In der Heilpädagogischen Schule (HPS) Bezirk Andelfingen hat sich Verunsicherung breit gemacht, seit schwere Vorwürfe von mehreren Eltern und ein Evaluationsbericht der kantonalen Fachstelle für Schulbeurteilung bekannt wurden. Die Schule betreut 50 Schüler im Alter von 4 bis 18 Jahren mit geistiger Behinderung oder Lernschwäche.

Einen körperlichen Übergriff hat die Schulleitung inzwischen bestätigt. Mittlerweile haben sich aber weitere Eltern gemeldet. Manuela Röllin ist Mutter einer 15-Jährigen Tochter, die wegen einer Lernschwäche die HPS besucht. Die Tochter habe ihr berichtet, dass die Lehrer mit ihr grob seien. Geschlagen worden sei sie aber nie, sagt Röllin. «Wenn sich die Aussagen anderer Eltern bestätigen, bin ich entsetzt.» Dass sich Lehrer zu so was hinreissen liessen, egal wie überfordert sie mit den Kindern seien, dürfe nicht vorkommen, sagt Röllin. «Sie wissen, dass diese Kinder noch mehr Begleitung und Unterstützung brauchen.»

Null Probleme am neuen Ort

«Wir haben eklatante Fehlstellungen auf verschiedenen Ebenen der Schule festgestellt», sagt der Vater eines Kindes, das aufgrund der Probleme inzwischen die Maurerschule in Winterthur besucht. Die Probleme lägen nicht nur bei der Schulleitung, sondern auch bei überforderten Lehr- und Betreuungspersonen. «Unser Sohn kam immer wieder mit blauen Flecken an Armen und Beinen nach Hause», sagt der Vater. Woher die Flecken stammten, wisse er nicht. «Es ist normal, dass es ab und zu blaue Flecken gibt, aber nicht in dieser Häufigkeit.» Er ist froh, den Sohn nicht mehr an der HPS zu wissen. «In Winterthur gibt es null Probleme.»

«Unser Kind hat von einer Ohrfeige berichtet», erzählt ein anderer Vater. Das liege zwei Jahre zurück. Weil das Kind mittlerweile in eine andere Klasse versetzt worden sei, habe sich der Fall für ihn und seine Frau vorläufig erledigt. Mit dem aktuellen Chaos an der Schule sei das Thema aber wieder hochgekommen.

Auch wer bloss zusieht, ist betroffen

«Meine Tochter geht nicht mehr gern zur Schule, weil sie spürt, dass da vieles schiefläuft», sagt eine weitere Mutter und eine andere ergänzt: «Es ist für uns Eltern schwierig, die Kinder an diese Schule zu schicken. Man ist so verunsichert». Das Kind zu versetzen sei nicht einfach, Privatschulen seien teuer.

«Behinderte und Lernschwache Kinder sind besonders schutzbefohlen» sagt Susanne Walitza, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik. «Gewalt löst Ängste in ihnen aus, selbst wenn sie nicht direkt davon betroffen sind, sondern miterleben, dass jemand in der Klasse gezüchtigt wird.» Das Selbstbewusstsein leide, wenn ein Kind sich nicht sicher fühle.

Verunsichert sind auch die Lehrerinnen und Lehrer der Heilpädagogischen Schule. Die Schule hat den Lehrpersonen Gespräche mit den Medien untersagt. Schliesslich finden sich unter ehemaligen und aktiven Lehrern aber zwei Personen, die sich unter Zusicherung der Anonymität bereit erklären, Fragen zu beantworten. Sie machen als Hauptproblem die Führung der Schule aus, die sie schon mehrere Jahre lang als mangelhaft empfinden. Die Details dazu liessen sich dem Evaluationsbericht der Bildungsdirektion entnehmen.

Konflikte im Schulteam

Der Bericht weist auf Probleme in der Kommunikation zwischen Lehrpersonen und Schulleitung hin, aber auch mit dem Zweckverband, zu dem die Heilpädagogische Schule gehört. Im Zweckverband sind die Schulgemeinden des Bezirkes Andelfingen zusammengeschlossen. Der Schulleiter ist mittlerweile krankgeschrieben.

Zwei Stellen fallen im Bericht ins Auge: «Konflikte absorbieren die Energie des gesamten Schulteams», eine wirkungsvolle Führung sei nicht gewährleistet. Und weiter: «Die Mitarbeitenden pflegen nicht durchgängig einen respektvollen und ermutigenden Umgang mit den Schülerinnen und Schülern», weniger als die Hälfte der Schüler fühle sich wohl in den Klassen.

Zeugen von körperlichen Übergriffen waren die beiden auskunftsbereiten Lehrpersonen nie. Die eine Person hat auch nie von solchen Übergriffen gehört. Im Gegenteil täten die Lehrer alles, um die Kinder vor den Folgen des schlechten Klimas an der Schule zu schützen. Die zweite befragte Person hingegen sagt, es sei über den Umgang einzelner Lehrpersonen mit den Kindern gesprochen worden. Sie habe der Quelle dieser Aussagen und deren Absichten aber nicht vertraut. Die Situation sei zu jenem Zeitpunkt sehr schwierig und konfliktbelastet gewesen.

Fakt ist, dass in den letzten Jahren viele Lehrpersonen und Assistentinnen ihre Arbeit bei der HPS beendet haben. Auch in diesem Jahr verliert die Heilpädagogische Schule einige Lehrpersonen, darunter gleich drei von fünf Oberstufenlehrerinnen sowie mehrere Assistentinnen.