Die Medienmitteilung von Dienstag klingt nüchtern, ihr Inhalt aber ist brisant: «Martin Romer, Gemeinderatspräsident und Kantonsrat, tritt mit sofortiger Wirkung aus der FDP Dietikon aus.» Er stehe der FDP nicht mehr für die Gemeinderatsliste der kommenden Erneuerungswahlen vom 4. März zur Verfügung.

Als parteiloser Kantonsrat werde er weiterhin im kantonalen Parlament mitarbeiten, seine Tätigkeit als parteiloser Gemeinderatspräsident werde er regulär abschliessen. Ob er nun als parteiloser Kandidat bei den Stadtratswahlen antritt, gab er am Dienstag noch nicht bekannt. Dazu werde er die Öffentlichkeit zu einem späteren Zeitpunkt informieren. In der Mitteilung findet sich nicht ein einziges Wort zu seinen Motiven. Auch auf Nachfrage erklärte er am Dienstag lediglich: «Ich bin ein Mensch, der im Leben wie in der Politik mit Bodenhaftung nach praktischen Lösungen sucht und diese dann konsequent umsetzt. Die Gründe für den Austritt sind für mich Geschichte; ich schaue positiv nach vorne.»

Die «Geschichte», die in dieser Antwort anklingt, ist seine verpasste Nomination für eine Stadtratskandidatur. Vor knapp einer Woche unterlag Romer in einer Kampfabstimmung an der Mitgliederversammlung der FDP-Ortspartei Philipp Müller, dem Sohn von Stadtpräsident Otto Müller (ebenfalls FDP). Otto Müller wird nicht wieder antreten. Damit blieb Romer der mögliche Weg in die Exekutive verwehrt.

Bei seiner alten Partei zeigt man sich verständnislos. Werner Hogg, FDP-Ortsparteipräsident, meinte am Dienstag: «Bei der Nomination handelte es sich um einen fairen, transparenten und demokratischen Prozess. Ich kann Martin Romers Entscheidung nicht verstehen, und wir bedauern seinen Austritt sehr.» Ganz überraschend war dieser für Hogg aber nicht gekommen.

Der Entscheid habe sich nach der Nomination bereits angekündigt. Auch der FDP-Präsident Bezirk Dietikon Gérald Künzle brachte am Dienstag sein Bedauern zum Ausdruck; schliesslich sei Romer 16 Jahre lang ein wichtiges Mitglied der FDP gewesen. «Aber die Nomination ist fair abgelaufen und die Mehrheit für Philipp Müller war deutlich. » Auf Romers Kantonsratssitz angesprochen, meinte er: «Er bleibt selbstverständlich bis zur nächsten Wahl Kantonsrat.» Als Einzelkämpfer ohne Fraktion werde es jedoch schwierig für ihn.

Belustigt von Querelen

Martin Müller, der als Mitglied der DP seine letzten Runden im Dietiker Gemeinderat dreht, nimmt «die Querelen belustigt zur Kenntnis». Müller – nicht verwandt mit Philipp oder Otto Müller – kann die Reaktion Romers «gut nachvollziehen», denn auch er ist einst verärgert aus der FDP ausgetreten. Der Konflikt sei nach der Doppelkandidatur absehbar gewesen. Das hinge auch mit den «Strukturen und familiären Zusammensetzungen» in der Ortspartei zusammen, so Martin Müller. Er verweist auf die in Dietikon gut verwurzelte FDP-Familie Müller. «Romer passiert dasselbe wie mir 2010. Offenbar hat niemand in der Partei etwas gelernt.»

Fragt man Romer, ob er sich als Opfer eines Komplotts sehe, äussert er sich lakonisch: «Kein Kommentar.» Die Austrittsentscheidung sei nicht spontan gefallen, sondern sei gut überlegt und gemäss seinen «rechtschaffenen Grundsätzen» erfolgt: «Ich will mir beim Rasieren am Morgen guten Gewissens in die Augen schauen können.» Fest steht, dass er nicht Mitglied der DP wird. Ob er einer anderen Partei beitritt oder parteilos bleibt, werde die Zukunft weisen. Romer zeigte sich am Dienstag in aufgeräumter Stimmung. «Ich verfüge über eine reiche Lebenserfahrung und werde meinen Weg gehen. Ausserdem bin ich zukunftsorientiert und werde die weiteren Schritte entsprechend positiv gestimmt anpacken.» Auch mit einer mangelnden Wertschätzung durch seine alte Partei hält er sich nicht lange auf: «Da ich nicht mehr Mitglied bin, ist eine solche Grübelei obsolet.»