Dübendorf

Nach dem Urteil zum Innovationspark – «Man kann hier auch Grosses schaffen»

Er war ein Berufsleben lang als Raumplaner tätig: Cla Semadeni.

Er war ein Berufsleben lang als Raumplaner tätig: Cla Semadeni.

Cla Semadeni hat den geplanten Innovationspark auf dem Flugplatz Dübendorf mit einem Rekurs vorerst gestoppt. Was treibt ihn an?

Er hat wenig geschlafen in der letzten Nacht: «Ich bin seit vier Uhr morgens wach», sagt Cla Semadeni. Die weitreichenden Folgen seines Erfolgs vor Gericht beschäftigen den pensionierten Raumplaner. Tags zuvor hat das Zürcher Verwaltungsgericht den von ihm verfassten Rekurs gegen den Innovationspark Zürich gutgeheissen.

Das Grossprojekt ist nicht nur wichtig für die Region um den Flugplatz Dübendorf, auf dem es entstehen sollte. Auch ETH und Universität Zürich setzen darauf. Und es war Ausgangspunkt des 2015 gegründeten Netzwerks «Switzerland Innovation», das an fünf Orten in der Schweiz die Ansiedlung innovativer Firmen und den Austausch mit den Hochschulen vorantreiben soll. Kurz: Es geht um ein Prestigeprojekt der Standortförderung.

Doch auch dabei sollten die Regeln der Raumplanung eingehalten werden, fand Semadeni, als er mit einem ebenfalls in Dübendorf wohnenden Flugplatz-Nachbarn den Rekurs einreichte. Mit Raumplanung kennt Semadeni sich aus: Für die Städte Zug, Dübendorf und Zürich arbeitete der heute 73-Jährige in führenden Funktionen als Raumplaner. Von 1996 bis 2012 leitete der gebürtige Unterengadiner dann das Amt für Raumentwicklung des Kantons Graubünden. Dabei habe er immer auch die Entwicklungen in Dübendorf verfolgt, da seine Frau dort ihren Wohnsitz während seiner Jahre in Chur behielt.

Schon 2015, als der Regierungsrat den Gestaltungsplan-Entwurf für den Innovationspark Zürich vorlegte, fand Semadeni: So geht es nicht.  Einen ganzen neuen Stadtteil könne man nicht einfach per Gestaltungsplan in eine Landwirtschaftszone bauen. Zuerst müsse man das Land umzonen. «Doch statt den normalen Weg zu gehen, wollte der Kanton eine Abkürzung nehmen», sagt Semadeni. Nun hat das Gericht den Kanton zurückgepfiffen. Ob dieser den Fall ans Bundesgericht weiterzieht, ist weiterhin offen, wie ein Sprecher der Baudirektion gestern mitteilte.

Doch was soll nun aus Semadenis Sicht mit dem Flugplatz Dübendorf geschehen? «Ich stehe hinter jeder Lösung, bei der Dübendorf und die anderen Flugplatz-Anrainergemeinden mitbestimmen können», sagt er.

Darfs auch ein Innovationspark sein? Semadeni blickt von einem Hügel über die Landschaft: rechts die Alpen, vorne der Flugplatz, links die Agglomeration Zürich, hinten die Pfannenstiel-Hügelkette. Der Flugplatz, nach dem Rückzug der Armee eine der begehrtesten Flächen des Landes, liegt im Übergang zwischen Grossstadt und Landschaft. «Man kann auch etwas Grosses schaffen, wenn man einen Plan hat, der von der Bevölkerung getragen wird», sagt Semadeni. Das vorliegende Projekt Innovationspark mit seinen bis zu 60 Meter hohen Häusern und einer Fläche von 50 Fussballfeldern sei aber «völlig überdimensioniert, ein Fremdkörper, ein Monsterprojekt». Zudem dürfe es nicht mit einem Ausbau des Flugplatzes als Standort für die Businessfliegerei verknüpft werden.

Eine Klimainsel im
verbauten Glatttal

Hinzu kommen ökologische Bedenken: Die Artenvielfalt auf dem Flugplatz sei einmalig, und die grosse Grünfläche sei eine Klimainsel, die das zunehmend verbaute Glatttal nachts kühle. «Wenn sie das überbauen, wird es zur Hitzeinsel.» Semadenis Fazit: «Solange man keinen besseren Plan hat, schadet der jetzige Zustand niemandem.»

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