Regine Aeppli, 2003 als zweites SP-Mitglied neben Markus Notter in den Regierungsrat gewählt und seither Vorsteherin der Bildungsdirektion, hat rundum Erstaunen ausgelöst, als sie durchblicken liess, ein Direktionswechsel sei für sie nicht ausgeschlossen. Hat sie genug von der aufreibenden Arbeit in der Bildungsdirektion und als Juristin mehr Lust auf die frei werdende Direktion der Justiz und des Innern? Regine Aeppli lässt sich nicht in die Karten gucken. Es sei der Regierungsrat, der an seiner konstituierenden Sitzung festlege, wer welche Direktion führe, gibt sie zu verstehen. So gesehen, sei alles offen.

Vor vier Jahren, nach ihrer ersten Legislatur, hat sie auf die Frage nach einem möglichen Direktionswechsel dezidiert erklärt, sie habe keine Sekunde einen Wechsel erwogen. Heute sagt sie: «Vier Jahre sind zu wenig, um all das zu tun, was man möchte. Nach acht Jahren ist ein Wechsel eine Option.» Angesprochen auf eine Bemerkung der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), es gebe täglich Momente, da sie ihre Wahl bereut habe, versichert Aeppli, das sei bei ihr nicht der Fall. «Ich gehe jeden Tag gerne an die Arbeit in der Bildungsdirektion.»
Nicht immer wie geplant

Dabei läuft durchaus nicht immer alles so, wie sie es geplant hat. Auch ihre Direktion steht unter der Fuchtel des Sparprogramms San 10, das die Regierung beschlossen hat. Abstriche werden in allen Bereichen vorgenommen, worauf sie öffentlich den verschärften Steuerwettbewerb und die kantonale Finanzpolitik kritisierte. Immerhin hat sie Sparübungen an der Volksschule abgewendet, wie sie befriedigt bemerkt.

Konfrontiert war Aeppli auch mit Lehrkräften, die immer deutlicher aufmucken. Im vergangenen November haben sie an Versammlungen darüber diskutiert, wie weit sie gehen wollen, um eine Entlastung zu erwirken, die über die von der Bildungsdirektion in Aussicht gestellten Massnahmen hinausgeht. Auch Streiks wurden in Aussicht genommen.

«Keine permanente Baustelle»

Und jetzt rumort es auch bei den Mittelschullehrern, welche über ein vierjähriges Moratorium für obligatorische Schulentwicklungsprojekte diskutieren. Sind die Lehrkräfte reformmüde geworden? Die Bildungsdirektorin bestätigt, dass das vom Volk 2005 gutgeheissene neue Volksschulgesetz den Lehrpersonen und den Schulbehörden in den letzten Jahren einiges an Veränderungen abverlangt hat. Aber dass die Schule zur permanenten Baustelle geworden sei, bestreitet sie und hält fest: «Das Haus ist gebaut. Nun geht es an die Garantiearbeiten.»

Regine Aeppli sagt, was sie tut, wenn sie nicht regiert

Regine Aeppli sagt, was sie tut, wenn sie nicht regiert

Dazu gehören Entlastungsmassnahmen, wie sie von den beteiligten Verbänden im Projekt «Belastung/Entlastung» vorgeschlagen wurden, darunter die Reduktion der Pflichtlektionen der Lehrkräfte mittels Streichung von zwei Schülerlektionen. «So etwas kann ich nicht über Nacht umsetzen», sagt sie. Für viele Vorschläge liege die Entscheidungskompetenz beim Bildungsrat, beim Regierungsrat oder beim Kantonsrat. «Das braucht Zeit.»

Auf Kraftprobe verzichtet

Sie sei sich bewusst, dass der Lehrberuf anspruchsvoller geworden sei, doch gibt sie zu bedenken, das gelte auch für andere Berufsfelder. «Die Gesellschaft hat sich verändert, dem muss die Schule Rechnung tragen, wenn sie eine Volksschule bleiben will.» Reformen seien aber immer ein Prozess, in dem später Anpassungen vorgenommen werden müssten. Neben der Volksschulreform gab es einen breiten Diskussionsprozess über die umstrittene Abschaffung der Sek C. Aeppli verzichtete auf die «Kraftprobe», wie sie sagt, und setzte stattdessen auf eine inhaltliche Neugestaltung der Sekundarstufe mit dem Fokus auf den Übertritt in die Berufsbildung.

Ausserdem wird der Unterricht in Naturwissenschaft und Technik auf allen Schulstufen verbessert und gestärkt, und ganz neu ist die Vernehmlassung für ein Musikschulgesetz gestartet worden. Die Fachhochschulen erhalten mit dem neuen Campus der Pädagogischen Hochschule hinter der Sihlpost und die Kunsthochschule mit dem Umbau des Toni-Areals ein neues Gesicht. Drei Pflöcke hat Aeppli mit der Unterstützung der Stimmberechtigten eingeschlagen: Sie sagten Ja zu einem neuen Berufsbildungsfonds, unterstützten den Beitritt des Kantons Zürich zum Harmos-Konkordat und befürworteten den Ausbau der Tagesstrukturen auch im vorschulischen Bereich.
Gegenwind

Aeppli brachte so manches Vorhaben voran, manchmal stand sie im Gegenwind. Etwa als ihr die aufmüpfigen Jungsozialisten vorwarfen, sie habe sich zu wenig dezidiert gegen höhere Studiengebühren gewehrt. Diese Kritik wirft sie nicht um, das habe sie nicht anders erwartet. Dass ihre Partei, die SP, gegenwärtig etwas im Gegenwind steht, gibt sie zu: «Gegenwind macht weise», sage ein französisches Sprichwort. Wie denn? Wer mit Widrigkeiten zu kämpfen habe, könne sich nicht zurücklehnen, sondern müsse erfinderisch agieren - und gewinne so an Stärke.