Uni Irchel
Nach meh als 40 Jahren liegt die Bauabrechnung vor

Politische Geschäfte lassen sich in den seltensten Fällen von heute auf morgen umsetzen. Gut Ding will ja bekanntlich Weile haben.

Oliver Graf
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Die Universität Irchel: Die «Teilverlegung der Universität Zürich» an diesen Standort wurde 1971 bewilligt. Jetzt erfolgt ein Schlussstrich.

Die Universität Irchel: Die «Teilverlegung der Universität Zürich» an diesen Standort wurde 1971 bewilligt. Jetzt erfolgt ein Schlussstrich.

Limmattaler Zeitung

Dass aber eine Vorlage wie der nun vorliegende Antrag 5245 des Zürcher Regierungsrats gleich eine Zeitspanne von mehr als vier Jahrzehnten umfasst, kommt aber doch eher selten vor.

Die Vorlage heisst nüchtern «Beschluss über die Bewilligung der Kreditabrechnung zum Gesamtkredit gemäss dem Gesetz über die Teilverlegung der Universität». Am 14. März 1971 hatten an der Urne die Zürcherinnen, die da auf kantonaler Ebene bereits seit einem Jahr mitstimmen durften, und die Zürcher einen Rahmenkredit von 600 Millionen Franken bewilligt.

In mehreren Etappen sollte auf dem «Strickhof-Gelände» am Zürichberg eine Dependance der Universität Zürich errichtet werden: Denn laut der Schweizerischen Bauzeitung vom Februar 1967 «stellte der nach Kriegsende einsetzende Aufschwung auf fast allen Gebieten menschlicher Tätigkeit auch an Lehre und Forschung neue Erfordernisse».

Die Verantwortlichen erwarteten eine Verdoppelung der Studentenzahlen auf 8000 bis 10 000 immatrikulierte Studenten (heute sind es über 25 000).

Von 1973 bis 1998 wurde gebaut

Der benötigte zusätzliche Raum liess sich aber bereits da nicht mehr in der Nähe des Uni-Hauptgebäudes schaffen. Das Stadtzentrum war schon verbaut, und zudem waren auch die Landpreise schon zu hoch. Deshalb fasste man für die Teilverlegung einiger Institute das Areal des heutigen Zentrums Irchel ins Auge.

Es liegt etwa drei Kilometer von der Uni entfernt und war verkehrstechnisch ideal gelegen. Die Bauzeitung wies auf die bestehende «fast geradlinige, mit dem Tram belegte Verbindung» hin und erwähnte auch den «günstigen Anschluss an den geplanten Milchbucktunnel».

Die Experten der Bauzeitung begrüssten deshalb das Projekt. Kritik an der Vorlage, die immer wieder aufkam, wiesen sie zurück: Denn dieser Kritik «kann – soweit sie nicht gerade absurd ist – mit guten Gegenargumenten begegnet werden». Die Stimmberechtigten hiessen den Rahmenkredit 1971 an der Urne denn auch gut.

Schon 1973 fuhren die ersten Bagger auf, 1978 konnte die erste Bauetappe im Zentrum Irchel abgeschlossen werden. Die vierte und innerhalb des Rahmenkredites letzte Etappe wurde im Oktober 1998 beendet (inzwischen sind neue Ausbauten geplant).

Es brauchte viele Abklärungen

Die letzten Zahlungen zulasten des Teilkredites für die vierte Bauetappe wurden gemäss Regierungsrat im Jahr 2003 vorgenommen. Und jetzt, 2016, liegt auch die Bauabrechnung vor. «Die lange Bauzeit, der mehrfache Wechsel der Zuständigkeit innerhalb der Verwaltung und Personalwechsel bei den zuständigen Sachbearbeitenden machten umfangreiche Abklärungen nötig, was die Abrechnung des Gesamtkredites verzögerte», begründet der Regierungsrat die doch lange Zeitspanne.

Aber er hält nun zum Abschluss eine gute Nachricht bereit: Der vor 45 Jahren bewilligte Rahmenkredit musste bei weitem nicht ausgeschöpft werden. Von den – teuerungsbereinigt – genehmigten 645 Millionen Franken hat die Regierung nun für den Bau des Zentrums Irchel nur 463 Millionen Franken ausgegeben.

Jede der vier Teiletappen sei günstiger als erwartet zu stehen gekommen, hält der Regierungsrat in seinem Antrag fest. Und weiter: «Zu diesen Kreditunterschreitungen wurden in den Kreditabrechnungen keine Ausführungen gemacht, weil dies damals noch nicht erforderlich war.» Aus diesem Grund können auch bei der vorliegenden Gesamtabrechnung «keine Aussagen zu den Gründen» gemacht werden.

Die Abrechnung wird nun dem Kantonsrat zur Genehmigung vorgelegt. Danach wird das kantonale Gesetz über die Teilverlegung der Universität vom 14. März 1971 wieder aufgehoben.