Bezirksgericht Hinwil
Nach Züri-Fäscht: Messerstecher wird zu 12 Jahren Haft verurteilt

Ein Mann, der nach dem Züri-Fäscht am Bahnhof Rüti zwei Männer mit dem Messer lebensgefährlich verletzte, wurde vom Bezirksgericht Hinwil als schuldig befunden. Die Richterin verurteilte den damals knapp 20-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren.

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Der Messerstecher wurde wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Gefängnisstrafe von zwölf Jahren verurteilt. (Symbolbild)

Der Messerstecher wurde wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Gefängnisstrafe von zwölf Jahren verurteilt. (Symbolbild)

Keystone

Am 2. Juli 2016 um 1 Uhr befand sich ein damals knapp 20-jähriger in Zürich wohnhafter Iraker mit seiner Freundin auf dem Heimweg vom Züri-Fäscht. Am Bahnhof Rüti trafen sie auf zwei stark betrunkene Männer im Alter von 29 und 31 Jahren. Es kam zu Pöbeleien, wobei der Iraker ein Messer zückte und die beiden deutschen Opfer schwer verletzte.

Opfer und Täter stellen das Zusammentreffen unterschiedlich dar, wie der "Tages-Anzeiger" berichtet. Die beiden Männer hätten ihn beleidigt und provoziert, während er mit seiner Freundin einfach weg wollte, schilderte der Iraker das Geschehen. Aus Angst habe er das Messer hervorgeholt und zum Schutz vor sich gefuchtelt. Anschliessend sei er weggegangen, ohne gemerkt zu haben, dass er den Opfern im Gerangel lebensgefährliche Verletzungen an Hals und Oberkörper zugefügt hatte.

Machohaft und unreif

Staatsanwalt Adrian Kaegi ist anderer Meinung. Aus seiner Sicht handle es sich um eine perfide und skrupellose Tat. Der unreife und machohafte Beschuldigte habe aus einem Kleinstreit heraus beinahe zwei Männer getötet. Das Messer habe er gezückt, um sich "gut zu fühlen", während seine Freundin vergeblich versucht habe, ihn zurückzuhalten. Kaegi forderte eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung.

Jürgen Imkamp, der Rechtsanwalt des Beschuldigten, verlangte hingegen einen Freispruch und eine Entschädigung von 54'000 Franken für die 18-monatige Untersuchungshaft. Im Gegensatz zu den einschlägig vorbestraften Deutschen sei sein Mandant bis zu diesem Vorfall völlig unbescholten gewesen. Ausserdem sei die Initiative von den Opfern ausgegangen, welche sich schon im Zug aggressiv verhalten und Streit gesucht hätten. Gezielte Stichbewegungen habe der Iraker keine gemacht, sondern die Männer im Gerangel verletzt.

Das Bezirksgericht Hinwil stellte sich auf die Seite des Staatsanwalts. Es verurteilte den Angeklagten wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung zu zwölf Jahren. Richterin Andrea Vontobel sagte, der Mann habe aus nichtigem Grund auf die stark Betrunkenen eingestochen. Anstatt einfach nach Hause zu gehen, sei er auf die Männer zugegangen. Als Motiv nannte die Richterin Machogehabe.