Zürich

Museumsbau boomt – es kann aber auch Einbussen bringen

Auch das Museums Rietberg wurde schon erweitert - und es hat sich gelohnt. (Archiv)

Auch das Museums Rietberg wurde schon erweitert - und es hat sich gelohnt. (Archiv)

Was das Kunsthaus nun kriegt, haben andere Zürcher Museen in den letzten Jahren bekommen: einen Erweiterungsbau mit modernsten Räumen. Die Bilanzen fallen nicht nur positiv aus.

Es herrscht Museumsbauboom: Basel und Chur haben kürzlich neue Kunstmuseumsbauten erhalten; in Zürich war gestern Spatenstich für den Kunsthaus-Erweiterungsbau – und in den letzten zehn Jahren bekamen das Landesmuseum, die Kunsthalle und das Migros-Museum, das Museum für Gestaltung und das Museum Rietberg neue Bauten.

Von einer «Welle neuer Museen» spricht Brigit Wehrli, die Präsidentin des Vereins Zürcher Museen und frühere Direktorin von Stadtentwicklung Zürich. Angefangen habe es in den 1990er-Jahren mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao. Dann folgte die Tate Modern, die dem Londoner Stadtteil South Bank neues Leben einhauchte. Und jetzt also Zürich.


«Städte mit hoher Lebensqualität investieren in Kultur. Und es scheint sich auszuzahlen», lautet Wehrlis Erklärung. So entwickle sich der Städtetourismus in der Schweiz positiv, während die Touristiker in den Bergregionen mit sinkender Nachfrage zu kämpfen haben. Museen würden die Städte aufwerten, indem sie neue öffentliche Räume schaffen, doppelt Nicole Mayer nach. Sie ist Geschäftsführerin des Vereins Zürcher Museen.


Allerdings locken Museumsneubauten nicht automatisch mehr Publikum in die Museen – und wenn, dann wirkt der Effekt des Neuen oft nur kurzfristig. In der Kunsthalle auf dem Löwenbräu-Areal etwa stieg die Besucherzahl im Jahr nach der 2012 erfolgten Neueröffnung deutlich auf über 28 000 an. 2015 lag sie mit 21 800 wieder auf dem Niveau von 2009, wie die Kunsthalle auf Anfrage bekannt gab. Ähnlich entwickelte sich der Besucherzustrom im benachbarten Migros Museum für Gegenwartskunst.


Auch das Museum für Gestaltung erhielt unlängst eine neue Bleibe: 2014 zog es mit der Zürcher Hochschule der Künste ins Toni-Areal. Im ersten Jahr nach dem Umzug kamen ähnlich viele Besucher wie sonst auch in einem guten Jahr, so Kommunikationsleiterin Bernadette Mock. Für 2016 werde aber erwartet, dass die Besucherzahl tiefer ausfällt.

Als Gründe führt Mock zum einen die grosse Konkurrenz durch das Dada-Jubiläumsjahr und die Manifesta an. Zum anderen liege der Standort Toni-Areal für Touristen oft zu weit weg vom Stadtzentrum. Abhilfe für das letzgenannte Problem kommt 2018: Dann kann das Museum für Gestaltung, wenn alles nach Plan läuft, sein saniertes Stammhaus an der Ausstellungsstrasse wieder beziehen. Den Standort Toni-Areal wird es ebenfalls weiterhin nutzen. «Wir können dann endlich umfassende Sammlungsausstellungen mit längeren Laufzeiten zeigen», freut sich Mock. Ziel sei es, die beiden Standorte als lebendige Orte zu etablieren.


Museum Rietberg verdoppelte


Eine positive Bilanz knapp zehn Jahre nach der Eröffnung des Erweiterungsbaus zieht Albert Lutz, damals wie heute Direktor im Museum Rietberg. Das Museum für aussereuopäische Kunst sei vor der Neueröffnung 2007 klein und fast ein wenig verstaubt gewesen. «Heute sind wir eines der führenden Museen auf diesem Gebiet», sagt Lutz. Das Rietberg-Museum erhielt 2007 – grösstenteils unterirdisch – fast doppelt so viel Raum, wie es vorher hatte. Knapp zehn Jahre später haben sich die Besucherzahlen laut Lutz auf doppelt so hohem Niveau eingependelt wie vor der Erweiterung. Sein Fazit: «Der Neubau hat sich bewährt. Wir mussten nichts nachbessern.»


Feuchte Wände in der Kunsthalle


Anders sieht es in der Kunsthalle auf dem Löwenbräu-Areal aus: Hier finden wegen feuchter Wände bereits wieder Renovationsarbeiten statt. Sie passen zu den gegenwärtig ausgestellten Werken der Britin Phyllida Barlow, heisst es auf der Website der Kunsthalle.
Wie sich der diesen Sommer eröffnete Landesmuseums-Erweiterungsbau längerfristig bewährt, bleibt abzuwarten. Punkto Besucherzahlen werde der Vorjahreswert von 230 527 übertroffen, sagt Landesmuseums-Sprecher Alexander Rechsteiner.

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