Üetliberg
Nach Bundesgericht-Urteil: Hotelier ergreift Flucht nach vorne

Der Üetliberg-Hotelier Giusep Fry gesteht seine Niederlage vor Bundesgericht ein. Doch gleichzeitig dehnt er das Recht erneut für seine Anliegen aus.

Alex Rudolf
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Grosses Interesse am Plan B: Dieser sieht ein Fondue-Chalet und einen Kiosk beim Gmüetliberg vor.

Grosses Interesse am Plan B: Dieser sieht ein Fondue-Chalet und einen Kiosk beim Gmüetliberg vor.

Alex Rudolf

Giusep Fry geniesst den grossen Auftritt, dies sieht jeder der rund dreissig Medienschaffenden, die am Montag den Weg auf den Üetliberg unter die Füsse nahmen. Perfekt inszeniert stellt er sich – in seinem Restaurant, dem Corpus Delicti – der Öffentlichkeit. Vor ihm aufdrapiert ein paar Trauben und Erdbeeren, hinter ihm das sonnendurchtränkte Knonauer Amt. «Nun da alles vorbei ist, bin ich erleichtert», so der Hotelier in seinen einleitenden Worten. Und niemand will ihm dabei so recht glauben.

Vergangene Woche verkündete das Bundesgericht das Urteil im beinahe eine Dekade andauernden Streit um Bauten auf dem Zürcher Hausberg. So muss Fry den Wintergarten, sprich die Verglasung und Überdachung der Süd- und Rondo Terrasse, abreissen. Punkt. Via Medienmitteilung liess er am letzten Freitag verlauten, dass zwar ein Plan B existiere, aber trotzdem Mitarbeiter entlassen werden müssen.

Am Montag stellte sich jedoch heraus, dass keine der rund 100 Angestellten ihren Job im Fry-Imperium verlieren werden: «Es war eine emotionale erste Aussage,» so Fry. Auch sein Plan B ist weniger mondän als von den Medien erhofft. Er bestehe darin, aus dem illegalen Wintergarten eine Sonnenterrasse zu machen. «Diese kann nur bei schönem Wetter genutzt werden. So ist es halt,» sagt Fry. Weiter soll auf der Höhe des Restaurants Gmüetliberg ein Kiosk sowie ein Fondue-Chalet gebaut werden. Nur wenig Sätze aus dem Mund des Hoteliers kommen ohne beschönigende Adjektive aus. Fry kennt den Wert der Aufmerksamkeit, die ihm in den vergangenen zehn Jahren zuteil wurde.

Schuld seien die Politiker

Während Fry sich im Restaurant den Fragen der Journalisten stellt, vertrieb sich draussen auf der Bergspitze eine bunte Mischung von Besuchern die Zeit. Drei, vier Touristengruppen aus dem asiatischen Raum, ein Rentnerpaar und auffallend viele Schulklassen schwirrten zur Aussichtsplattform hinauf und hinunter. «Dass ich den Turm und die Toilette gratis zur Verfügung stelle, ist ein grosser Mehrwert für die Zürcher», so Fry. Der Üetliberg sei mit seiner Aussicht und dem Gastroangebot eines der Tourismusmagnete der Stadt, sagt er weiter und niemand im Raum will daran zweifeln. In werbespotreifer Sprache verweist Fry anschliessend auf die Angebote auf seiner Bergspitze, spricht dabei ins Mikrofon nationaler Medien.

Kennen die Üetlibergbesucher die endlose Geschichte um die illegalen Bauten, dann stehen sie – so zeigen es kurze Gespräche – in Reih und Glied hinter Fry. Natürlich müsse man geltendes Recht einhalten, aber ein Abriss sei schon gar übertrieben, so der Tenor beim wandernden Rentnerpaar. Ob die chinesischen Touristen wohl ähnlich geantwortet hätten?

Mehr Gegenwind geht jedoch von der Journalistenschar im Inneren des Gebäudes aus. Die Frage, ob es sich denn im Nachhinein gelohnt habe, keine Baubewilligung zu beantragen, wirft Fry für einen Sekundenbruchteil aus der Bahn. Eine kleinlaute Bemerkung und ein leises Hüsteln müssen als Antwort reichen.

Schuld am Ausgang der Geschichte seien die Politiker. Damit meint er namentlich den Gesamtregierungsrat, der den Gestaltungsplan mit dem Frys Bauten im Nachhinein bewilligungsfähig hätten gemacht werden sollen, zu Fall brachte. Schnell ist Giusep Fry wieder in seiner Rolle drin. Es ist diejenige des gewieften, lockern Geschäftsmannes, der sich manchmal – im vermeintlichen Dienste der Allgemeinheit – über Gesetze hinwegsetzt. Die Diskrepanz in dieser Rolle sieht er nicht.

«Silvester wird noch gefeiert»

Sind die rechtlichen Streitereien um den Üetliberg nun vorbei? Auch wenn sich Giusep Fry noch immer im Recht sehen mag, wird er den Rückbau vornehmen müssen. Dass das Schweizer Recht für ihn noch immer etwas Dehnbares ist, zeigt sich, als es um den Abbruchtermin geht. Ihm bleibt ein halbes Jahr, die Anpassungen zu vollstrecken. «Ende Januar werden wir damit beginnen», sagt er. Auf die Frage, ob dies nicht ausserhalb der Frist liege, antwortet er: «Ich kenne keine Gemeinde, die ihre Fristen nicht sechs bis acht Wochen strecken würde. Silvester werden wir sicherlich noch im Wintergarten feiern.» Ob die betroffene Gemeinde Stallikon dies zulässt, zeigt sich Ende Jahr.