Umfrage

Nachts fühlt sich jeder fünfte Stadtzürcher unsicher

Die Stadtpolizei Zürich bekommt in der Umfrage gute Noten von der Bevölkerung (Symbolbild).

Die Stadtpolizei Zürich bekommt in der Umfrage gute Noten von der Bevölkerung (Symbolbild).

Die Bevölkerung der Stadt Zürich ist mit ihrer Polizei äusserst zufrieden. Sie vertraut ihr und fühlt sich grundsätzlich sicher, wie eine Bevölkerungsumfrage zeigt. Als dringendstes Sicherheitsproblem wird zum Erstaunen der Verantwortlichen nicht die Kriminalität empfunden, sondern der Verkehr.

Vor allem tagsüber ist das Sicherheitsgefühl sehr hoch. 97 Prozent der Befragten gaben an, sich "eher sicher" oder "sehr sicher" zu fühlen, wenn sie alleine in der Stadt unterwegs sind. Nachts dagegen fühlt sich jede fünfte Person unsicher.

Etwa die Hälfte davon meidet dann bestimmte Orte - insbesondere die Langstrasse. Auch Parkanlagen und Unterführungen lösen unangenehme Gefühle aus. Für Verunsicherung sorgen nachts vor allem Menschen, die in Gruppen rumstehen - etwa Betrunkene, Dealer, Junkies und Jugendliche.

Strassenverkehr "ein wunder Punkt"

Als dringendstes einzelnes und von der Polizei zu lösendes Sicherheitsproblem wird am häufigsten der Strassenverkehr genannt. Der Verkehr sei in Zürich "offensichtlich ein wunder Punkt", sagte Sicherheitsvorstand Richard Wolff (AL) am Donnerstag vor den Medien.

Das Verhalten der Teilnehmer wird laut Befragung oft als aggressiv, rücksichtslos und unkorrekt empfunden. Kritisiert werden sowohl Auto- als auch Velofahrer.

Die seit Jahren laufende Kampagne "Generell freundlich" wirkt offenbar nicht sonderlich. Man bleibe aber am Problem dran, sagte Wolff weiter. Überhaupt diene die Befragung ja vor allem dazu, Verbesserungspotenzial aufzuzeigen und die bereits sehr gute Polizeiarbeit noch besser zu machen.

So etwa will Kommandant Daniel Blumer das Korps noch verstärkt für das Prinzip der "fairen und effektiven Polizeiarbeit" sensibilisieren. Unterstützung bieten auf dem Weg zu dieser Polizeiarbeit soll das Projekt Pius (Polizeiarbeit im urbanen Spannungsfeld). Es wird demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt.

Kritik an Kontrollen

Zwar finden es insgesamt 60 Prozent gut, wenn die Polizei gezielt Personen kontrolliert, auch wenn nur ein geringer Verdacht besteht. Aber rund ein Drittel der Befragten hat den Eindruck, die Stadtpolizei behandle nicht alle gleich. Teilweise anders behandelt würden vor allem Ausländer, Migranten, Asylsuchende, dunkelhäutige oder ausländisch aussehende Menschen.

Dieses Resultat sei Anlass, das Korps verstärkt für das Prinzip der fairen und effektiven Polizeiarbeit zu sensibilisieren. Wenn die daraus entstehenden Fragen richtig beantwortet würden, stelle sich beispielsweise die Frage des Ethnic Profilings gar nicht mehr erst, ist Blumer überzeugt.

Unterstützung aus der Bevölkerung für Bodycams

Relativ gross ist die Akzeptanz in der Bevölkerung für Videoüberwachung und für Bodycams. Allerdings kommt es auf die Umstände an. Über 80 Prozent halten Videoaufnahmen im öffentlichen Raum für sinnvoll, weil damit Verbrechen aufgeklärt werden können.

Bodycams sollen bei Anlässen eingesetzt werden, wo mit Ausschreitung zu rechnen ist, beispielsweise am 1. Mai, bei Demonstrationen oder risikoreichen Sportanlässen. Bei Bodycams handelt es sich um kleine Kameras, welche direkt an der Uniform des Polizisten angebracht werden. Bei Bedarf kann die Kamera eingeschaltet werden. Die Datenschutzbestimmungen werden dabei eingehalten.

Polizei auch bei Ausländern beliebt

Generell haben die Zürcherinnen und Zürcher ein sehr hohes Vertrauen in die Stadtpolizei. Auf einer Skala von 1 (sehr wenig Vertrauen) bis 10 (sehr hohes Vertrauen) geben sie im Durchschnitt die Note 8,1. Bei den befragten Ausländerinnen und Ausländern ist das Vertrauen mit 8,3 sogar noch höher.

Für Wolff ist wichtig, dass auch Direktbetroffene der Polizei gute Noten erteilen. Bei einzelnen kam die Polizei jedoch nicht als hilfsbereit, kompetent und freundlich an, sondern als stur, einschüchternd oder arrogant. Auch diese Kritik werde man ernst nehmen.

Die repräsentative Bevölkerungsumfrage führte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Demoscope AG im Sommer im Auftrag der Stadtpolizei durch. Teilgenommen haben 2282 Personen ab 15 Jahren, die seit mindestens 5 Jahren in der Stadt Zürich wohnen. Drei Viertel haben online an der Befragung teilgenommen, der Rest telefonisch. Die Kosten betragen 100'000 Franken.

In rund vier Jahren möchte das Sicherheitsdepartement eine weitere Befragung durchführen. Nur so lasse sich eine Entwicklung feststellen.

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