Verkehrsdelikt
Nach Fahrt auf dem Pannenstreifen: Zürcher Obergericht kühlt heisse Ducati mit Busse

Gewagtes Manöver: Ein Mann fuhr mit dem Ducati-Motorrad seines Vaters auf dem Pannenstreifen an einer stockenden Kolonne vorbei, um einen Motorschaden zu verhindern. Das Zürcher Obergericht hat ihm dafür eine Busse aufgebrummt.

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Das Obergericht brummte dem Motorradfahrer eine Busse von 300 Franken auf.

Das Obergericht brummte dem Motorradfahrer eine Busse von 300 Franken auf.

Keystone

Der Vorfall ereignete sich im Sommer 2015 auf der Autobahn A1 in Richtung Bern. Der 33-Jährige gibt zu, absichtlich rund 300 bis 500 Meter auf dem Pannenstreifen an den anderen Autos vorbeigefahren zu sein.

Er macht dafür eine Notstandslage geltend: Die Temperaturanzeige seiner Ducati zeigte eine drohende Überhitzung des Motors an. Bei einer Lufttemperatur von 30°C habe die Temperatur seiner Maschine 115°C betragen. Er sei gezwungen gewesen, die Maschine zu bewegen und habe durch sein Manöver die Temperatur auf 109°C senken können.

Busse von 300 Franken

Das Bezirksgericht Bülach verurteilte den 33-Jährigen dennoch wegen einfacher Verkehrsregelverletzung durch Befahren des Pannenstreifens zu einer Busse von 300 Franken. Der ortskundige Beschuldigte hätte wissen müssen, dass es auf diesem Autobahnabschnitt häufig bis spät Abends viel Verkehr hat.

Durch eine andere Routenwahl hätte er die drohende Überhitzung gleich von Anfang an verhindern, oder dann später - als er den Stau erkannte - bei diversen Ausfahrten die Autobahn verlassen können.

Dagegen wehrte er sich vor dem Zürcher Obergericht. Der Töfffahrer machte unter anderem geltend, die Notstandslage, in der er sich befunden habe, habe er nicht selbstverschuldet herbeigeführt.

Doch auch der Gang an die nächste Instanz war vergeblich: Das Obergericht sieht zwar, dass aufgrund der drohenden Überhitzung eine unmittelbare Gefahr vorlag, sagt aber auch, dass kein rechtfertigender Notstand vorlag - und bestätigte die Busse von 300 Franken.

Ducati-Fahrer hat falsch reagiert

Eine Notstandshandlung muss stets subsidiär sein muss - es darf sich also keine andere Möglichkeit zur Rettung bieten. Genau das war hier nicht der Fall, wie aus dem kürzlich veröffentlichten Urteil hervorgeht.

Da der Mann laut eigenen Aussagen zum ersten Mal mit der Ducati des Vaters fuhr, wäre von ihm zu erwarten gewesen, dass er besonders vorsichtig fahre, so das Gericht. Er hätte deshalb, bevor die Temperatur in einen kritischen Bereich gestiegen war, einen zulässigen Nothalt auf dem Pannenstreifen machen müssen.

Gemäss Polizei waren zudem die beiden Fahrspuren Richtung Zürich auf der vierspurigen Autobahn frei: Er hätte also auch einfach die Spur wechseln können.

Befahren des Pannenstreifens nicht notwendig

Für das Gericht ist deshalb klar: Der 33-Jährige hätte "andere, legale Möglichkeiten gehabt", um die drohende Motorüberhitzung abzuwenden. "Das Befahren des Pannenstreifens war weder notwendig, noch die einzige zur Verfügung stehende Massnahme."

So schuf er durch das Fahren auf dem Pannenstreifen - auch wenn er nicht sehr schnell fuhr und jederzeit bremsbereit war - "eine weitaus grössere Gefährdung der übrigen Verkehrsteilnehmer", als wenn er auf die Spur Richtung Zürich/Innenstadt gewechselt oder den Stau schon vorher umfahren hätte.