholungsort für alle – nur nicht für Drogensüchtige. Doch trotz der vorbildlichen Makellosigkeit, welche der ehemalige Needlepark seither mit lauschigen Plätzen und alten Bäumen an den Tag legt, befindet die Stadt Zürich es als zu gefährlich, den Platzspitz rund um die Uhr offen zu lassen. Das heisst: Ab 21 Uhr sind die Eisengitter-Tore zu. «Die Nachtschliessung ist bis heute eine Notwendigkeit», steht auf der Website der Stadt Zürich.

Anderer Meinung ist die Stadtzürcher SP: Das Postulat von Linda Bär und Michael Kraft für eine durchgehende Öffnung des Platzspitzes wurde gestern im Gemeinderat behandelt. «Gerade im Sommer geniessen die Menschen die Stadt besonders gerne im Freien, an den Gewässern und in Parks», heisst es im Postulattext. «Heute gibt es keinen ersichtlichen Grund für die Schliessung mehr. Es ist an der Zeit, ein neues Kapitel für den Platzspitz aufzuschlagen und den Park der Bevölkerung vollumfänglich zugänglich zu machen.»

Dagegen stellte sich die SVP. «Wir hätten dem Postulat von Bär und Kraft nur zugestimmt, wenn diese mit einer Textänderung einverstanden gewesen wären: Den Platz nicht die ganze Nacht offen zu lassen, sondern lediglich eine Stunde länger am Abend», sagt SVP-Fraktionschef Mauro Tuena. Dies geschieht jedoch laut Linda Bär bereits heute dann und wann an lauen Sommerabenden.

Sorge um neuerlichen Drogenhandel

Die SP wiederum wollte diese Textänderung nicht annehmen. Somit wird das Postulat nun in der Traktandenliste hintenan gestellt. In einigen Monaten wird der Gemeinderat nochmals darüber debattieren.

Die SVP hält an der Nachschliessung fest aus Sorge, dass mit dem neuen Kapitel auch ein altes wieder aufgeschlagen werden könnte. Damit steht sie nicht alleine da. Lukas Handschin von Grün Stadt Zürich bringt die Bedenken auf den Punkt: «Eine Szene bildet sich immer irgendwo und sie ist sehr beweglich.» Zürich sei kein Einzelfall. «Sie sehen in jeder grossen Stadt Europas dasselbe: In den Zentren und in der Nähe der Bahnhöfe werden nachts die Geschäfte abgewickelt», umschreibt er die befürchteten Drogendeals, die sich in dem vor fremden Augen geschützten, dunklen Platzspitz erneut abwickeln könnten.

Die Zürcher Stadtpolizei will sich zu allfälligen Bedenken noch nicht äussern, bis definitiv feststeht, ob die Nachtschliessung fällt, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt. Erst dann könne sie beurteilen, ob die Gefahr einer erneuten Drogenszene bestünde und welche Massnahmen sie ergreifen müsse.