Rheinau
Nach dem Nationalratsmandat versucht Blocher sich als Hotelier

Die Musikinsel Rheinau ist eröffnet – 14 Jahre des Verlotterns sind vorbei. Im langen Flur prasselten die Auslöser der Fotokameras, als Christoph Blocher am Samstagvormittag die Räumlichkeiten seiner Musikinsel betrat.

Markus Brupbacher
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Die Einweihung der Musikinsel stiess auf grosses Interesse.

Die Einweihung der Musikinsel stiess auf grosses Interesse.

Nathalie Guinand

«Geh du voraus, ich bin nur Mieter», sagte er scherzhaft zu Regierungsrat und Baudirektor Markus Kägi bei der Eröffnung auf der Klosterinsel Rheinau. Die Stiftung Schweizer Musikinsel Rheinau hat mit dem Kanton Zürich einen 15-jährigen Mietvertrag abgeschlossen mit der Option auf weitere 15 Jahre.

Start mit 20 Millionen Franken

Blocher präsidiert die Stiftung, die er 2009 mit 20 Millionen Franken gegründet hat. Dem Kanton, der die Räume für 28,5 Millionen Franken saniert hat, bezahlt er 330 000 Franken Miete pro Jahr. Die Musikinsel ist für Profi- und Laienmusiker gedacht, die sich zurückziehen und ein paar Tage üben möchten. Mit den 16 Proberäumen, darunter zwei grosse Säle, und 63 Gästezimmern bietet das Musikhotel bis zu 130 Musizierenden Platz. Eine Nacht kostet zwischen 50 Franken im Mehrbettzimmer mit Halbpension und 135 Franken mit Vollpension im Einerzimmer.

«Es ist ein Wagnis, das wir da eingehen», sagte Blocher, als wolle er jenen den Wind aus den Segeln nehmen, die insgeheim auf sein Scheitern hoffen. Weder seine Tochter Rahel, die als Verantwortliche des Stiftungsrates für den Betrieb geradesteht, noch er hätten Erfahrung in der Führung eines Hotels. «Wir haben keine Ahnung, aber wir machen es, springen ins kalte Wasser.» Er habe als Unternehmer das ganze Leben lang Dinge gemacht, die er nicht verstanden habe. Entscheidend in einer solchen Situation sei, sich eine professionelle Kraft zu holen – wie die 60-jährige Monika Gasser, die 20 Jahre lang ein Viersternehotel geführt hat und nun die Musikinsel leitet. Sollte der Erfolg ausbleiben und das zu deckende Defizit zu hoch sein, «ist das Stiftungskapital in 10 bis 20 Jahren bei null und wir am Ende», so Blocher.

Doch der Realist ist zuversichtlich. So sei die Belegung für dieses Jahr bereits besser als geplant. Allerdings konzentrierten sich die Reservierungen noch etwas auf die Wochenenden. Bereits das letzte Wochenende sei ausgebucht gewesen. Laut Blocher waren die bisherigen Rückmeldungen sehr gut.

Im Kampf mit den Ämtern

Der frisch gebackene Hotelier bedankte sich für die Zusammenarbeit mit dem Kanton, wenn auch «über dem Ganzen die Denkmalpflege thronte». Das habe zwar zu Auflagen geführt, doch schlimmer seien die Vorschriften der Feuerpolizei gewesen. «Gegen diese war selbst die Denkmalpflege machtlos», so Blocher. Er zeigte auf die grünen Wegweiser zu den Notausgängen: «Das ist etwas vom Schrecklichsten, was ich je gesehen habe.»

Bevor am Samstagnachmittag über 1500 Besucher die Musikinsel besichtigten, waren viele Prominente zum Festakt in den Musiksaal gekommen. Martin Ebner, Roger Köppel, Norbert Neininger, Markus Somm, Matthias Ackeret, Thomas Held oder Christine Egerszegi lauschten der Musik des Carmina Quartetts zusammen mit dem Pianisten Oliver Schnyder.