Rund 10'000 Menschen haben am Freitag in der Stadt Zürich am 1.-Mai-Umzug teilgenommen. Sie hatten sich vom strömenden Regen den Tag der Arbeit nicht vermiesen lassen. Den Zug prägten denn auch nicht nur kämpferische Parolen und Transparente, sondern auch viele, viele bunte Schirme.

Rund 10'000 Personen (Angaben von Polizei und Organisatoren) zogen durch die Innenstadt zum Sechseläutenplatz. Die Stimmung war friedlich und fröhlich. Musik schallte durch die Strassen und Parolen wurden skandiert. Auf Transparenten protestierten die Teilnehmenden etwa gegen Lohndumping, Krieg und Krise.

Abgesehen von ein paar Farbbeuteln und Rauchpetarden kam es laut Polizei zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. Mehrere Personen seien vorübergehend arretiert und mit einer Wegweisung belegt worden, heisst es in einem Communiqué.

Als der Zug eintraf, warteten auf dem Platz bereits eine Handvoll Jungfreisinnige - vorsorglich unter einem Dach. Mit schwarz überklebten Mündern protestierten sie dagegen, dass die Demonstration, die sie für den 1. Mai geplant hatten, aus Sicherheitsgründen von der Polizei untersagt worden war.

1. Mai in Zürich

Giorgio Tuti prangert Lohnschere an

Als Hauptredner des 1. Mai in Zürich wandte sich Giorgio Tuti an die Menge. Der Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) und Vizepräsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) thematisierte unter anderem Erbschaftssteuer und AHV.

Angesichts der immer weiter auseinanderklaffenden Einkommen sei die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer, wie sie am 14. Juni zur Abstimmung komme, eine Gelegenheit, Gegensteuer zu geben, sagte Tuti. Da eine solche Steuer nur für Vermögen über zwei Millionen Franken erhoben würde, wären "98 Prozent der Leute gar nicht davon betroffen".

Die sich immer weiter öffnende Lohnschere wirke sich direkt auf die Renten aus, die entsprechend immer ungleichere Bedingungen für Ältere schafften. Das Projekt "Altersvorsorge 2020" des Bundes verschärfe die Ungerechtigkeiten noch. Tuti verwies deshalb auf die SGB-Initiative "AHVplus", die hier Verbesserungen anstrebe.

Nach Tuti sprach Salih Muslim von der syrisch-kurdischen "Partei der demokratischen Union". Er rief zur Solidarität mit den Menschen in Syrien auf. Der 1. Mai sei der Tag für alle, die Unterdrückung ablehnten und für Freiheit kämpften. Nach den Reden ging der 1. Mai mit dem traditionellen Fest auf dem Kasernenareal unter dem Motto "No pasaràn!" (sie werden nicht durchkommen) weiter.

Knatsch um Umzugsstart

Im Vorfeld des Tags der Arbeit hatten sich die Organisatoren, Gewerkschaftsbund und Komitee, nicht einigen können, wo der Zug starten sollte. Dies, weil der Startpunkt des offiziellen Umzugs der Gewerkschaften, wie seit Jahren üblich, in der Nähe der Europaallee lag.

Diese sei ein Sinnbild verfehlter Stadtplanung, monierte das Komitee und hatte deshalb zum früheren Start auf dem Helvetiaplatz aufgerufen, mitten im ehemaligen Arbeiterquartier. Von dort marschierten schliesslich einige hundert Frühaufsteher zum offiziellen Zug und marschierten dann mit diesem weiter.

Dass der Zug auf dem Sechseläutenplatz endete, passte allerdings auch nicht allen: Zwei Tage vor dem 1. Mai hatten Linksautonome den edlen Quarzit-Bodenbelag des Platzes mit Farbe verschmiert.

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