Zürich
Musikunterricht ist bei Schülern so beliebt wie noch nie

Singen lernen oder ein Instrument spielen ist bei Zürcher Schülern hoch im Kurs. Das zeigt die Statistik. Leicht rückläufig dagegen entwickelt sich die Zahl der Musikschulen, sowie unterrichtenden Lehrpersonen.

Lina Giusto
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Violoncello und Kontrabass sind bei den Musikschülern sehr beliebt: Rund 37 Prozent ist die Zahl der musizierenden Schüler in den letzten sieben Jahren gestiegen.Urs Lindt

Violoncello und Kontrabass sind bei den Musikschülern sehr beliebt: Rund 37 Prozent ist die Zahl der musizierenden Schüler in den letzten sieben Jahren gestiegen.Urs Lindt

Urs Lindt

Diese Woche läuft das Konsultationsverfahren vom Musikgeschäft Musik Hug aus. Dann muss das Traditionsunternehmen entscheiden, wie viele seiner Angestellten eine Kündigung erhalten.

Gründe dafür gibt es einige: Das Geschäft mit Musiknoten läuft nicht, die CD-Verkäufe sind fast komplett eingebrochen. Zudem wurden deutlich weniger Blasinstrumente verkauft. Umso überraschender, was für Informationen das Statistische Jahrbuch des Kantons Zürich 2016 liefert – kantonale Rekordwerte bei den Musikschülern.

70 110 Schüler haben im Schuljahr 2014/2015 neben dem obligatorischen Schulunterricht ein Musikinstrument erlernt oder ihre Stimme im Vokalunterricht geschult. Aber nicht nur: Auch Kinder im Vorschulalter, die eine musikalische Früherziehung geniessen oder etwa die Teilnahme in Chören oder Ensembles zählen zum ausserschulischen Musikunterricht.

Die Zahl der musizierenden Schüler im Kanton Zürich ist seit 2009 um rund 11 Prozent angestiegen. Leicht rückläufig dagegen entwickelt sich die Zahl der Musikschulen, sowie unterrichtenden Lehrpersonen.

Noten werden oft illegal kopiert

Dass bei diesen Rekordwerten an Musikschülern, die neben dem obligatorischen Musikunterricht noch zusätzlich ein Instrument lernen oder ihre Stimme trimmen, die Zahl der verkauften Noten und Instrumente zurückgeht, wirft Fragen auf.

Andy Sutter, Sprecher von Musik Hug sagt: «Noten werden leider auch immer mehr bei kleineren Musikensembles, Chören oder sogar bei Musikschulen kopiert. Zudem werden Noten auch immer mehr im Internet eingekauft. Einerseits illegal, durchaus aber auch legal.» Nicht umsonst sei das Onlineportal Amazon heute der grösste Notenhändler der Welt. Zudem sei auch der Verkauf von Instrumenten seit Jahren rückläufig. «Besonders bei den Blasinstrumenten», so Sutter.

Kosten dreigeteilt

Musikschulen bieten als Ergänzung zum Musikunterricht an der Volksschule den Instrumental- und Vokalunterricht an. Gemäss der Musikschulverordnung trägt der Kanton pro Schüler und Schuljahr pauschal 100 Franken pro Einzelunterricht, 75 Franken im Doppelunterricht und 50 Franken im Gruppenunterrichts.

Zusätzlich bezahlt der Kanton pro Musikschüler und Schuljahr einen Franken für die Dienstleistung der Musikschulen. Die übrigen Kosten tragen Eltern und Gemeinden, wobei, gemäss Verordnung, der Elternbeitrag die Hälfte der Betriebskosten des Unterrichts nicht übersteigen dürfen. (GIU)

Die Statistik gibt ihm Recht. Nach wie vor lernen die meisten Schüler Klavier oder Gitarre. Auf der Beliebtheitsskala der Zürcher Schulkinder folgen die Violine und Schlaginstrumente. Erst auf Rang vier platziert sich ein Blasinstrument: Die Blockflöte. Instrumente wie Klarinette, Trompete und Saxofon belegen die hinteren Ränge. Immer grösserer Beliebtheit erfreuen sich dagegen der Gesangs-und der Kontrabass-Unterricht.

In den vergangenen sechs Jahren hat sich die Zahl der Gesangsschüler mehr als verdoppelt. Immerhin 37 Prozent mehr Schüler wollten im gleichen Zeitraum Kontrabass und Violoncello spielen lernen. Währenddessen sank das Interesse am E-Bass und Keyboard deutlich. Diese Instrumente verzeichnen über einen Viertel weniger Schüler seit 2009.

Mit Musik fürs Leben lernen

Laut dem Volksschulamt der Bildungsdirektion des Kantons Zürich sind die Gründe für das Erlernen eines Musikinstrumentes vielfältig. Leiterin Marion Völger sagt: «Das Spielen eines Instrumentes fördert die geistige Entwicklung, schult die Feinmotorik, weckt kreatives und emotionales Potenzial und vermittelt wichtige Aspekte für ein erfolgreiches und glückliches Lernen.» Zudem habe Musizieren einen positiven Einfluss auf das Sozialverhalten.