Fall Mörgeli
Mörgeli-Gutachter: «Uni sagte aus politischen Gründen nicht die ganze Wahrheit»

Ein Gutachter des Berichts zu den Dissertationen am Medizinhistorischen Institut übt massive Kritik an der Universität Zürich. Aus politischen Gründen sei nicht die ganze Wahrheit kommuniziert worden, so der deutsche Professor.

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Professor Wolfgang Eckart geht mit der Universität Zürich hart ins Gericht

Professor Wolfgang Eckart geht mit der Universität Zürich hart ins Gericht

Keystone/Uni Heidelberg

In der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens behauptet Professor Wolfgang Eckart, in der Mitteilung über mangelhafte Betreuung von Dissertationen habe die Zürcher Uni «die schlechten Ergebnisse kommuniziert und die guten unterschlagen». Dies geht aus einer Vorabmeldung zur Sendung hervor, die der «Nordwestschweiz» vorliegt.

Dass die später entlassene Medizinhistorikerin Iris Ritzmann die wissenschaftlich guten Dissertationen betreut habe, sei verschwiegen worden. Ritzmann wird beschuldigt, interne Kritik an Christoph Mörgelis Museum an die Medien weitergegeben zu haben, was sie bestreitet.

Auf die Frage, warum die Universität so vorgegangen sei, sagt Eckart in der «Rundschau»: «Man war gelähmt aus politischen Gründen, man hatte offensichtlich Angst vor einer politischen Situation, man hatte Angst vor der Öffentlichkeit, aber vielmehr noch vor politischen Institutionen und auch vor Staatsanwaltschaften, die parteipolitisch durchtränkt sind.»

Vollständige Überprüfung gefordert

Das eigentliche Problem ader Misere sei Christoph Mörgeli. Seiner Einschätzung nach müssten nun alle Dissertationen Mörgelis überprüft werden. Weiter sei zu überprüfen, ob Titular-Professor Mörgeli die Lehrtätigkeit entzogen werden müsse. Die Universität habe seit Jahren von den Missständen gewusst, aber selbst auf Hinweise von ihm nicht reagiert, sagt Eckart.

Er spricht von einer Vorverurteilung von Ritzmann und kritisiert auch an Hans-Peter Portmann, dem Präsidenten der parlamentarischen Zürcher Bildungskommission. Dieser hatte öffentlich erklärt, dass er den Protest von 600 Wissenschaftlern gegen die Entlassung von Ritzmann nicht goutiere. Portmann sei befangen und müsste zurücktreten.

Uni schweigt

Professor Wolfgang Eckart ist Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg und und einer von drei internationalen Experten, die die medizinhistorischen Dissertationen der Universität Zürich aus den Jahren 2002 bis 2012 untersucht haben.

Die Universitätsleitung wollte sich gegenüber der Rundschau nicht zu den Vorwürfen äussern. Christoph Mörgeli lehnte eine ausführliche Stellungnahme mit dem Hinweis ab mit dem Hinweis, die Kommission hätte ihm bis heute kein rechtliches Gehör gewährt. (nch/cze)