Zürich
Nach 20 Jahren kommt bekommt Bellerivestrasse einen Fussgängerstreifen

Den Umweg zum nächsten Fussgängerstreifen wollen viele Badegäste auf dem Weg zum Strandbad Tiefenbrunnen vermeiden. Sie nehmen den Schleichweg über die vierspurige und stark befahrene Bellerivestrasse. Nun soll dort ein Fussgängerstreifen hin.

Thomas Schraner
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Beliebte, aber gefährliche Abkürzung über die Bellerivestrasse im Seefeld. Die Stadt plant einen Fussgängerstreifen.

Beliebte, aber gefährliche Abkürzung über die Bellerivestrasse im Seefeld. Die Stadt plant einen Fussgängerstreifen.

Moritz Hager

An heissen Sommertagen wiederholt sich die Szene täglich dutzendfach: Um sich mühsame Umwege zu ersparen, überqueren Fussgänger auf dem Weg ins Strandbad Tiefenbrunnen die stark befahrene Bellerivestrasse an gefährlichen Stellen entlang der Badi. Nicht selten bepackt mit Badetaschen und unterwegs mit Flip-Flops, riskieren sie dabei Kopf und Kragen auf der vierspurigen Kantonsstrasse.

Das Phänomen ist der Stadt seit über 20 Jahren bekannt. Wirksame Gegenmassnahmen gab es trotzdem nie. Zuletzt versuchte die Stadt, den Durchgang mit einer Hecke und einem Drahtzaun zu versperren. Doch die Fussgänger schafften es immer wieder, ihren Schleichweg zurückzuerobern. Sie rissen Löcher in die Hecke und traten den Zaun nieder. Sie sparen sich damit den fünfminütigen Umweg über einen der beiden bestehenden Fussgängerstreifen. Der eine befindet auf der Höhe der Porsche-Garage, wo die Bellerive- in die Dufourstrasse abzweigt, der andere bei der Einmündung der Seefeldstrasse. Beide liegen rund 300 Meter voneinander entfernt. Von einem zusätzlichen Zebrastreifen mit Signal wollten die Behörden bisher nichts wissen. Grund: Es sei zu komplex, eine grüne Welle darauf abzustimmen.

Alte Forderung des Quartiers

Doch nun ist die Stadt offenbar gewillt, die alte Forderung aus dem Quartier zu erfüllen: Auf der Höhe der Nebelbachstrasse plant sie einen zusätzlichen Fussgängerstreifen samt Lichtsignalanlage, wie Heiko Ciceri, Kommunikationsverantwortlicher der Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr, auf Anfrage sagte. Realisiert werde das Vorhaben zusammen mit der anstehenden Sanierung der Bellerivestrasse, die gemäss heutigem Stand frühestens im Sommer 2017 in Angriff genommen wird und rund zwei Jahre dauern soll. Auf einen Termin für die Fertigstellung des Streifens wollen sich die Verantwortlichen nicht festlegen.

Weil die Bellerivestrasse eine Kantonsstrasse ist, braucht das Projekt den Segen des Regierungsrates. Beim zuständigen Amt für Verkehr (AFV) von Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) ist die Sache offenbar gut unterwegs. «Das AFV hat dem Vorhaben aus fachlicher Sicht zugestimmt», sagt Sprecher Erich Wenzinger. Allerdings müsse die neue Lichtsignalanlage so eingestellt sein, dass sie auf die anderen Anlagen auf der Bellerivestrasse abgestimmt sei. Bei Tempo 50 müsse ein durchgehender Verkehrsfluss gewährleistet werden können. Die Stadt müsse noch den Nachweis erbringen, dass es keinen Rückstau gebe. Die fachliche Zustimmung des AFV bedeute nur, dass es die Fachleute für möglich halten, diesen Nachweis zu erbringen.

Die vorsichtige Formulierung kommt nicht von ungefähr: Stadt und Kanton lagen sich letztes Jahr wegen des geplanten Spurabbaus am Utoquai in den Haaren. Stadträtin Ruth Genner (Grüne) hielt ihn für mehr oder weniger beschlossen, weil ihn das AFV als machbar beurteilt hatte. Trotzdem verweigerte die Regierung am Ende die Zustimmung.

Suboptimale Stelle?

Urs Frey, Präsident des Quartiervereins Riesbach, begrüsst die Pläne, im fraglichen Bereich einen Zebrastreifen samt Signalanlage zu bauen. Suboptimal sei aber der Standort auf der Höhe der Nebelbachstrasse. Die Bellerivestrasse, so Frey, werde am häufigsten auf der Höhe der Horneggstrasse bei der Shell-Tankstelle überquert. Im dortigen Laden deckten sich die Leute jeweils mit Essen und Trinken ein, bevor sie in die Badi gingen oder sich irgendwo am Seeufer niederliessen.

Obwohl die Bellerivestrasse vor allem im Sommer ausgesprochen häufig an gefährlichen Stellen überquert wird, ist der fragliche Abschnitt kein Unfallschwerpunkt. Laut Ciceri hat sich dort in den letzten 10 Jahren kein einziger Unfall ereignet. Seine Erklärung: «Die Leute passen eben besser auf, wenn es gefährlich ist.»