Kulturprojekt
Nach Referendum: Stimmbürger können über das «Züri-Museum» abstimmen

Am 14. Juni entscheiden die Stimmberechtigten über das Projekt «Zürich im Landesmuseum». Die Geschichte von Stadt und Kanton Zürich soll in drei Räumen des erweiterten Landesmuseums erlebt und erforscht werden.

Matthias Scharrer
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Ein interaktives Kantonsmodell und Geschichten über für Zürich prägende Figuren sind im zweiten der drei Ausstellungsräume geplant. (Visualisierung)

Ein interaktives Kantonsmodell und Geschichten über für Zürich prägende Figuren sind im zweiten der drei Ausstellungsräume geplant. (Visualisierung)

schmauderrohr/zvg

Einen zentralen Ort, an dem sich Interessierte einen Überblick über die Zürcher Geschichte verschaffen können, gibt es bislang nicht. Doch die Idee eines Stadtmuseums beschäftigt die Stadtoberhäupter schon seit Jahren.

Nun kommt ein Projekt zur Abstimmung, um die Idee in abgespeckter Form zu verwirklichen: «Zürich im Landesmuseum» lautet der Arbeitstitel. Statt in einem eigenen Museum soll die Geschichte von Stadt und Kanton Zürich in drei Räumen des erweiterten Landesmuseums erlebbar werden. Am 14. Juni entscheiden die Stadtzürcher Stimmberechtigten darüber.

Referendum wegen der Kosten

Zur Abstimmung kommt es, weil SVP, GLP und AL das Referendum ergriffen haben. Es geht wie so oft ums Geld: 1,76 Millionen Franken hat das Zürcher Stadtparlament für die Projektierungs- und Investitionskosten bewilligt, 300 000 Franken jährlich wiederkehrend für die Betriebskosten.

Der Gemeinderat entschied über das Projekt zu mitternächtlicher Stunde just nach der Stadtzürcher Budgetdebatte im Dezember 2014. Unmittelbar davor hatte das Parlament das Budget 2015 mit einem prognostizierten Defizit von 130 Millionen Franken verabschiedet.

Vor diesem Hintergrund seien die Mehrausgaben für ein neues Kulturprojekt nicht zu verantworten, fanden die Gegner – zumal es sie auch inhaltlich nicht überzeugte: Als «begehbare App» verspottete Samuel Dubno (GLP) das Vorhaben.

Anders sieht es der Zürcher Stadtrat – und mit ihm ein Komitee, dem nebst Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) auch ihre Vorgänger Elmar Ledergerber, Josef Estermann (beide SP) und Thomas Wagner (FDP) angehören: «In ‹Zürich im Landesmuseum› sollen Stadt und Kanton Zürich nicht nur erklärt, sondern erlebt und erforscht werden können», heisst es in der Abstimmungszeitung.

Drei Räume im Landesmuseum

Konkret sollen die drei Räume mit einer Gesamtfläche von 330 Quadratmetern wie folgt gestaltet werden: Im ersten Raum ist ein «poetisches Porträt der Stadt und des Kantons» in Form einer Video- und Toninstallation geplant. Es soll «typische, schöne und überraschende Seiten Zürichs» zeigen, untermalt mit charakteristischen Geräuschen, so das Konzept.

Auch Klassiker des Zürcher Liedguts wie Zarli Carigiets «Miis Dach isch de Himmel vo Züri» oder Stephan Eichers «Les filles du Limmatquai» könnten zu hören sein.

Blickfang im zweiten Raum soll ein grosses, interaktives Kantonsmodell werden. Besuchende können an dem mit Bildschirmen ergänzten Reliefmodell einzelne Themen auswählen, deren historische Entwicklung ihnen sodann anschaulich präsentiert wird.

So lässt sich unter dem Stichwort «Verkehr» etwa die Entwicklung des Zürcher Strassennetzes von der Römerzeit bis heute nachvollziehen, zudem jene der Bahninfrastruktur und des Flugverkehrs.

Im gleichen Raum werden Geschichten erzählt über für Zürich prägende Figuren, von Ulrich Zwingli über Alfred Escher bis hin zu Max Frisch und Udo Jürgens.

Der dritte Raum bietet Präsentationen zu den Themen «Identität», «Wirtschaft und Produktion», «Einfluss und Macht», «Werte», «Bildung», «Baukultur» und «Alltag». Im Zentrum steht dabei die Zürcher Geschichte der letzten 200 Jahre, doch auch ältere Epochen werden berücksichtigt.

Entwickelt wurde das Konzept von den erfahrenen Ausstellungsmachern Martin Rohr und Claudia Schmauder in Zusammenarbeit mit den Historikern Jacqueline Häusler und Ruedi Weidmann.

Es soll auch dazu anregen, bestehende kulturhistorische Angebote und Originalschauplätze der Geschichte im Kanton Zürich zu besuchen, wie es weiter in der Abstimmungszeitung heisst.

Mit dem Standort im Landesmuseum liessen sich wertvolle Synergien nutzen, betont der Stadtrat. Die Kosten für das Projekt schlügen denn auch nicht nur in der Zürcher Stadtkasse zu Buche: Der Anteil des Schweizerischen Nationalmuseums an den Betriebskosten beliefe sich auf jährlich 300 000 Franken.

Gleichviel würde auch der Kanton jedes Jahr beisteuern. Der Regierungsrat hat bereits 360 000 Franken für die Projektierungskosten bewilligt. Über einen weiteren Beitrag in Höhe von 2,1 Millionen Franken will der Kanton nach der Stadtzürcher Abstimmung entscheiden.

Die Eröffnung von «Zürich im Landesmuseum» war ursprünglich gleichzeitig mit der Einweihung des Landesmuseums-Erweiterungsbaus im Jahr 2016 geplant. Wegen des Referendums wird die Dauerausstellung nun jedoch erst 2017 startklar sein – falls das Stadtzürcher Stimmvolk am 14. Juni nicht sein Veto einlegt.