Die Ankündigung der UBS, Arbeitsplätze von Zürich nach Biel zu verlagern, sorgte in den letzten Tagen für Schlagzeilen. Noch ist zwar unklar, wie viele Jobs im Raum Zürich wegfallen, wenn die UBS in rund eineinhalb Jahren in Biel ihr neues Dienstleistungszentrum mit rund 600 Arbeitsplätzen eröffnet. Doch die Zürcher UBS-Standorte in Altstetten, Opfikon und an der Europaallee dürften davon betroffen sein, da die Grossbank dort viele Support-Arbeitsplätze hat.

Mit der Verlagerung nach Biel will die UBS Mietkosten sparen, mittelfristig bei Neueinstellungen auch Lohnkosten. Nicht zum ersten Mal: Im vergangenen Herbst kündigte die Grossbank die Verschiebung von rund 500 Stellen nach Schaffhausen an. Und bereits denkt man bei der UBS laut über den Aufbau eines weiteren Dienstleistungszentrums auf der Gotthard-Route Richtung Tessin nach. Wird Zürich für Firmen ein zu teures Pflaster?

«Zürich ist ein teures Pflaster, weil so viele Leute hier ihre Büros oder Wohnungen haben möchten. Würde sich das ändern, sänken langfristig auch die Preise», sagt Benno Seiler, Wirtschaftsförderer der Stadt Zürich. Alarmstimmung herrsche bei ihm bis jetzt jedenfalls nicht. Die Stellenverlagerung aus der Stadt sei zwar keine gute Nachricht. «Vom Ausmass her ist sie für uns aber nicht besorgniserregend.»

Dass Grossbanken und andere Firmen Arbeitsplätze aus der City wegzügeln, ist schon länger zu beobachten. «Insgesamt haben die Arbeitsplätze in Zürich aber nicht massiv abgenommen», so Seiler. Die städtische Statistik zeigt: Die Zahl der Beschäftigten ging in Zürich im ersten Quartal 2017 von 451 800 auf 448 800 zurück, vor allem im Dienstleistungssektor. Der Rückgang mag nach den Boomjahren der jüngeren Vergangenheit verkraftbar sein.

Dennoch ist er beachtlich: Erstmals seit Anfang 2015 sank die Zahl der in Zürich Beschäftigten wieder unter die Marke von 450 000. Und: Seit der Zeit nach dem Bankencrash von 2008 gab es nur einmal einen Quartalsabsacker dieser Grössenordnung in der Stadtzürcher Beschäftigtenstatistik. Wobei die jetzt angekündigte Stellenverlagerung der UBS noch nicht einmal mitgezählt ist.

Zürichs Wirtschaftsförderer nennt allerdings auch Gegenbeispiele. So verlagere die Swiss Re mehrere hundert Stellen aus Adliswil in ihren erneuerten Hauptsitz am Zürcher Mythenquai. Weiter erwähnt Seiler den Umzug des Adecco-Hauptsitzes von Glattbrugg nach Zürich. Sein Fazit: «Es gibt Verschiebungen in beide Richtungen.»

Um einen Negativtrend zu verhindern, sei es wichtig, dass Zürich weiter in seine Infrastruktur investiere und eine spannende Stadt mit hoher Lebensqualität bleibe. Ebenso wichtig sei nach dem Scheitern der Unternehmenssteuerreform III, dass Firmen bald wüssten, wie es steuerlich für sie weitergeht.

Carmen Walker Späh, Volkswirtschaftsdirektorin des Kantons Zürichs, bedauert die angekündigte UBS-Stellenverlagerung ebenfalls. Der Finanzplatz bleibe aber sehr wichtig für Zürich. Walker Späh betont zudem, dass es im Kanton Zürich in den letzten Jahren insgesamt ein Stellenwachstum gab und die Erwerbsquote stieg. «Vor allem Life Science und der ICT-Bereich legen stark zu», so die FDP-Regierungsrätin. «Zürich entwickelt sich immer mehr zum Standort für digitale Innovation.» Sie verweist auf das Beispiel der US-Firma Google, die in den letzten Jahren in Zürich zahlreiche neue Stellen schuf.

«Aber die Zeichen sind trotzdem ernst zu nehmen: Es ist eine Tatsache, dass Zürich ein teures Pflaster ist», hält Walker Späh fest. «Diesen Nachteil müssen wir kompensieren, etwa mit guten Rahmenbedingungen im Steuerbereich oder bei der Infrastruktur.» Ansonsten bestehe die Gefahr, dass weitere Unternehmen Stellen verschieben.