Alte Dame
Nach langer Renovation: Gasthaus auf Insel Ufenau zeigt sich in neuem Glanz

Während 18 Monaten wurde das Gasthaus auf der Insel Ufenau umfassend restauriert. Aber die Spuren von 300 Jahren bleiben sichtbar. Auch die verschiedenen Epochen der Bautätigkeit auf der Insel werden betont.

Olivia Tjon-A-Meeuw
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Das barocke Gasthaus zu den zwei Raben, der Anbau aus den 1930er-Jahren und der moderne Grill aus Messing.

Das barocke Gasthaus zu den zwei Raben, der Anbau aus den 1930er-Jahren und der moderne Grill aus Messing.

Frank Roskothen

Das Gasthaus zu den zwei Raben ist mit 337 Jahren eine alte Dame. Einst ein Pächterhaus, wird im barocken Bau seit 1831 die Gastfreundschaft gepflegt. Doch in den letzten Jahren konnte sich der Restaurantbetrieb nicht von der besten Seite zeigen. Die Technik war veraltet, das Haus zeigte Spuren seines hohen Alters. Ein behelfsmässiges Zelt für die Verpflegung der Gäste verschönerte das Bild nicht. Deshalb wurde das Gasthaus inklusive Anbau – beide stehen unter Denkmalschutz – nun während 18 Monaten für gut sieben Millionen Franken umfassend restauriert.

«Es ging darum, die Seele des alten Hauses wieder hervorzuholen», erklärt der Rapperswiler Architekt Frank Roskothen. Dies taten Roskothen und seine Mitstreiter, indem sie das Gebäude auf den Zustand nach der letzten grossen Restauration in den 1860er-Jahren zurückführten. Dazu gruben sie zum Beispiel die Gasträume im Untergeschoss auf die Ursprungstiefe zurück. Bei früheren Umbauten war der Boden mit einer mehreren Zentimete hohen Schicht bedeckt worden, die nun wieder abgetragen wurde. Durch das Entfernen älterer Schichten kam zum Teil Überraschendes ans Tageslicht. So etwa beim Holzfachwerk. Es sah von aussen solide aus, doch als man die Balken während der Restauration im Detail anschauen konnte, stellte sich heraus: «Eigentlich stand das Dach nur noch auf dem Putz.»

Spuren des Alters erhalten

Es war Roskothen ein Anliegen, dass die Gebäude auf der Ufenau am Ende nicht zu neu aussehen. Die Spuren des Alters sollten erhalten bleiben, etwa in den aufwendig restaurierten Holzböden und Decken im Obergeschoss.

Nicht alle Gebäude auf der Insel sind allerdings so alt wie das Gasthaus. Der Anbau etwa wurde extra für die Landesausstellung 1939 erstellt. Das Gebäude sei offensichtlich als Provisorium gedacht gewesen und dementsprechend einfach konstruiert, meint Roskothen. Dennoch findet er das Nebengebäude bedeutend, weil es eine der letzten Landi-Bauten sei. Der Anbau erhielt daher ebenfalls eine Auffrischungskur.

Obwohl die sanfte Restaurierung der Gebäude im Vordergrund stand, gibt es auf der Ufenau nun doch einige neue Gebäude: einen Technikanbau, ein WC-Gebäude und den Grill. Alle erstellt auf den Grundrissen von Vorgängergebäuden.

Mit der Grillstation hat Roskothen einen persönlichen Akzent setzen können. Gleichzeitig symbolisiert sie auch die Moderne auf der Insel, hat der Architekt sie doch in der heutigen Sprache entworfen, erklärt er. Der Grill ist ein massives Quadrat aus Messing. Nun stehen Gasthaus, Anbau und Grill nebeneinander und symbolisieren mit den drei Materialien Stein, Holz und Stahl auch drei verschiedene Epochen auf der Ufenau.

Handarbeit statt Kräne

Die massive Grillstation – sie wiegt fünf Tonnen – wurde per Helikopter auf die Insel geflogen. Überhaupt war die Logistik während des Umbaus eine Herausforderung. Alles musste per Schiff oder Helikopter auf die Insel gebracht werden. Kräne durften an der Baustelle keine eingesetzt werden, weshalb dort viel Handarbeit zum Einsatz kam.

Glücklicherweise wurden die Arbeiter während der langen Umbauzeit von einem absoluten Profi verpflegt. Beat Lötscher, einer der Pächter, hat den Fährdienst erledigt, das Mittagessen bereitgestellt oder auch mal ein Pflaster ausgehändigt. «Er war die Mutter der Baustelle», lobt Roskothen.