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Müssen Zürcher Bus- und Tram-Passagiere sich bald wärmer anziehen?

In Winterthur sollen die Busse im Winter künftig weniger geheizt werden. Die Zürcher Verkehrsbetriebe halten davon nichts. Und auch Grünliberalen, die in Winterthur hinter der Tmperatursenkung stehen, orten in Zürich keinen Handlungsbedarf.

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In Trams und Bussen der VBZ soll nicht weniger geheizt werden.

In Trams und Bussen der VBZ soll nicht weniger geheizt werden.

Keystone

Die finanziell gebeutelte Stadt Winterthur will ihre Stadtbusse künftig im Winter etwas weniger stark heizen. Man prüfe eine Reduktion der Temperatur um ein bis zwei Grad, schreibt der Stadtrat als Antwort auf eine schriftliche Anfrage der GLP-Gemeinderätin Silvia Gygax-Müller.

Heute beträgt die Temperatur in einem Winterthurer Bus konstant 22 bis 23 Grad Celsius. Effiktiv sind es etwa 20 Grad, weil das stetige Öffnen der Türen für die Temperatur senkt.

20 Grad in Zürich

Macht das Winterthurer Modell bald Schule? In Zürich sind Temperatursenkungen kein Thema. In den Trams und Bussen der VBZ ist es im Winter 20 Grad warm. Und im Sommer wird klimatisiert. Dabei soll es bleiben, wie VBZ-Sprecher Andreas Uhl sagt.

Und auch politisch gibt es- im Gegensatz zu Winterthur - keine Vorstösse. GLP-Co-Präsident Martin Luchsinger lacht spontan, als er mit der Frage konfrontiert wird. «Es gibt in der Partei keinen derartigen Überlegungen», sagt er. Dass man die Temperaturen im öffentlichen Bereich zum Thema macht, findet er aber richtig, «gerade im Hinblick auf die 2000 Watt-Gesellschaft», so Luchsinger.

Spareffekt nur bei starker Reduzierung

Umstritten ist, was die eine Temperaturabsenkung überhaupt bringt. Der Winterthurer Stadtrat schreibt, dass die CO2-Bilanz dadurch kaum verbessert wird. Denn zur Heizung der Busse werde schon heute Abwärme genutzt. Sparen lasse sich folglich auch kaum was.

Anders sieht das VBZ-Uhl. Wenn man die Temperatur auf 15 Grad absenken würde, wie das GLP-Frau Gygax verlangt, könnte man Energie sparen, sagt Uhl. Senkt man die Temperatur nur um ein Grad, ist der Spareffekt gering. Im Massnahmenplan Energie, mit den VBZ nach Energiespar-Potenzial suchen, kommt das Thema Heizung denn auch gar nicht vor.

Gygax will dranbleiben

Gygax will aber nicht locker lassen. «Ich werde am Ball bleiben», verspricht sie auf Anfrage. Denn sie kommt bei solchen Temperaturen weiter ins Schwitzen. Vor allem wenn man eine warme Jacke trage, werde es schnell unangenehm heiss, erklärt sie.

Temperatur runter auf «angenehme 15 Grad», fordert sie daher. Dem Winterthurer Stadtrat ist dies definitiv viel zu kalt. Gygax empfiehlt den Selbstversuch: «Heute haben wir draussen 12 Grad. Frieren Sie da mit einer Jacke?», fragt sie und gibt auch gleich die Antwort: «Definitiv nein».