Religion und Schule
Muslime fühlen sich von Zürcher Bildungsdirektion übergangen

2009 ist die Zürcher Bildungsdirektion für ihre Richtlinien zum Umgang mit muslimischen Schulkindern kritisiert worden. Sie zog sie zurück und erarbeitete neue. Diese wurden im Januar 2011 veröffentlicht und irritieren Muslime.

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Muslime zwischen Religionsfreiheit und Schulgesetz. (Archiv)

Muslime zwischen Religionsfreiheit und Schulgesetz. (Archiv)

Aargauer Zeitung

Philippe Dätwyler, Sekretär des Interreligiösen Runden Tischs, bestätigte am Donnerstag eine Meldung des Winterthurer «Landboten» und der Zürcher Regionalzeitungen, wonach sich Runder Tisch und Muslime brieflich an die Bildungsdirektion wenden wollen.

Sie verstünden nicht, warum die neuen Empfehlungen erarbeitet und erlassen wurden, ohne die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (Vioz) zu informieren. Die zurück gezogenen Richtlinien seien zusammen mit den Muslimen erstellt worden.

Da sei zu erwarten, dass diese zumindest informiert würden, ersetze man die Richtlinien durch neue Empfehlungen. Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamtes, dagegen verweist darauf, bei den neuen Empfehlungen habe man das religiöse Hintergrundwissen der Muslime nicht gebraucht.

Zwischen Religionsfreiheit und Schulgesetz

Die Empfehlungen seien einerseits nicht mehr allein auf muslimische Kinder bezogen. Andererseits habe man dafür juristisches Fachwissen gebraucht.

Sie seien eben «eher eine Auslege-Ordnung an den Berührungspunkten von Schulrecht und Religionsfreiheit». Und während die Vioz in den neuen Empfehlungen gerade das Fehlen konkreter Beispiele bemängelt, stellt das für Wendelspiess einen Vorteil dar.

Solche Beispiele führten oft zu Missverständnissen, weil sie als Allgemeinfall verstanden oder falsch interpretiert würden. Eine solche Interpretation hatte letztlich zur Überarbeitung der alten Weisungen geführt.

Es durften immer Weihnachtslieder gesungen werden

Diese waren im Winter 2009 unter Beschuss geraten, weil darin stand, muslimische Kinder müssten bei Weihnachtsvorbereitungen, nicht aktiv «an Handlungen und Liedern mit religiösem Inhalt welche ihrem Glauben widersprechen» teilnehmen.

Dies war in der Öffentlichkeit so interpretiert worden, als ob in den Schulen keine Weihnachtslieder mehr gesungen werden dürften. Die Anfang 2011 präsentierten neuen Empfehlungen beziehen sich nun nicht mehr nur auf muslimische Kinder.

In ihnen geht es um den Umgang mit Kindern «verschiedener Religionen». Dätwyler betont, der Runde Tisch finde das prinzipiell gut. Damit werde der Eindruck vermieden, Muslime seien eine besonders schwierige Gruppe. (sda)