An die 30'000 Studierende, Doktoranden und Angestellte sind heute an der ETH Zürich tätig. Sie arbeiten im Zentrum neben der Uni, auf dem Campus Hönggerberg oder an einem der kleineren Standorte. Und immer mehr wollen an der renommierten Hochschule lehren und forschen.

In den nächsten zehn Jahren dürfte die Zahl der Mitarbeitenden und Studierenden um 10 Prozent steigen. Bis 2040 rechnet Ulrich Weidmann, Vizepräsident Personal und Ressourcen bei der ETH, mit einem zusätzlichen Flächenbedarf von 20 Prozent. «Nicht aus Selbstzweck», sagt Weidmann. «Das Wachstum ist eine Folge der Anziehungskraft, die sich die ETH dank ihrer Themen und Qualität erarbeitet hat.»

Damit sie auch künftig hochqualifizierte Studenten und Professoren gewinnt, brauche sie jedoch eine moderne Infrastruktur für innovative Unterrichtsmethoden: Flexible Räume, wo kurzerhand Platz für ein Experiment geschaffen wird, wo Roboter herumkurven oder Drucker 3D-Modelle ausspucken können. Weidmann nennt sie Spielräume, in denen Ideen zu Wirklichkeit werden.

Doch wo und wie soll die ETH wachsen? Im Zentrum neben der Uni fehlt der Platz. Und ein dritter grosser Standort kommt für die Verantwortlichen nicht infrage. Bleibt der Campus auf dem Hönggerberg.

Kritik an der Gebäudehöhe

Wie sich der Campus erweitern liesse, hat die ETH bereits mit der Testplanung im Jahr 2015 angedeutet. Nicht nach aussen zu den Quartieren Höngg und Affoltern hin will sie wachsen, sondern nach innen und in die Höhe.

Wie das aussehen könnte, wird nun immer deutlicher. Ab Samstag werden die dazu notwendige Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) und die Sonderbauvorschriften (SBV) während 60 Tagen öffentlich aufgelegt. Am kommenden Montag und Dienstag werden die Bewohner der angrenzenden Quartiere Zürich Affoltern und -Höngg informiert.

Dort ist auch die grösste Gegenwehr zu erwarten. Zwar begrüssen es die jeweiligen Quartiervereine in ihren Stellungnahmen, dass der Campus nicht Richtung Höngg und Affoltern ausgedehnt wird und die Landschaft dazwischen verschont bleibt. Schwer nachvollziehbar seien jedoch die Gebäudehöhen. Auf der Campus-Hauptachse soll eine Art Boulevard mit vier Hochhäusern entstehen. An beiden sind je eine Portalbaute mit öffentlichen Nutzungen vorgesehen. Die Projektleiterin des Masterplans, Katja Kalkstein, spricht von einer «torähnlichen Geste».

An den beiden Eingangstoren sind Terrassen vorgesehen, von denen sich auf Zürich und ins Glattal blicken lässt. Sie sollen als Bindeglieder zu den angrenzenden Quartieren funktionieren. Auf der Affoltemer Seite würden die Neubauten zwischen 50 und 80 Meter, auf der Höngger Seite zwischen 30 und 50 Meter hoch werden.

Überfüllte Busse

Ulrich Weidmann von der ETH weiss, dass Hochhäuser in Zürich ein heikles Thema sind. Doch seien die auf dem Campus geplanten Hochbauten «weder ein mediales Nachäffen noch männliches Imponiergehabe, sondern ein Bekenntnis zur Urbanität, Verdichtung und Effizienz». Mit dem Bau in die Höhe schaffe man auch Platz für Frei- und Grünräume. Diese sind in den Plänen bereits festgelegt, genauso wie die öffentlichen Erdgeschossnutzungen und die wichtigsten Fuss- und Velowege.

Mit der Erweiterung der ETH auf dem Hönggerberg befürchten die Quartiervereine aber auch ein Verkehrsproblem. Der 80er-Bus Richtung Campus ist schon heute oftmals überfüllt. 78 Prozent der Studierenden und Mitarbeitenden gelangen per öV zum Campus. Und der Anteil soll steigen. Entlastung bringt laut Ulrich Weidmann der neue Fahrplan. Bereits ab dem Herbstsemester soll die Zahl der Verbindungen erhöht werden. Einen «Befreiungsschlag mit einer Kapazitätssteigerung von 45 bis 55 Prozent» erwartet Weidmann durch den Einsatz von Doppelgelenk-Trolleybussen. Damit sei allerdings nicht vor 2020 zu rechnen.

Mehr Platz in den Bussen erhofft sich die ETH auch durch den Netzausbau der E-Bike-Verleiher von Smide und Publibike (Züri-Velo).

«Das nehmen wir in Kauf»

Aber nicht nur von den Quartiervereinen, auch von anderer Seite droht der ETH Opposition (siehe Box). Einige Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Und weil auf dem Campus die zulässige Baumasse und Gebäudehöhe überschritten wird und das Portal Höngg ausserhalb der Bauzone geplant ist, müssen die Bau- und Zonenordnung sowie die Sonderbauvorschriften angepasst werden.

Die Möglichkeit, die Vorhaben in einem Gestaltungsplan festzulegen, hat die ETH abgelehnt. «Wir wollten bewusst diesen Weg gehen, auch wenn wir dadurch im Extremfall eine Urnenabstimmung in Kauf nehmen», sagt Weidmann. «Es ist wichtig, dass wir uns der Diskussion um die Zukunft der ETH Hönggerberg stellen.»