«Unternehmensinhaber erreicht Pensionsalter und sucht deshalb einen externen Käufer für die Firma, wegen fehlender interner Nachfolgelösung»: In etwa so lauten alle der derzeit 39 Inserate von Firmeneigentümern im Kanton Zürich, die ihr Vermächtnis in fremde Hände legen möchten oder müssen.

Auf Companymarket, einer Zürcher Vermittlungsplattform für Unternehmen, suchen derzeit 20 Handelsbetriebe und 12 Gewerbefirmen Nachfolger. Die Inhaber suchen kaufwillige Unternehmer, die bereit wären eine Marketingfirma, ein Transportunternehmen oder eine Autogarage zu übernehmen.

Industrie macht kleinen Teil aus

Bei der Regelung der Unternehmensnachfolge unterscheidet Carla Kaufmann, die vor acht Jahren selber als Nachfolgerin und Käuferin Companymarket übernahm, zwei Arten: «Die klassische Nachfolge, diese ist durch das Alter der Eigentümer begründet. Daneben gibt es immer mehr Unternehmensverkäufe. Exits, die nichts mit dem Alter der Inhaber zutun haben. Gerade in den Dienstleistungsbranchen kommt es oft zu Konsolidierungen bereits zehn bis fünfzehn Jahre nach der Firmengründung.»

Auffallend sei, dass sich über die vergangen Jahre die Branchen verschoben haben. «Wir haben deindustrialisiert», so Kaufmann.

Fielen vor zehn Jahren noch ungefähr ein Drittel der auf Companymarket gelisteten Nachfolgeregelungen in Industriebetrieben an, machen sie heute weniger als zehn Prozent aus. «Die Region Zürich ist beispielsweise im Handel stark vertreten», sagt Kaufmann zu den 20 Betrieben dieser Branche, die derzeit einen Käufer suchen.

Ein Firmenverkauf ist emotional

Auch wenn die Firmen der gleichen Branche zugeordnet werden können, gebe es für jede Nachfolgeregelung eine individuelle Lösung: «Jede Firma ist einzigartig und hat ihre eigene Geschichte, die berücksichtigt werden muss.»
Entsprechend begleitet Kaufmann zusammen mit ihren Experten die Firmeneigentümer eng durch die Transferphase: «Wichtiger als jede Firmendokumentation ist eine enge menschliche Begleitung. Die Ängste des Verkäufers müssen dabei sehr ernst genommen werden», sagt Kaufmann.

Oft von der Komplexität überrascht

Damit die Bestimmung eines Nachfolgers erfolgreich über die Bühne geht, muss sich der Verkäufer früh genug und aktiv um eine potenzielle Nachfolge kümmern. «Grundsätzlich gibt es drei mögliche Lösungen für eine Nachfolge: familienintern, firmenintern oder extern», sagt Kaufmann. «Leider haben die Verkäufer oft die Vorstellung, ein Firmenverkauf gestalte sich wie der Verkauf einer Immobilie.» Sie würden dann im Laufe des Prozesses oft von der Komplexität überrascht.

Darüber hinaus ist ein Firmenverkauf gemäss Kaufmanns Erfahrung immer auch eine Frage des Timings: «Sucht gerade jetzt die richtige Person den Weg in die Selbstständigkeit, ist der strategische Käufer aktuell liquide oder hat er gerade ein grösseres Investment getätigt? Der Erwerb einer Firma erfordert mehr Eigenmittel als der Kauf einer Immobilie», so Kaufmann.

All diese Faktoren würden dazu beitragen, dass gemäss Bisnode, einem Anbieter für Wirtschaftsinformationen mit Sitz in Urdorf, rund 30 Prozent der Unternehmensnachfolge scheitern. Kommt es aber zu einem Kauf, dann existieren 96 Prozent der Firmen auch noch fünf Jahre nach der Nachfolgeregelung. Dies belegen die Berechnung der Universität St. Gallen, die in der Studie «Das St. Galler Nachfolge-Modell» publiziert wurden.

Kaufmann ist trotz der unterschiedlichen Herausforderungen vom Erfolg externer Nachfolgeregelungen überzeugt: «Für einen Käufer ist das Weiterführen eines etablierten Geschäftes weniger risikoreich als die Investition in ein Start-up.»

Treuhänder tun sich schwierig

Jeder Besitzerwechsel beinhalte natürlich ein gewisses Risiko. Gerade für den künftigen Besitzer sei der mentale Druck und die finanzielle Belastung oft besonders hoch. Zudem sei auch der Verkäufer gefordert, dem künftigen Geschäftsführer einen Vertrauensbonus zu gewähren.

Gerade Treuhänder und Vermögensverwalter täten sich schwierig ihr Unternehmen weiterzugeben: «Sie betrachten ihr Geschäft als absolut personenbezogen. Dabei ist auch hier die saubere Einarbeitung oder der richtige Aufbau eines Mitarbeiters entscheidend, damit eine Nachfolgeregelung gelingt», sagt Kaufmann. Diese Branchen sind gerade im Tessin, der Zentralschweiz und in der Genfersee-Region stark vertreten. Bisnode attestiert gerade diesen Regionen die geringsten Probleme mit Nachfolgeregelungen.

Während den Inseraten auf der Plattform von Companymarket zufolge am meisten Unternehmen in der Region Zürich, der Ostschweiz, dem Mittelland und der Nordwestschweiz nach einer Nachfolge suchen, liefert die Studie zu den KMU-Nachfolgen im Jahr 2017 von Bisnode ein etwas anderes Bild.

In der Nordwestschweiz ist der Anteil der Firmen mit einer ungeregelten Nachfolge mit 15,7 Prozent am höchsten, gefolgt vom Mittelland und der Ostschweiz. Zürich liegt mit 13,5 Prozent leicht unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt.

Als Datenbasis dienen Bisnode die Einträge der Firmen im Schweizerischen Handelsregister, die sie nach dem Alter der eingetragenen Firmenbesitzer untersucht. Bei rund 68 Prozent der Firmen konnte ein direkter Altersbezug hergestellt werden.

Der Nachfolge-Bus geht auf Tour

Mit der alternden Gesellschaft gewinnt das Thema der Nachfolgeregelung zunehmend an Brisanz, ist Kaufmann überzeugt. Deshalb tourt sie zwischen Mai und Juni zusammen mit zwölf Experten mit dem sogenannten Nachfolge-Bus von Chur nach Zürich und über Aarau weiter nach Basel und Bern. Schliesslich hält der Nachfolge-Bus in Schwyz.

Mit dem Nachfolge-Bus sollen Firmenbesitzer oder Kaufinteressierte kostenlos die Gelegenheit bekommen, Antworten auf ihre persönlichen Fragen zum Thema zu erhalten. So beschäftigen die Firmeninhaber untere anderem der Ablauf einer Nachfolge und die Vorbereitung der Nachfolge sowie die Bestimmung des Firmenwertes und die Bestimmung einer geeigneten Nachfolge. Aber auch der Arbeitsplatzschutz der aktuellen Belegschaft ist ein wichtiges Thema, das die Inhaber beschäftigt.