Zürich
Nach waghalsigen Wendemanövern auf der Autobahn: Obergericht verurteilt Uber-Taxifahrer

Ein Uber-Taxifahrer wendete sein Fahrzeug auf der Autobahn und fuhr in der Gegenrichtung, worauf ihn der Passagier anzeigte. Am Montag stand er nun vor dem Zürcher Obergericht. Dieses verurteilte den Mann wegen fahrlässiger grober Verletzung der Verkehrsregeln.

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Das Zürcher Obergericht glaubte dem Taxifahrer nicht und verurteilte ihn wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. (Symbolbild)

Das Zürcher Obergericht glaubte dem Taxifahrer nicht und verurteilte ihn wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. (Symbolbild)

KEYSTONE/WALTER BIERI

Eine Strassensperrung aufgrund eines Verkehrsunfalls bei der Autobahneinfahrt Zürich Brunau zwang einen Uber-Taxifahrer im Mai 2016 dazu, eine alternative Strecke vom Einkaufszentrum Sihlcity nach Bonstetten zu suchen. Nach zwei waghalsigen Wendemanövern auf der Autobahn flüchtete der Passagier allerdings aus dem Fahrzeug und zeigte den Fahrer bei der Polizei an.

Das Bezirksgericht Zürich sprach den heute 61-jährigen Taxifahrer darauf schuldig, was dieser nicht akzeptierte. Am Montag stand er nun vor dem Obergericht. Während die Verteidigung einen Freispruch verlangte, forderte die Staatsanwaltschaft einen Schuldspruch wegen fahrlässiger, grober Verletzung der Verkehrsregeln.

Zwei illegale Wendemanöver

Eineinhalb Stunden nachdem sich der Uber-Kunde bei ihr gemeldet hatte, befragte die Polizei auch den Lenker. Ohne die Aussagen des Zeugen zu kennen, schilderte dieser den Vorfall weitgehend identisch und quittierte das entsprechende Protokoll mit seinem Visum, wie die "NZZ" schreibt. Der Taxichauffeur war demnach an der gesperrten Auffahrt vorbei in Richtung Manegg gefahren. Der Passagier riet ihm daraufhin, umzukehren und auf der Autobahn Richtung Stadt zu fahren.

Dort, wo die Wand endet, welche die Rampe der Sihlhochstrasse von den zwei von links einmündenden Fahrspuren Richtung Stadt trennt, wendete der Chauffeur sein Fahrzeug. Er fuhr dabei über die Sperrfläche und den Normalstreifen hinweg. Nach rund 30 Metern auf der Überholspur in der Gegenrichtung wendete er erneut, um in der korrekten Richtung weiterzufahren. Bei der polizeilichen Einvernahme räumte der Taxifahrer explizit ein, einen Fehler gemacht zu haben, so die "NZZ" weiter.

Meinung geändert

Als der Chauffeur ein Dreivierteljahr später von der Staatsanwaltschaft befragt wurde, bestritt er die Vorwürfe und sagte, die Polizei habe ihn damals falsch verstanden. Seine Deutschkenntnisse seien zudem zu schlecht, um ein amtliches Schriftstück zu verstehen. Aus diesem Grund habe er das Polizeiprotokoll unterzeichnet, ohne es durchgelesen zu haben. Weiter sei der Passagier während der ganzen Fahrt mit seinem Mobiltelefon beschäftigt gewesen und habe sich die Manöver wegen seines vorangegangenen grossen Alkoholkonsums nur eingebildet.

Das Obergericht nahm dem Mann die Geschichte allerdings nicht ab. "Ihre Deutschkenntnisse sind besser, als Sie uns weiszumachen versucht haben", wird der Gerichtsvorsitzende zitiert. Der Fahrgast habe zudem keinen Grund gehabt zu lügen. Stattdessen versuche der Beschuldigte, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Das Gericht bestätigte die Forderung des Staatsanwalts und verurteilte den Taxifahrer wegen vorsätzlicher grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 30 Franken und einer Busse von 300 Franken.