Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat das grobe Foul des Aarauer Fussballspielers Sandro Wieser gegen den FCZ-Spieler Gilles Yapi vom 9. November 2014 als eventualvorsätzliche einfache Körperverletzung und fahrlässige schwere Körperverletzung qualifiziert.

Wieser wurde per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig. Es läuft die Einsprachefrist. 

Yapi erklärte kürzlich gegenüber SRF: «Egal wann, ich werde wieder für den FCZ spielen.» Momentan befindet er sich auf dem langen Weg zurück und absolviert individuelles Training. Gegenüber Wieser hegt er keinen Groll: «Sandro ist ein guter Kollege für mich. Man weiss nie, vielleicht spielen wir ja eines Tages noch zusammen.»

Nach der Verletzungs-Diagnose bei Gilles Yapi: «Es ist ziemlich alles kaputt», sagt FCZ-Präsident Canepa.

Gilles Yapi am Montag nach der Verletzungs-Diagnose

Sechs Spiele Sperre

Das brutale Foul des 22-jährigen Liechtensteiners ereignete sich beim Heimspiel des FC Aarau gegen den FC Zürich am 9. November 2014.  In der 18. Spielminute trat Sandro Wieser Gilles Yapi derart heftig ins rechte Knie, dass dieser mit der Bahre vom Platz getragen werden musste. Das Knie des 32-jährigen Ivorers wurde regelrecht zertrümmert: Kreuzband gerissen, genauso das Innenband; dazu ein doppelter Meniskus- und Knorpelschaden.

Nur für Hartgesottene: Das Brutalo-Foul von Wieser im Video

Nur für Hartgesottene: Das Brutalo-Foul von Wieser im Video

Der Schiedsrichter zog sofort die Rote Karte. Sandro Wieser wurde von der Swiss Football League danach für sechs Spiele gesperrt. In der Folge reichten der FC Zürich und Gilles Yapi bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Strafanzeige ein.

«Es tut mir sehr, sehr leid»: Sandro Wieser spricht erstmals über sein Foul gegen Yapi.

Sandro Wieser über sein Foul gegen Yapi.

Foul fällt nicht unter Sportrisiko

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau argumentiert, dass in einem Mannschaftssport wie Fussball Verletzungen zum «Sportrisiko» dazugehören. Es gäbe betreffend Fouls klare Fussballregeln, die vor allem dem Schutz der Spieler dienten. 

Wenn ein Spieler diesen Schutz absichtlich oder in grober Weise missachte, dann dürfe man aber nicht mehr von einer stillschweigenden Einwilligung in das Sportrisiko ausgehen.

Einige wenige Beispiele aus den letzten 30 Jahren haben gezeigt, dass wirklich nur die schwersten Fouls strafrechtliche Konsequenzen haben. Dazu gehört aus Sicht der Staatsanwaltschaft auch das Foul von Sandro Wieser: Die Aktion sei subjektiv betrachtet zumindest eine in Kauf genommene (eventualvorsätzliche) einfache Körperverletzung. 

Dass Wieser bewusst eine schwere Körperverletzung wollte, lasse sich nicht ableiten, schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Mitteilung am Mittwochmorgen. (edi)