Zürich
Morddrohungen gegen Journalisten: FCZ-Fan zu bedingter Geldstrafe verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich hat einen 26-jährigen FCZ-Fan zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Er hatte mitgeholfen, dass seine Kollegen vier "Blick"-Journalisten mit dem Tod bedrohen konnten, weil diese einen FCZ-Fan in die Öffentlichkeit zerrte.

Drucken
Teilen
Bei einem FCZ-Auswärtsspiel bei Lazio Rom zündete ein Fan eine Petarde, die darauf in seiner Hand explodierte. Darauf betitelte der Blick den Mann als «Petarden-Trottel» (Symbolbild)

Bei einem FCZ-Auswärtsspiel bei Lazio Rom zündete ein Fan eine Petarde, die darauf in seiner Hand explodierte. Darauf betitelte der Blick den Mann als «Petarden-Trottel» (Symbolbild)

Keystone

«Entlarvt! Das ist der Petarden-Trottel» - Mit dieser Schlagzeile zerrte der Blick im November 2011 einen FCZ-Fan in die Öffentlichkeit, der vier Tage zuvor beim Europa-League-Ausswärtsspiel des FCZ gegen Lazio Rom eine Petarde im Stadion entzündete und diese in der Hand des Fans explodierte.

Drei Finger wurden dabei so stark verletzt, dass diese nicht mehr gerettet und angenäht werden konnten.

In der Folge haben etliche FCZ-Fan eine Hetzjagd gegen die schreibenden Sportjournalisten des «Blick» gestartet und sie mit dem Tod bedroht, in dem sie den vier betroffenen Journalisten an der Wohnadresse unter anderem tote Fische in den Briefkasten legten, was einer Morddrohung gleichkommt.

Nun hat das Bezirksgericht Zürich am Freitag den 26-jährigen FCZ-Fan zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Er hat gemäss Urteil mitgeholfen, dass seine Kollegen vier "Blick"-Journalisten bedrohen konnten. Wegen Gehilfenschaft zur Drohung wurde er mit 60 Tagessätzen zu 30 Franken bestraft.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Beschuldigte anderen FCZ-Fans im November 2011 das Auto seines Vaters zur Verfügung gestellt hatte.

In dieser Zeit veranstaltete mehrere militante Fans eine Hetzkampagne gegen vier "Blick"-Journalisten.

An die Briefkästen der Journalisten klebten sie Flyer, auf denen "Wer kennt diese (Ruf)Mörder?" geschrieben stand. Drei "Blick"-Mitarbeiter waren auf den Flyern mit Fotos abgebildet. Zwei wurden zudem als "Kinderschänder und Vergewaltiger" verunglimpft.

Tote Fische im Briefkasten

Die Fans deponierten tote Fische in den Briefkästen der Journalisten - eine Todesdrohung im Stil der sizilianischen Mafia. Die Opfer wurden auch per Telefon und SMS bedroht.

Auslöser für die Hetzkampagne war die kritische Hooligan-Berichterstattung im "Blick". Ein FCZ-Fan wurde dabei als "Petarden-Trottel" bezeichnet, weil er eine Fackel mit einer Petarde verwechselt hatte. Die Explosion riss ihm drei Finger ab.

Fan verweigerte Aussage

Die Polizei tappte zunächst im Dunkeln, konnte im Januar 2012 dann aber den damals 24-jährigen Studenten aus Zürich-Altstetten festnehmen.

Der Schweizer wurde zwei Wochen in Untersuchungshaft gesteckt, er wies aber alle Vorwürfe zurück.

Am Freitag vor Gericht verweigerte er gar jegliche Aussage. Der Staatsanwalt forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten wegen mehrfacher Drohung, Sachbeschädigung und übler Nachrede.

Ein Augenzeuge hatte am Wohnort eines Journalisten ein verdächtiges Auto mit vier jungen Leuten beobachtet.

Weil er die Autonummer in sein Handy getippt hatte, konnte die Polizei später den Besitzer ausfindig machen - den Vater des Beschuldigten. Die Polizei fand das Auto später vor dem Haus des Fans.

Weiterzug wahrscheinlich

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch und warf den Untersuchungsbehörden "gewagte Spekulationen" vor.

Es sei nicht erwiesen, dass die Fans tatsächlich die Kleber an den Briefkästen angebracht hätten. Zudem gebe es keine DNA-Spuren.

Das Gericht verurteilte den Fan trotz dünner Beweislage. "Ich habe keine Zweifel, dass der Beschuldigte etwas mit der Geschichte zu tun hat", sagte der Richter zum Schluss und fügte an, dass "tote Fische im Briefkasten keine adäquate Reaktion auf guten oder schlechten Journalismus sind".

Der Beschuldigte, der von zahlreichen Fans zum Gerichtstermin begleitet wurde, nahm das Urteil verärgert entgegen. Sein Anwalt wird den Fall voraussichtlich ans Obergericht weiterziehen. (sda)

Aktuelle Nachrichten