Nachgefragt
«Die Gefahr unnötiger Operationen besteht natürlich»

Brigitte Röösli, Co-Präsidentin der Patientenstelle Zürich und SP-Kantonsrätin, fordert mehr kundenorientierte Kommunikation von Ärzten.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Brigitte Röösli.

Brigitte Röösli.

zvg

Ein Untersuchungsbericht des Universitätsspitals Zürich kommt zum Schluss, dass bisweilen Operationen durchgeführt wurden, obwohl auch ein weniger invasiver Eingriff möglich gewesen wäre. Wird in Spitälern zu viel operiert?

Brigitte Röösli: Die Gefahr unnötiger Operationen besteht natürlich, weil auch die Fallzahlen mit eingerechnet werden, um zu definieren, ob jemand überhaupt operieren darf.

Was empfehlen Sie Patientinnen und Patienten, die unnötige Eingriffe vermeiden wollen?

Ganz klar: nachfragen. Grundsätzlich erwarte ich von einem Operateur, dass er die verschiedenen Behandlungsvarianten und deren Konsequenzen aufzeigt. Es gibt ja immer mehrere Therapieformen.

Sollten Patienten vor einem Eingriff auch eine ärztliche Zweitmeinung einholen?

Je nachdem, wie schwerwiegend der geplante Eingriff ist. Aber das hat auch mit Vertrauen zu tun. Wenn alle eine Zweitmeinung holen, steigen wieder die Kosten im Gesundheitswesen. Das ist auch nicht im Interesse der Patienten.

Hapert es oft an der ärztlichen Aufklärung der Patienten in Spitälern oder sind das Einzelfälle?

Ganz viele Ärztinnen und Ärzte machen einen super Job. Aber oft ist die Kommunikation nicht ihre Stärke. In der ärztlichen Ausbildung sollte viel mehr Wert auf Soft-Faktoren wie kundenorientierte Kommunikation und Teamentwicklung gelegt werden.