Sicherheit
Nach Doppelmord in Pfäffikon wird Fachstelle zur Früherkennung fix

Nach zwei Versuchsjahren wird die Fachstelle für die Einschätzung von Bedrohungs- und Gefährdungssituationen im Kanton Zürich definitiv. Indirekt ist die Stelle eine Konsequenz aus einem Doppeltötungsdelikt in Pfäffikon ZH von 2011.

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Bedrohungs- und Gefährdungssituationen sollen mit der Fachstelle früh erkannt werden.

Bedrohungs- und Gefährdungssituationen sollen mit der Fachstelle früh erkannt werden.

Keystone

Geschaffen wurde die Fachstelle, weil sich Behördenmitglieder, Amtsstellen und Privatpersonen immer wieder in brenzligen Situationen befinden, deren Gefährlichkeit nicht leicht einzuschätzen ist, wie es in einer Mitteilung des Regierungsrats vom Donnerstag heisst. Gefährdungssituationen frühzeitig zu erkennen und Massnahmen zur Entschärfung beizeiten ergreifen zu können, kann aber lebenswichtig sein.

Der Start der Fachstelle war im Februar 2014. Die Anfragen übersteigen seither laut Mitteilung bei weitem die ursprünglichen Erwartungen. Beansprucht wird die Stelle von der Polizei bei Gefährdungsmeldungen und wenn es um Sofortmassnahmen geht, aber auch von den Staatsanwaltschaften etwa im Zusammenhang mit der Anordnung von Untersuchungshaft.

Die Einschätzungen der Fachleute tragen laut Regierungsrat wesentlich zu einem frühzeitigen Erkennen von Gefährdungs- und Bedrohungssituationen und damit zu geeigneten Interventionen bei. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag für Entscheide der Strafverfolgungsbehörden.

Die zweijährige Pilotphase habe gezeigt, dass die Leistungen der Fachstelle einem klaren Bedürfnis entsprechen. Der Regierungsrat hat deshalb beschlossen, die Stelle dauerhaft weiter zu führen.

Neben ihren bisherigen Aufgaben wird sie künftig auch beigezogen, wenn es um Jugendliche mit hohem Gewaltpotenzial geht. Und sie wird neu auch psychiatrische Kliniken im Umgang mit gewaltbereiten Patientinnen und Patienten unterstützen.

Weichenstellung nach Doppelmord von Pfäffikon

Die Weichen für die Einrichtung der Stelle wurden 2012 gestellt. Der Kanton stand damals unter dem Eindruck eines zweifachen Tötungsdeliktes vom Sommer zuvor. Ein Mann erschoss damals am helllichten Tag auf offener Strasse mitten in Pfäffikon ZH erst seine Frau, die ihn verlassen wollte, und anschliessend die Chefin des örtlichen Sozialamts, von der er sich ungerecht behandelt fühlte.

Nach dem Ereignis erarbeitete eine Expertenkommission Möglichkeiten, wie man Bedrohungspotenziale besser und rascher erkennen könnte, wie Jérôme Endrass vom Amt für Justizvollzug auf Anfrage sagte.

Unter Federführung der Kantonspolizei wurde ein kantonales Bedrohungsmanagement aufgebaut und es entstand der Gewaltsschutzdienst der Kantonspolizei. Zusätzlich sollte laut Endrass auch das "Forensische Know-how" einfliessen.

Direktionsübergreifend wurde deshalb die Fachstelle für Bedrohungsanalyse geschaffen, wo forensisch-psychiatrische Fachpersonen tätig sind. Beteiligt am Aufbau waren die Staatsanwaltschaft, die Kantonspolizei und die Klinik für forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich - also Justiz-, Sicherheits- und Gesundheitsdirektion.