Zürcher Hochschule der Künste
Musiker untersucht das Summen der Bienen und fügt eigene Melodien hinzu

Für seine Masterarbeit in Transdisziplinarität hat Beat Hofmann sein Stammfach Musik gemischt mit Zoologie, Akustik und Imkerei. Vor zwei Jahren hat sie angefangen, sich der Imkerei zu widmen, nun verfügt sie über zehn Völker.

Alfred Borter
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Ein Musiker untersucht das Summen der Bienen
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«Summit» kombiniert Musik mit Imkerei sowie auch Zoologie und Akustik
Beat Hofmann mit seinem Kasten zum Mitsummen

Ein Musiker untersucht das Summen der Bienen

Fotos: Alex Frei

Mit «Summit» ist der Kasten angeschrieben, den sich der Musiker Beat Hofmann in einem Ausstellungsgebäude der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) über den Kopf zieht. Darin summt es, und Summit entpuppt sich als Aufforderung: Summ mit! Er selber hat sich von dem Summen, dem Brummen und dem Knistern im Bienenstock dazu anregen lassen, selber mitzusummen, der Melodie der Bienen ein eigenes Lied hinzuzufügen.

Der Holzkasten, dank dem man dem Summen der Bienen zuhören und sie durch einen Sehschlitz auf Video auch sehen kann, ist Teil von Hofmanns Masterarbeit in Transdisziplinarität. Dieses Fach sei noch jung, aber spannend, sagt Hofmann, der bereits ausgebildeter Rhythmiker, Schulmusiker, Musikvermittler und Sänger ist.

Endlich ein Thema, das in Mode ist

Jetzt, mit über 50, hat er sich in ein neues Abenteuer gestürzt. Er hat sich dem Klang der Bienen verschrieben und sich auf eine künstlerische Forschungsreise begeben, wie er sagt. Für seine Masterarbeit in Transdisziplinarität hat er sein Stammfach Musik gemischt mit Zoologie, Akustik und Imkerei.

Grenzen überschreiten war für ihn immer ein Thema. Neben seiner freischaffenden Tätigkeit als Sänger und Schulmusiker an einer Mittelschule beschritt er mit seinem Label S.E.P. (Schweizer Ethno Projekte) eigene künstlerische Wege. Darauf gründen Formationen wie «schweizerart ensemble» und «Marmotte». Daneben hat er auch massgeblich bei der Neukonzeption des historischen Landvogteimarktes im Städtchen Grüningen mitgewirkt, in dem er wohnt.

Doch wie kam er darauf, sich jetzt mit Bienen zu befassen? Weil seit dem Film «More than honey» von Markus Imhof die Honigtierchen einen Boom erleben? Hofmann schmunzelt. Seine Frau habe ihm gesagt, endlich befasse er sich einmal mit einem Thema, das dem Mainstream entspreche. Vor zwei Jahren hat sie angefangen, sich der Imkerei zu widmen, nun verfügt sie über zehn Völker. Das Leben der Bienen sei auch für ihn faszinierend, sagt Hofmann. «Ihr Summen lässt mich nicht kalt.» Er hat festgestellt, dass es ungefähr dem Ton b entspricht, mit Abweichungen gegen unten zum Ton a und nach oben zum Ton h. «Das ist Musik», sagt er.

Und nun untersucht Hofmann in seinem durch dickes Isoliermaterial von allen Aussengeräuschen abgeschirmten Versuchsbienenstock mit verschiedenen Luftschall- und Körperschallmikrofonen, wie es summt. Wenn die Drohnen heimkommen, tönt es ganz anders, hat er bemerkt: «Wie kleine Ferraris.» In der Nacht tönt es anders als am Tag. Denn Bienen sind auch in der Nacht aktiv: Die Brutpflege erlaubt keinen Unterbruch, und mit ihrem Fächeln halten die Bienen Lufttemperatur und Feuchtigkeit konstant.

Horchen, wie es einem Volk geht

Interessant wäre es, wenn er das unterschiedliche Summen im Bienenstock unterschiedlichen Tätigkeiten zuordnen könnte. «Die Imker sagen, dass sie nicht nur darauf achten, was sie sehen oder riechen, sondern dass sie auch lauschen, um herauszufinden, wie es einem Volk geht, wie gesund es ist», sagt Hofmann. In der Literatur finde man aber fast nichts über den Klang der Bienen. «Da gibt es durchaus noch Möglichkeiten für weitere Forschungen.» Der Verhaltensforscher, Soziobiologe und Bienenexperte Jürgen Tautz, Professor an der Universität Würzburg, sei auf jeden Fall sehr gespannt, welche Resultate Hofmann vorlegen werde.

Geräuschaufnahmen macht er noch bis Ende Juni. «Dann endet das diesjährige Bienenjahr», sagt er. Danach beginnt die Zeit, in der sich das Bienenvolk auf den Winter vorbereitet. Zuvor aber wird das Versuchsvolk mit seiner neuen Königin ausschwärmen. Und wie das dann tönt, darauf ist Hofmann enorm gespannt. Er ist überzeugt: «Das wird ein rechtes Gebrause geben.»

Mit seiner Arbeit belegt er: Bienen sind viel mehr als Honiglieferanten. Man könne die pelzigen Tierchen sogar ganz gern bekommen.

Ausstellung im Dittinghaus der ZHdK, Limmatstrasse 44 (Zugang durch den Kunsthof, 1. Stock) bis zum 13. Juni jeweils von 12 bis 20 Uhr. Ab 28. Oktober findet im Zoologischen Museum der Universität Zürich während dreier Monate eine grössere Ausstellung statt, in der sich Besucherinnen und Besucher in einem überdimensionalen Bienenstock bewegen können. Infos: www.beabee.ch

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