Mode
Nach Auftritt an Mailänder Modewoche will Julian Zigerli die Schweiz erobern

Giorgio Armani hat das Talent des Designers bereits entdeckt – nun soll die Heimat folgen. Als erster Schweizer Männermode-Designer durfte Julian Zigerli seine neue Kollektion an der Mailänder Modewoche über den Laufsteg schicken.

Sophie Rüesch
Drucken
Teilen
Bald kann man seine Kleider auch im Globus kaufen: Julian Zigerli, hier in seinem Atelier im Zürcher Kreis 4.

Bald kann man seine Kleider auch im Globus kaufen: Julian Zigerli, hier in seinem Atelier im Zürcher Kreis 4.

Sophie Rüesch

Es herrscht Unordnung im kleinen Atelier im Zürcher Kreis 4. Julian Zigerli ist gerade erst von einem Fashion-Week-Marathon zurückgekehrt, der ihn innert eineinhalb Wochen nach Mailand, Berlin und Paris führte. Heute geht es weiter nach Südafrika – «dieses Mal nur in die Ferien», sagt Zigerli und lacht.

Mit seinen zarten 29 Jahren hat der Modedesigner schon viel erreicht. Man würde es ihm nicht anmerken beim Besuch im Atelier, Zigerli ist keiner, der mit Preisen und Zahlen um sich wirft. Lieber erzählt er die Geschichte seiner jungen Karriere als Aneinanderreihung von glücklichen Zufällen: Während eines Praktikums beim Zürcher Label «Redroom» entdeckte er seine Liebe zur Mode; darauf wurde er an die Berliner Universität der Künste aufgenommen; und mit viel Talent und Ehrgeiz schaffte er eine Abschlusskollektion, die so gut war, dass sich daraus die erste Kollektion für das eigene Label weiterentwickeln liess.

Dem Modedesigner wurde die Ehre zu Teil, seine neue Kollektion auf dem Mailänder Laufsteg zu präsentieren.
7 Bilder
Eingeladen wurde Zigerli von keinem geringeren als Giorgio Armani.
Hat sich zu Zigerlis Markenzeichen entwickelt: der Jackpack, eine hybride Oberkörperbekleidung, bei der Jacke oder Pelerine mit einer Art Rucksack verschmilzt.
Seine Mode lebt von farbenfroh bedruckten Stoffen und einer unaufgeregten Funktionalität.
Hierzulande sind seine Kreationen bisher erst im Zürcher Pop-Up-Store «Temporär Kalk» oder online erhältlich.
Schon ab Februar wird man auch im Globus seine Stücke kaufen können.
«Die Leute sollen sich in meinen Kleidern wohlfühlen, sich darin bewegen können, und trotzdem das Gefühl haben, sie tragen etwas Wertvolles»

Dem Modedesigner wurde die Ehre zu Teil, seine neue Kollektion auf dem Mailänder Laufsteg zu präsentieren.

Jonas Hegi

Lieber einer von wenigen

Eher zufällig landete er auch in Zürich. Nach dem Abschluss in Berlin kam der gebürtige Ustermer eigentlich nur zurück in die Schweiz, um etwas Geld zu verdienen. Während einer Anstellung am Theater Neumarkt merkte er aber, dass es ihm hier so wohl war, dass er sich kurzerhand entschied, zu bleiben. «Will ich in Berlin einer von vielen sein oder in Zürich einer von wenigen?», habe er sich damals gefragt. Er wollte lieber einer von wenigen sein.

Einfach war es aber auch als solcher nicht, ein eigenes Label aufzubauen. Den Schritt in die Selbstständigkeit konnte er sich selbst nicht leisten; noch heute ist er finanziell nicht unabhängig. Doch steigende Absatzzahlen stimmen Zigerli zuversichtlich, dass er es schafft, bald schwarze Zahlen zu schreiben. «Wenn das Geschäft innert fünf Jahren nicht rentiert, höre ich auf», sagt er. Man glaubt es ihm keine Sekunde – zu leidenschaftlich spricht er von Stoffen und Schnitten, von Modeschauen und den Feiern danach.

Helfen dürfte Zigerli eine weitere glückliche Wendung, die ihm gerade eben eine Ehre verschaffte, die noch keinem Schweizer Männermode-Designer je zukam: Er durfte seine Herbst/Winter-Kollektion 2014/15 an der Mailänder Modewoche über den Laufsteg schicken. Geholt hatte ihn kein Geringerer als Giorgio Armani: Sich um das verstaubte Image der Mailänder Fashion Week sorgend, beschloss der Modepapst letztes Jahr, jede Saison ein Nachwuchstalent einzuladen, das unter seinem Patronat etwas frischen Wind in die italienische Modehauptstadt bringen soll. Auf Zigerli stiess Armani in einer Ausgabe der Vogue; die lauten Designs des Schweizer Modemachers schienen ihm bestens geeignet für seinen Versuch, Mailand einen jüngeren Stempel aufzudrücken.

Jugendliche Unbekümmertheit

Und tatsächlich verkörpern Zigerlis Stücke eine Leichtigkeit und Unbekümmertheit, die man gern der Jugend zuschreibt. Seine Mode lebt von farbenfroh bedruckten Stoffen und einer unaufgeregten Funktionalität. Tragbar sind sie, Zigerlis Stücke. Praktisch auch, was in der Mode zwar häufiger Schimpfwort als Kompliment ist. Doch Zigerlis Mode schafft den Spagat zwischen Design und Zweckmässigkeit mühelos. «Die Leute sollen sich in meinen Kleidern wohlfühlen, sich darin bewegen können, und trotzdem das Gefühl haben, sie tragen etwas Wertvolles», sagt er selbst.

Zu Zigerlis Markenzeichen wurden die sogenannten Jackpacks: hybride Oberkörperbekleidungen, bei denen Jacke oder Pelerine mit einer Art Rucksack verschmelzen. Sie wirken frisch und trotzdem elegant; und sie versprechen einer kopflosen, rastlosen Generation, nie wieder einer liegengelassenen Tasche hinterherrennen zu müssen. Dass die Kleider, von denen viele aus Sporttextilien wie Softshell gefertigt sind, nicht wie die Schweizer Olympia-Kollektion daherkommen, sorgen nicht nur die sauberen Schnitte, sondern auch die augenfälligen Drucke, die Zigerli entweder selbst oder in Kollaboration mit anderen Künstlern entwickelt.

Vielleicht dieser Prints wegen ist Zigerli in Asien so beliebt. Noch verzeichnet er in den Geschäften in Tokio, Peking, Singapur und Seoul den grössten Absatz. Durch die Aufmerksamkeit, die ihm das Gastspiel im Hause Armani bescherte, hofft Zigerli, nun auch im inländischen Markt besser Fuss zu fassen. Heute sind seine Kleider hierzulande erst im Zürcher Pop-Up-Store «Temporär Kalk» oder online erhältlich. Der Auftritt in Mailand hat aber bereits gefruchtet: Schon im Februar wird man auch im Globus seine Stücke kaufen können.

Aktuelle Nachrichten