Zürich
Mordfall Kaufleuten: Staatsanwalt fordert 20 Jahre für Messerstecher

Im Juli 2012 endet eine Partynacht im Zürcher Szenelokal Kaufleuten in einem tödlichen Drama. Ein 21-jähriger Iraker veletzt einen 23-jährigen mit elf Messerstichen tödlich. Der Staatsanwalt taxiert den Angriff als Mord und verlangt 20 Jahre Haft

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Mit Kerzen und Blumen vor dem Klub Kaufleuten gedachten Feunde des Opfers kurz nach der Tat.

Mit Kerzen und Blumen vor dem Klub Kaufleuten gedachten Feunde des Opfers kurz nach der Tat.

Keystone

Die Anklageschrift im Mordfall Kaufleuten ist ein Protokoll des Schreckens, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt, der die Anklageschrift vorliegt. Am 15. Juli 2012 endet eine Partynacht im Zürcher Szenenclub in einem tödlichen Drama.

Morgens um 3 Uhr sticht der 21-jährige Iraker Shivan M.* mit einem sogenannten Butterfly-Messer auf Vigan M. (23) ein - elf Mal. In die Brust, in den Bauch, in die Arme. Vigan verblutet an den Stichverletzungen noch auf dem Trottoir vor dem Club.

Staatsanwalt: Es war Mord

«Mit den Messerstichen gegen den Oberkörper wollte der Beschuldigte, dass sein Opfer tödliche Verletzungen erleidet», schreibt der zuständige Staatsanwalt Michael Scherrer in der Anklage. Dabei habe er besonders skrupellos, in krass egoistischer Weise, aus Rache und gänzlich übersteigerter Geltungssucht sowie Eitelkeit getötet.

Für Scherrer ein klarer Fall: Es war Mord. Deshalb fordert der Staatsanwalt für Shivan M. eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren.

Für den Opferanwalt David Gibor zeugt die Tat von unfassbarer Brutalität. «Shivan kündigte den Mord mehrfach und auch lautstark an. Zudem führte er die Tat genau so aus, wie er sie angekündigt hatte.» Unfassbar: Noch auf dem Fluchtweg, mit dem blutigen Messer in der Hand, prahlte er gegenüber seinem Kollegen, wie grausam er das Opfer soeben getötet habe.

«Grosse Heimtücke»

«Die Tat zeugt von grosser Heimtücke und einem regelrechten Vernichtungswillen», sagt Gibor. Er will deshalb, dass der Täter zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt wird.

Für den bekannten Milieuanwalt Valentin Landmann, dessen Anwaltskanzlei die Verteidigung von Shivan M. übernommen hat, ist das Tötungsdelikt unbestritten. «Wir kritisieren aber, dass die Anklageschrift einseitig die Schlägerei vor der Tat schildert. Unser Mandant wurde dabei brutal zusammengeschlagen», sagt Landmann. Dies sei der Auslöser für den Emotionsausbruch gewesen, der schliesslich zur Tat führte.

Nach Kaufleuten-Drama: Gedenkmarsch für Vigan M.
6 Bilder
Mit dem stillen Gedenkmarsch wollten sie ein Zeichen gegen Gewalt setzen
Am Tatort, beim Club Kaufleuten, legen sie Kerzen und Blumen nieder.

Nach Kaufleuten-Drama: Gedenkmarsch für Vigan M.

Keystone

Landmann: «Wir werden eine hohe Strafe akzeptieren, plädieren aber für eine Verurteilung, die einiges unter den geforderten 20 Jahren liegt.»

Prozess beginnt am 24. Juni

Der Prozess gegen den Messerstecher und seinen Gehilfen findet am 24. Juni statt. Die Chance, dass Shivan trotz seiner brutalen Tat verwahrt wird, ist klein. Grund dafür ist ein psychiatrisches Gutachten, welches keine hohe Gefährlichkeit und Rückfallgefahr feststellt, wie es die Anordnung einer Verwahrung voraussetzt.

Der Mord an Vigan hinterlässt bei seiner Familie und bei Freunden grosse und nicht heilende Wunden. Laut Opferanwalt Gibor geht es den Angehörigen sehr schlecht: «Sie leiden alle unter dem schweren Verlust eines geliebten Familienmitglieds.»