Corona
Mutiertes Virus zwingt Schülerinnen und Schüler vermehrt in Quarantäne

Die Fallzahlen mit mutierten Coronaviren verdoppeln sich derzeit wöchentlich. Wegen der verschärften Quarantäneregeln wird dadurch der Schulunterricht zunehmend eingeschränkt. Am Mittwoch will die Zürcher Bildungsdirektorin und EDK-Präsidentin Silva Steiner sagen, wie es mit den Schulen weitergehen soll.

Matthias Scharrer
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Ob und wie weit die Schulen offen bleiben, dürfte sich am Mittwoch klären. (Archivbild)

Ob und wie weit die Schulen offen bleiben, dürfte sich am Mittwoch klären. (Archivbild)

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Führt das mutierte Coronavirus bald zu weiteren Einschränkungen des Schulunterrichts? Filippo Leutenegger hat Eltern schon mal vorgewarnt: «Sollte sich die Lage verschärfen, könnte eine Reduktion der Präsenz auf der Sekundarstufe eine Entlastung bringen. Diese Option wird derzeit geprüft», schrieb der FDP-Stadtrat letzten Freitag den Stadtzürcher Erziehungsberechtigten.
Gleichentags liefen bei der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) die Drähte heiss. Der Bundesrat wünschte von der EDK Auskunft betreffend Massnahmen zur Verhinderung von Ansteckungen in Schulen sowie mögliche Alternativen zu einem Verbot von Präsenzunterricht.
Die EDK hat dem Bundesrat nun eine Antwort zukommen lassen. Darin zeigt sie auf, welche Massnahmen die Kantone zum Schutz der Schülerinnen und Schüler, der Jugendlichen und der Lehrpersonen anwenden – und welche Alternativen zu einem vollständigen Verbot des Präsenzunterrichts bestehen. Sobald der Bundesrat Kenntnis von der Antwort genommen hat, wird die EDK kommunizieren. Dies dürfte gemäss Fahrplan des Bundesrats voraussichtlich am Mittwoch der Fall sein. Dann werde auch die Zürcher Bildungsdirektorin und EDK-Präsidentin Silvia Steiner dazu Stellung nehmen, sagte ein Sprecher der Bildungsdirektion auf Anfrage.

Zwiespältige Entwicklung der Fallzahlen

Doch wie entwickelt sich die Lage? Das Bild ist zwiespältig. Gesamthaft sanken die von der Gesundheitsdirektion erfassten Infektionszahlen bei den Schülerinnen und Schülern im Kanton Zürich zuletzt. Ins Gewicht fällt dabei vor allem der seit Ende der Weihnachtsferien feststellbare Rückgang bei den 12- bis 19-Jährigen. Sie machen den Grossteil der positiv auf Corona getesteten Kinder und Jugendlichen aus. Die deutlich tiefere Zahl der Corona-positiven Primarschulkindern stieg gleichzeitig minim an.
Insgesamt werden im aktuellen 7-Tages-Mittelwert kantonsweit täglich rund 50 unter 19-Jährige positiv getestet, wobei die Kinder im Vorschulalter an einer Hand abzuzählen sind.
Die schlechtere Nachricht lautet: Infektionen mit den mutierten Cornaviren, die als deutlich ansteckender gelten, nehmen laut einem Sprecher der Gesundheitsdirektion rasant zu. Ihre Fallzahlen würden sich derzeit jede Woche verdoppeln.

An der Stadtzürcher Volksschule wurde zwar bis anhin noch keine Infektion mit dem mutierten Virus festgestellt. Dennoch müssen vermehrt Quarantänemassnahmen angeordnet werden, wie ein Sprecher des Stadtzürcher Schul- und Sportdepartements sagte. Denn beim mutierten Virus sind die Quarantänevorschriften schärfer: Es müssen nicht nur Kontaktpersonen, die mutmasslich Kontakt mit einer infizierten Person hatten, in Quarantäne, sondern auch Kontaktpersonen der Kontaktpersonen.

Dies führte beispielsweise dazu, dass in einem Stadtzürcher Schulhaus gleich sechs Klassen in Quarantäne mussten, obwohl noch keine konkrete Infektion mit der mutierten Variante nachgewiesen wurde, wie Leuteneggers Sprecher weiter ausführt. In verschiedenen anderen Schulhäusern mussten jeweils ein bis zwei Klassen in Quarantäne.

Kantonsweit befand sich gemäss Angaben der Gesundheitsdirektion am Dienstag eine einstellige Anzahl Schulklassen in Quarantäne. Am Abend waren es laut «Tages-Anzeiger» bereits rund 50 Klassen. «Es ist nicht auszuschliessen, dass die Fälle durch die mutierten Versionen des Coronavirus und die damit einhergehenden strengeren Quarantäneregeln zunehmen werden», sagte Myriam Ziegler, Chefin des kantonalen Volksschulamts, auf Anfrage.

Klassen- oder schulhausweise Fernunterricht

Doch ab welchem Punkt kommt es zu Schulschliessungen? «Nach wie vor herrscht Einigkeit darüber, dass die Umstellung auf Fernunterricht auf der Volksschulstufe nach Möglichkeit vermieden werden soll», erklärte Ziegler. Und fügte an: «Die strengeren Quarantänebestimmungen im Zusammenhang mit den mutierten Coronaviren können aber in Einzelfällen dazu führen, dass eine Umstellung auf Fernunterricht klassen- oder schulhausweise verordnet werden muss.»

Darüber entscheide das Contact Tracing des Kantons in Absprache mit dem Volksschulamt, so die Amtschefin weiter. Und: «Eine generelle Umstellung auf Fernunterricht müsste in Einklang mit Entscheiden auf Bundesebene verordnet werden.»