Die Firma ist bereits gegründet: Das Unternehmen «NetData», mit einem Aktienkapital von 200 000 Franken ausgestattet, ist im Handelsregister neu eingetragen worden. Es bezweckt gemäss dieses Eintrages «das Erbringen von Informatik-Dienstleistungen, den Betrieb von Rechenzentren».

Gegründet wurde diese Firma von den Mitarbeitern der Informatikabteilung der Stadt Illnau-Effretikon. Alle drei Angestellten, welche für den gesamten Betrieb der städtischen Computersysteme zuständig sind, haben deshalb ihre Stelle auf Ende März gekündigt, wie der Stadtrat gestern mitteilte.

Die IT-Abteilung wird damit in wenigen Wochen verwaist sein. Der Wegfall des Know-hows lässt sich nicht auf die Schnelle kompensieren.

Neuer Auftrag nach Kündigung

Der Stadtrat hat nun entschieden, dass sich vorerst einmal die neue Firma um die Computersysteme kümmern soll. Das heisst: Die bald ehemaligen städtischen Angestellten, deren Firma ihren Sitz nur wenige Meter vom Stadthaus entfernt hat, werden bis Ende September weiterhin die städtischen Rechner am Laufen halten. Dies nicht mehr wie bisher im Angestellten-, sondern neu im Auftragsverhältnis auf Zeit. Diese zeitlich befristete Lösung soll kostenneutral sein, sagt der stellvertretende Stadtschreiber Marco Steiner.

Der Stadtrat will in der so gewonnenen Zeit nun grundsätzlich über die Bücher gehen: Eine Arbeitsgruppe soll prüfen, ob die Stadtverwaltung wieder eine eigene Computerabteilung aufbauen soll – oder ob die IT-Dienstleistungen definitiv von einer externen Stelle bezogen werden sollen. «Damit für diesen längerfristigen Entscheid genügend Zeit zur Verfügung steht, wurde eine Übergangslösung getroffen», hält der Stadtrat fest.

Im Fall einer langfristigen Auslagerung käme nicht automatisch die neue Firma in den Genuss des Auftrages. Die Stadt müsste diesen öffentlich ausschreiben und ein ordentliches Submissionsverfahren durchführen.

Firmengründung angedacht

Dass die gesamte IT-Abteilung der Stadt auf denselben Zeitpunkt kündigt und gemeinsam eine Firma gründet, sei «nicht zufällig», sagen Politbeobachter zurückhaltend. Seitens Stadt heisst es nur, dass die Mitarbeiter seit längerem über eine Firmengründung nachgedacht hätten. Der nun erfolgte Schritt überrasche die Stadt nicht.

Mitglieder des Parlaments zeigten sich gestern indes vom Abgang der IT-Abteilung überrascht. Hans Zimmermann, Fraktionspräsident der Grünen und Grünliberalen, spricht in einer ersten Reaktion davon, dass die Verwaltung unter einen gewissen Druck gesetzt werde, wenn alle Mitarbeiter einer Abteilung kündigen und gleich die Dienstleistungen ihrer neuen Firma anbieten. Und SVP-Fraktionspräsident Roger Schwaller zeigte sich gestern ebenfalls irritiert von den Abgängen. Dass die vorerst zeitlich befristete Auslagerung von IT-Dienstleistungen kostenneutral erfolgen könne, zweifelt er an. Die Erfahrung zeige, dass die Kosten am Ende in der Regel doch höher ausfielen. Schwaller hofft, dass der Stadtrat konkrete Zahlen vorlegen wird. An der nächsten Fraktionssitzung am 26. Februar soll die SVP-Fraktion über das Thema und eine allfällige Anfrage an den Stadtrat diskutieren.

Dass sich die IT-Abteilung selbstständig macht, stuft Hans Zimmermann nicht per se als schlecht ein: «Junge Unternehmen tun der Stadt immer gut.» Die Computerfirma könne vielleicht dank dieses Anfangauftrages der Stadt, der als Referenz diene, gut starten. «Im Gegenzug könnte die Firma der Stadt beim Preis entgegenkommen.»