Stoisch nahm die 45-Jährige das Urteil entgegen. Sie hatte einen Freispruch gefordert, doch die Richter glaubten ihr nicht. Fünf Jahre Gefängnis lautet das Verdikt, ein Jahr weniger, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Verurteilt wurde die Frau in Meilen wegen gewerbsmässigen Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung. Innert fast sieben Jahren hat sie ihren Chef und dessen Firma um 5,1 Millionen Franken erleichtert. Dies durch Überweisungen und Kredikartenbezüge. Die Beschuldigte hatte stets behauptet, dass die Zahlungen freiwillig erfolgt waren. Sie habe sich in eine Abhängigkeit begeben, der greise Chef habe für die Schenkungen sexuelle Gegenleistungen erwartet.

Diese Version nahmen die Richter der ehemaligen Sekretärin aber nicht ab. Vielmehr habe sie schamlos die Lage ausgenutzt, um einen unangemessen aufwendigen Lebensstil zu geniessen. Die sexuellen Gefälligkeiten seien von ihr ausgegangen, urteilten die Richter. Das Geld hat die Frau zur Zahlung ihrer Rechnungen wie etwa Versicherungsprämien oder zum Kauf von Autos gebraucht. Zudem hat sie eine Kindertagesstätte aufgebaut, wo sie zeitweise bis zu 30 Angestellte beschäftigte. Dass die Millionenbeträge Schenkungen des fürsorglichen Chefs gewesen sein sollen, glaubten die Richter nicht. Die Beschuldigte habe nicht glaubhaft darlegen können, wieso es zu dermassen vielen Schenkungen gekommen sein soll. Der hohe Betrag und die über hundert Einzeltaten wiesen auf eine erhebliche kriminelle Energie hin, so der Gerichtspräsident.

Vorerst auf freiem Fuss

Illusorisch ist wohl, dass die Beschuldigte das Geld je zurückzahlen wird. Zwar wurde sie zu einer Schadenersatzzahlung an den Geschädigten und die Nachfolgefirma seines Unternehmens verurteilt. Doch dass die inzwischen mittellose Frau die über 5 Millionen Franken irgendwann aufbringen wird, ist nicht anzunehmen. Erspart blieb der 45-jährigen Mutter zumindest der sofortige Transfer ins Gefängnis. Den Antrag auf Sicherheitshaft lehnten die Meilemer Richter ab, da keine Fluchtgefahr bestehe. Zwar hat die Frau Wurzeln in Italien, doch ihr soziales Umfeld liege in der Schweiz.

Das letzte Wort in diesem Fall dürfte angesichts des von der Beschuldigten gewünschten Freispruchs kaum gesprochen sein. Das Urteil kann noch ans Obergericht weitergezogen werden.