Körperverletzung
Nach Brutalo-Foul an FCZ-Yapi: Happige Busse für Aaraus Wieser

Das brutale Foul des Aarauers Sandro Wieser an Gilles Yapi vom FC Zürich sorgte für einige Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Wieser zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt.

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Gilles Yapi krümmt sich vor Schmerzen auf dem Brügglifeld-Rasen, seine Karriere ist in Gefahr: Das Foul von Aarau-Profi Sandro Wieser am Ivorer könnte strafrechtliche Konsequenzen haben.
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Yapi vergibt Wieser
Sandro Wiesers Brutalo-Foul an FCZ-Spieler Gilles Yapi.
Gilles Yapi ist erfolgreich operiert worden.

Gilles Yapi krümmt sich vor Schmerzen auf dem Brügglifeld-Rasen, seine Karriere ist in Gefahr: Das Foul von Aarau-Profi Sandro Wieser am Ivorer könnte strafrechtliche Konsequenzen haben.

Anton Geisser

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat das grobe Foul des Aarauer Fussballspielers Sandro Wieser gegen den FCZ-Spieler Gilles Yapi vom 9. November 2014 als eventualvorsätzliche einfache Körperverletzung und fahrlässige schwere Körperverletzung qualifiziert.

Wieser wurde per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig. Es läuft die Einsprachefrist.

Yapi erklärte kürzlich gegenüber SRF: «Egal wann, ich werde wieder für den FCZ spielen.» Momentan befindet er sich auf dem langen Weg zurück und absolviert individuelles Training. Gegenüber Wieser hegt er keinen Groll: «Sandro ist ein guter Kollege für mich. Man weiss nie, vielleicht spielen wir ja eines Tages noch zusammen.»

Sechs Spiele Sperre

Das brutale Foul des 22-jährigen Liechtensteiners ereignete sich beim Heimspiel des FC Aarau gegen den FC Zürich am 9. November 2014. In der 18. Spielminute trat Sandro Wieser Gilles Yapi derart heftig ins rechte Knie, dass dieser mit der Bahre vom Platz getragen werden musste. Das Knie des 32-jährigen Ivorers wurde regelrecht zertrümmert: Kreuzband gerissen, genauso das Innenband; dazu ein doppelter Meniskus- und Knorpelschaden.

Der Schiedsrichter zog sofort die Rote Karte. Sandro Wieser wurde von der Swiss Football League danach für sechs Spiele gesperrt. In der Folge reichten der FC Zürich und Gilles Yapi bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Strafanzeige ein.

Foul fällt nicht unter Sportrisiko

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau argumentiert, dass in einem Mannschaftssport wie Fussball Verletzungen zum «Sportrisiko» dazugehören. Es gäbe betreffend Fouls klare Fussballregeln, die vor allem dem Schutz der Spieler dienten.

Messerwerfer verurteilt

Im gleichen Spiel wurde in der 82. Minute FCZ-Spieler Nico Elvedi an der Seitenlinie mit voller Wucht von einem harten Gegenstand getroffen: Ein zirka 11 Zentimeter langes Messer verletzte den 18-jährigen Verteidiger stark, dass er wegen einer blutenden Wunde während mehrerer Minuten gepflegt werden musste.

Auch hier reichte der FC Zürich in der Folge Strafanzeige ein – diesmal gegen unbekannt. Die Kantonspolizei Aargau konnte schliesslich einen 28-jährige Aarauer Fan ermitteln, der das Messer mit der eingefahrenen Klinge von seinem Schlüsselbund gelöst und gegen den Spieler geworfen hatte.

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verurteilte den geständigen Beschuldigten wegen einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen und einer Busse von 1900 Franken. Dieser Strafbefehl ist inzwischen rechtskräftig. (edi)

Wenn ein Spieler diesen Schutz absichtlich oder in grober Weise missachte, dann dürfe man aber nicht mehr von einer stillschweigenden Einwilligung in das Sportrisiko ausgehen.

Einige wenige Beispiele aus den letzten 30 Jahren haben gezeigt, dass wirklich nur die schwersten Fouls strafrechtliche Konsequenzen haben. Dazu gehört aus Sicht der Staatsanwaltschaft auch das Foul von Sandro Wieser: Die Aktion sei subjektiv betrachtet zumindest eine in Kauf genommene (eventualvorsätzliche) einfache Körperverletzung.

Dass Wieser bewusst eine schwere Körperverletzung wollte, lasse sich nicht ableiten, schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Mitteilung am Mittwochmorgen. (edi)