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Nach Tod von Bruno Stefanini: Wie geht es weiter bei der Stiftung? – «Es werden sanfte Entwicklungen sein»

Man sei noch am Anfang, sagt Bettina Stefanini. Es gebe noch viel zu tun.

Man sei noch am Anfang, sagt Bettina Stefanini. Es gebe noch viel zu tun.

Stiftungspräsidentin Bettina Stefanini sagt, wie es mit den Häusern des Winterthurer Immobilienunternehmers Bruno Stefanini weitergeht

Der Mitte Dezember im Alter von 94 Jahren verstorbene Winterthurer Kunstsammler und Immobilienunternehmer Bruno Stefanini hat sein umfangreiches Immobilienportfolio von rund 200 Häusern seiner Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) vermacht, wie unter der Woche bekannt wurde. Damit geht sein Besitz an seine Kinder Bettina und Vital Stefanini über. Die Stiftung gilt als eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Schweiz.

Sie war Gegenstand eines jahrelangen Rechtsstreits, dem das Bundesgericht im vergangenen Sommer ein Ende setzte. Es hat Stefaninis Nachkommen Recht gegeben. Sie können künftig den Stiftungsrat der SKKG bestimmen. Ehemalige Mitglieder forderten, dass der Stiftungsrat selbst seine Mitglieder wählt. Dabei warfen sie Stefaninis Nachkommen fehlendes Fachwissen vor. Im Interview spricht Stiftungspräsidentin Bettina Stefanini darüber, wie es mit den Häusern ihres Vaters weitergeht, welche Beziehung sie zur Winterthurer Altstadt hat und wieso die Arbeit in der Stiftung erst begonnen hat.

Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte ist von Ihrem Vater als Alleinerbin eingesetzt worden. 36 Stefanini-Häuser gehören bereits der Stiftung, 200 weitere sollen jetzt überführt werden. Wann passiert das?

Bettina Stefanini: Die Testamentseröffnung war vor etwa eineinhalb Wochen, am Montag hatten wir eine erste Sitzung mit der Willensvollstreckerin. Es sieht nach einer guten Zusammenarbeit aus. Noch ist aber unklar, wie viel Zeit das beanspruchen wird.

Gibt es eine Prognose?

Wir hoffen auf eine schnelle Abwicklung. Dass es in ein paar Monaten gemacht ist.

Noch in diesem Jahr also?

Ja, das hoffen wir sehr.

Eine Frage, die vielen unter den Nägeln brennt: Was passiert nun mit den Stefanini-Häusern?

Dazu können wir erst etwas sagen, wenn wir uns diese Häuser angeschaut haben. Sie sind in unterschiedlichen Zuständen. Momentan ist es nicht möglich, eine Marschrichtung vorzugeben.

Können Sie eine Grundaussage machen? Möchten Sie alle diese Häuser nobel renovieren, damit es viel mehr teuren Wohnraum gibt in der Stadt?

Nein, wir möchten nicht plötzlich etwas ganz anders machen als bisher. Gewisse Leitplanken sind uns vorgegeben – von der Vergangenheit her, aber auch vom Geschäftsmodell meines Vaters. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns gegen jegliche Entwicklung sträuben. Sehr wichtig ist, dass die Situation jetzt ganz neu beurteilt werden muss.

Die Winterthurer müssen sich also keine Sorgen machen, dass nun die gesamte Altstadt hochglanzrenoviert wird?

Nein, der Stiftungsrat und ich sind uns sehr bewusst, dass die Winterthurer Altstadt ein Teil der Kultur ist. Im Vergleich zu anderen Städten, wo die Mieten so hoch sind, dass sich nur noch grosse Ketten einen Laden leisten können, steht die Winterthurer Altstadt besser da. Wir schätzen die Altstadt, ich persönlich liebe sie. Ich will aber auch nicht sagen, dass es keine Entwicklungen geben wird. Es werden jedoch sanfte Entwicklungen sein.

Letztes Jahr hat das Bundesgericht im Stiftungsstreit für Sie und gegen den Geschäftsleiter und den Finanzvorsteher der Immobilienfirma Terresta entschieden. Was ist seither mit ihnen passiert?

Sie sind immer noch Geschäftsleiter und Finanzvorsteher.

Bleiben sie es auch?

Das kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Läuft ein Verfahren gegen sie?

Es läuft ein Strafverfahren, das ist jedoch noch in der Vorbereitung.

Sie haben seit einem halben Jahr die Fäden der Stiftung in der Hand. Was haben Sie in den letzten Monaten gemacht?

Wir haben vor allem die Werke der Sammlung gesichtet und versucht, herauszufinden, was alles da ist. Die Stiftung ist in allen Dimensionen monumental – vom Potenzial her, aber natürlich auch, was die Probleme angeht. Hier gibt es viel zu tun. Aber es macht mir Freude, wenn viel Handlungsbedarf besteht und es gleichzeitig auch viel Gestaltungsfreiheit gibt.

Wie geht es weiter, was möchten Sie als Nächstes anpacken?

Wir müssen die Inventarisierung vornehmen. Jedes Objekt aufnehmen, das ist unser grösster Brocken. Dafür haben wir fünf neue Personen angestellt, befristet für ein Jahr. Sie helfen, diese grosse Sammlung zu erschliessen.

Noch eine persönliche Frage: Ihr Vater ist vor einem Monat verstorben, wie geht es Ihnen?

Es ist ein Auf und Ab.

Im Sommer sind Sie nach Winterthur gezogen. Wie haben Sie sich eingelebt? Leben Sie in der schönsten Stefanini-Wohnung der Stadt?

Ich habe einen grünen Hang hinter meinem Balkon und dementsprechend einen wunderschönen Ausblick. Die ersten sechs Monate waren streng, ich hatte noch wenig Zeit, mich um die Umgebung zu kümmern. Vielleicht bin ich auch manchmal zu sehr eine Draufgängernatur, das höre ich immer wieder. Aber ich habe bereits meine Fühler ausgestreckt und hoffe, dass ich bald noch viel mehr von Winterthur erfahren und erkunden darf.

Und Ihre Stelle als Professorin in Irland haben Sie gänzlich aufgegeben?

Ja, ich bin jetzt voll für die Stiftung tätig. Hier sind wir erst am Anfang – es gibt also noch viel Arbeit.

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