Der Umsatz lag 2016 bei über 200 Millionen Franken, wie Melanie De Senarclens, Bereichsleiterin Finanzen und Dienste, am Donnerstag vor den Medien sagte. Der Gewinn betrug 7,6 Millionen Franken gegenüber 13,9 Millionen Franken im Vorjahr. 13,7 Millionen Franken flossen an die Stadtkasse, zudem wurden knapp 16 Millionen für die Sanierung der Pensionskasse zurückgestellt.

Vor allem das Gasgeschäft habe zu dem guten Ergebnis beigetragen, sagte De Senarclens weiter. Die Kundinnen und Kunden sollen davon profitieren können. Wie diese Partizipation aussehen wird, wird nun ausgearbeitet, wie Urs Buchs, Direktor ad interim, sagte.

Politisch hingegen war das Jahr 2016 geprägt von den Turbulenzen ausgelöst durch die so genannte Wärmering-Affäre. Im Zuge der darauf eingeleiteten Administrativuntersuchung wurden der Direktor und ein weiteres Kadermitglied Anfang Juli freigestellt. Zudem wurde Stadtwerk temporär dem Departement Sicherheit und Umwelt mit Vorsteherin Barbara Günthard-Maier (FDP) unterstellt und mit Urs Buchs ein Interims-Direktor eingesetzt.

Die Administrativuntersuchung zeigte, dass Kadermitarbeiter von Stadtwerk Winterthur mit allen Tricks versuchten, das Wärme-Projekt des Unternehmens Wärme Frauenfeld AG am Leben zu halten. Einen Tag vor der Veröffentlichung des Schlussberichts Ende September 2016 kündigte der ebenfalls in Kritik geratene Stadtrat Matthias Gfeller (Grüne) seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen an.

Inzwischen wurde zur Rettung des Unternehmens eine Lösung zwischen den Städten Frauenfeld und Winterthur entwickelt - in Winterthur muss noch das Parlament darüber befinden, in Frauenfeld das Volk.

Vertrauen wieder hergestellt

Günthard-Maier blickte am Donnerstag auf diese unruhigen Zeiten zurück: In erster Linie sei es darum gegangen, die Situation zu stabilisieren und dass das Tagesgeschäft funktionieren könne. Trotz der schwierigen Situation sei das Tagesgeschäft aber wie gewohnt verlaufen.

Weiter führte die Stadträtin eine Kultur der Offenheit und Transparenz bei Stadtwerk ein und ordnete verschiedene Überprüfungen an. Als Folge wurde im Sommer 2016 klar, dass beim Umbau des neuen Stadtwerk-Hauptsitzes eine Kostenüberschreitung droht. Zwar wurden sofort Sparmassnahmen eingeleitet, diese reichten jedoch nicht aus. Am Montag wird das Parlament über den Zusatzkredit von 2,5 Millionen Franken beraten.

Das Stadtwerk beschäftigte im vergangenen Jahr aber auch den Gesamtstadtrat ausserordentlich: Über 100 Anträge wurden zur Beschlussfassung unterbreitet. Teilweise seien die Stadtratssitzungen von Stadtwerk dominiert worden, sagte die Stadträtin.

Beschwerde wegen "Laternengebühr"

Zudem wurden zwei Berichte bei der Finanzkontrolle ausgelöst - einer vom Stadtrat, einer von Günthard-Maier zu Beteiligungen. Als Konsequenz wird nun ein stadtweites Controlling aufgebaut. Günthard-Maier zeigte sich am Donnerstag aber zuversichtlich: Wenigstens politisch sei das Vertrauen teilweise wieder hergestellt und auch bei Stadtwerk sei wieder Ruhe eingekehrt.

Bei Stadtwerk gab es 2016 noch weitere Ereignisse mit grosser Resonanz: So führte etwa auch die "Laternengebühr" - eine zusätzliche Abgabe für die öffentliche Beleuchtung - zu Reaktionen in der Bevölkerung. Eine Beschwerde ist noch hängig. Zudem wurde der Wärmeverbund "Aquifer Neuwiesen" vorläufig gestoppt. Ebenfalls sistiert wurden die Bemühungen, Stadtwerk zu verselbständigen.

Die Präsentation der Jahreszahlen war der letzte öffentliche Auftritt von Günthard-Maier für Stadtwerk Winterthur: Sie übergibt am 1. Juli die Leitung wieder dem Departement Technische Betriebe unter der neuen Leitung von Stadtrat Stefan Fritschi (FDP). Auch der neue Direktor, Marco Gabathuler, ist sich gemäss Buchs bereits am Einarbeiten.